Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

39 A. Bugemann: 
Beispiel: Md 12 J.: Ich kann nicht mit mir zufrieden Sein, trotzdem ich 
mich noch 80 viele Mühe gebe. Mein letztes Zeugnis war Sehr gut, doch in 
einigen Fächern Könnte es besser gewesgen Sein, Z. B.: In der Rechenstunde 
hätte ich mich ein bißchen mehr anstrengen müssen. Doch vor aller Angst 
Stand ich dann Schon eine halbe Stunde vorher auf und rechnete mein 
Rechnen nach, doch ich bekam nichts Anderes raus. vo ging ich in die 
Schule. Wenn wir aber vorlesen mußten, 80 hatten Sie alle anders als ich. 
Die Folge war, ich batte falsch gerechnet und mußte eine Stunde nachgitzen. 
Mit gesenktem Haupte kam ich des Mittags nach Hause. Ich bin mit mir 
Selbst ziemlich zufrieden. (Hat 2 ältere Schwegtern.) 
IV. Der Typus moraäliScher Selbstbeurteilung. 
Das eigene Verhalten wird mit moralischen Forderungen VEer- 
glichen und dementsprechend beurteilt. In der Regel Schließen 
Sich Äußerungen über gute VorgSätze usw. an. Dieser Typus wiegt 
bei Mädchen vor (im Vergleich zu den Knaben) und stellt dort in 
allen Altersstufen einen großen Prozentsatz. 
Beispiel: Md 14 J.: Ich bin nicht mit mir Selbst zufrieden. Ich habe 
noch zwei Geschwister, und da kommt es manchmal vor, daß wir uns unter- 
einander zanken. Wenn Sich aber mein Bruder und meine Schwester zanken, 
dann Stecke ich mich auch dazwischen, und das tut mir nachher immer leid; 
denn meine Mutter Sagt Sebr oft zu mir, ich müsse meinen Geschwistern mit 
gutem Beispiele vorangehen. Da ich dieses nicht immer tue, bin ich nicht 
mit mir Selbst zufrieden. Aucb in einem andern Falle nicht. Wenn meine 
Mutter mir einen Auftrag gibt, und ich Sitze gerade und lege in einem Buche, 
dann murre ich darüber, daß ich immer gehen Soll. Es können Ja auch ein- 
mal meine anderen Geschwister gehen. Doch bald tut mir der Gedanke leid. 
Dieses kommt aber immer zu Spät, meistens dann, wenn ich abends im Bett 
liege. Dann muß ich immer an das vierte Gebot denken: Du Sollst deineYr 
Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest 
auf Erden. Ich bin mit mir Selbst nicht zufrieden. (Hat einen Jüngeren 
Bruder und eine Jüngere Schwegter.) 
V. Der Typus vorwiegender Darstellung 
eigener Gefühle und anderer Seelischer Erschei- 
nungen. Diese Form kann Sich mit Jeder der vorgenannten 
miSchen, Sie tut es meist mit dem Typus IV. Die reinen Fälle der 
„Seelenreflektion“ machen oft den Kindruck, an der Grenze des 
Gesunden zu Stehen. Charakteristisch Sind gie für die präpuberale 
Krregungsphase. 
Beispiel: Kn 15 J.: Ob ich mit mir Selbst zufrieden Sein kann? Das ist 
'cIne 80 Schwere oder besser Schwer zu entscheidende Frage, daß man darauf 
getrost mit „ja“ und auch mit „nein“ antworten kann. Ich bin mit mir zu- 
frieden, und ich bin es auch nicht. Was meine Leistungen in der Schule 
anbelangt, da muß ich sagen, daß Sie mich befriedigen. Allerdings könnte 
ich noch mehr leisten, ich bin faul, und das gefällt mir nicht an mir. Aber 
ich verspüre in mir auch nicht einen Drang, mich in der Schule mehr als 
bisher zu betätigen, um 80 mehr, als ich ja bald abgebe. Auch im Verkehr 
mit meinen Kameraden in der Schule finde ich fast, ich 8age ausdrücklich
	        

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