Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Geschwisterschaft, Schultüchtigkeit und Charakter. 35 
die Schon bekannte Tatsache, daß kurz vor der Pubertät, etwa 
mit 12--13 Jahren, eine Phage ungünstiger Selbstbeurteilung und 
relativ verinnerlichter Selbstdarstellung liegt. Wir haben es mit 
der Reflektion des 80g. Flegelalters zu tun, Jener Altersstufe, die 
durch ihre Neigung zu dummen Streichen ebenso bekannt ist wie 
durch die Verinnerlichung des Erlebens und die Empfänglichkeit 
für ethische und religiöse Ideale: * 
"%.“- Häufigkeit der 8Z-, zZ-, nz-Urteile (Kn 4- MQ)? 
Lebengalter: 10 11 12 13 14 15 Jahre 
Z . . . . 28 17,5 18,5 18 15,5 17 
Zz .. . . 067 “2 66,5 69 76.5 0D 
nz . „. DD 10,5 14, 5 13 8 8 
Die VUngunst der Selbstbeurteilung bei 12-13 Jahren darf 
aber nicht etwa als bloße Folge der verinnerlichten Reflektion ver- 
Standen werden. Gewiß leitet richtige Selbsterkenntnis meist zur 
Selbstverurteilung an, aber ungünstige Selbstbeurteilung kann auch 
tatsächlicher eigener Unzulänglichkeit entspringen, die Sich infolge 
von Mißeriolgen, Konflikten usw. dem Bewußtsein aufdrängt. Be- 
kanntlich ist das Alter von 12-138 Jahren ein Alter Solcher Kon- 
flikte. Es mag Sein, daß die Minderung des primären Kraft- und 
Lebensgefühls, die in den kritischen WachstumsJjahren Statthat, 
den Boden für eine tiefer eindringende Reflektion bereitet, daß die 
Unzufriedenheit mit gich gelbst nicht Wirkung Sondern Urgache 
der Verinnerlichung dieger Altersphase und ihrer zutreffenderen 
Selbsterkenntnis ist. -- 
Wir gehen nun zur Vergleichung der hingichtlich der Ge- 
Schwistrigkeit unterscheildbaren Kindergruppen über. 
a) Geschwisterzahl und Reflektiertheit. Wir 
berechnen zunächst die prozentuelle Häufigkeit der drei Urteils- 
arten 82, ZZ, nz, indem wir die Anzahl der Individuen einer Ge- 
Schwistrigkeitsart (z. B. die geschwisterlosgen Knaben) gleich 100 
Setzen. Dann ergeben Sich folgende Werte: * 
(Kn. ?/, 4- Md.) 
SZ 77 nz 
geschwisterlos . . . . 21 66,5 125 
eingeschwistrig . . . . 17 69,5 13 
? Vgl. meine zusammenfasgende Darstellung der „Erregungsphasen“ in 
der Ztschr. für Kinderforschung 33, S. 115ff., 1927. 
*? Der Beschränktbeit des Materials wegen fassen wir die Gegchlechter 
zuSammen. 
8 Fraktionierung auf Gegschlechter ergibt dassSelbe, aus Raumgründen 
erSPATEN WIE UNS die Einzelwerte. 
Z*
	        

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