Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

38 A, Bugemann: 
Die ganz naive Darstellung der Verhältnisse, in denen man 
lebt, findet Sich also bei Kindern mit 2--3 Geschwistern durchaus 
nicht 80 viel häufiger als Sonst, wie man nach dem Vorhergehenden 
erwarten konnte, ebenso die Darstellung des eigenen Körpers. 
Im Gegenteil, diese Darstellungstypen, die im Vollsinn naiv und 
entwicklungsrückständig zu nennen wären, Sind bei Kindern dieger 
Art zum Teil Seltener als Sonst. Der eigentliche Unterschied 
ZwigSchen geschwisterarmen und mehrgeschwistrigen Kindern stellt 
Sich erst heraus, wenn wir die Häufigkeit der Typen II1I--V ver- 
Zleichen. Gefühlsreilektion und moraälische Re- 
irlektion Sind für geSchwisSterarme Kinder, 
Leistungsretlektion für mehrgeschwisStrige und 
geCSChwiSterreiche Kinder bezeichnend: 
0--1 2 3--9 Geschwister 
% % % 
Typus WW. . . . . . 235 26 42 
„ MN-V . . . . 26 22 6,5 
Den Kindruck dieser Zahlen vertieft die Vergleichung der 
Niederschriften. Bei Lektüre der gSelbstdarstellungen geschwister- 
loger und eingeschwistriger Kinder drängt Sich der Kindruck auf, 
daß diese Kinder relativ oft in einer typisch puberalen Art von 
Ihren Stimmungen und Affekten Sprechen. Die Reizbarkeit der 
gegchwisterlogen 12-13 Jährigen Knaben („Iich werde leicht ärger- 
lich, wütend“ usw.), die Neigung zu depressSiven Affekten („ach 
bin immer ängstlich“), die Unbeständigkeit ihrer Interessen und - 
ihr Mangel an Selbstbeherrschung („ich bin willensschwach, ände- 
rungsgüchtig“) kommen in den bekannten Zusammenhängen mit 
Klagen über Nervogität, Vereingamung und Arbeitsunlust zum Aus- 
druck. Weniger deutlich heben Sich durch Gefühlserwähnungen 
die geschwisterarmen Mädchen von den andern ab, da Gefühls- 
erwähnungen bei Mädchen überhaupt nicht gelten Sind, aber 
erkennbar ist auch hier das Vorwiegen der tbypisch puberalen Ge- 
fühlswelt. Es Scheint danach, daß die oft ge- 
Schilderte, an Emotionen und an Reflektion 
reiche Yorm des Pubertätsverlautfts, die man auch 
als Kulturform der Pubertät primitiveren, z. B. der Landjugend 
eigenen, Vormen gegenübergestellt hat, in ausgezeichnetem 
Maße der gesSchwiSterarmen Jugend 8eIgZGeNntüm- 
lich ist. Diese durch Verinnerlichung des Erlebens cCha- 
rakteristigche Pubertät darf als eine in jedem vinn Sekundäre 
gelten: die Stadtjugend zeigt ihre Formen mehr als die Land-
	        

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