Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

40 A. Bugemann: 
Geschwistern unter Verzicht auf Solchen Vergleich mit ethischen 
Idealen Sich begnügen, ihre tatSächlichen Leistungen und ihre 
Leistungsfähigkeit gegenüber den Ansprüchen der KEltern und 
Lehrer zu betrachten. 
Auch in diesem Unterschiede wird man die Wirkung der ver- 
SChiedenen Milieus Suchen dürfen. Die Verinnerlichung der Re- 
flektion begünstigt bei geschwisterarmen Kindern die moralische 
velbsterkenntnis. Daß aber geschwisterreiche Kinder 80 großen 
Wert auf ihre Leistungen, Zz. B. im Unterricht, legen, versteht man 
leicht aus dem Schon Bekannten. In großen Familien wird vom 
Kinde ohne Bedenken mehr an Hilfe in Haus und Hof, mehr Fleiß 
und besseres Fortkommen in der Schule gefordert, als in der Fa- 
milie mit 1 oder 2 Kindern. Der Wetteifer innerhalb der Kinder- 
Schar Steigert das 80 erweckte Interesse an den eigenen Leistungen; 
es ist kein Wunder, daß fleißige und darum in der Schule erfolg- 
reiche Kinder relativ oft von Ihren Leistungen bezw. Ihrem 
Leistungsvermögen und Seinen Mängeln Sprechen. 
Freilich darf nicht verschwiegen werden, daß Sich auch unter 
den einzigen Kindern, zumal Mädchen, ein Typus ausgesprochener, 
in der welbstdarstellung durch Leistungskritik Sich offenbarender 
Strebgamkeit findet. Diesem Typus verdanken die geschwister- 
loSen. Mädchen ihren relativ hohen Klassenplatz. Js Scheint auch 
in Hingicht der Reflektion die Geschwisterlosigkeit für Mädchen 
weniger gefährlich zu Sein als für Knaben. --- Andergeits Sind unter 
den geschwisterreichen Mädchen (4 und mehr Geschwister) mehrere, 
die in ihren Selbstdarstellungen den Kindruck machen, durch ihre 
Pogition zu Jener oben Skizzierten, etwas nervögen Art der Re- 
flektion gedrängt zu gSein, die manchen geschwisterlogen Knaben 
eignet. Man darf wohl vermuten, daß die Schädlichkeit allzu 
großer Geschwisterzahl am ehesten in neuropatbhisch belasteten 
Kindern Sichtbar wird und, infolge geringerer Widerstandskraft 
des Weibes und höherer Beanspruchung der Mädchen durch die 
Hauswirtschaft, in erster Linie wieder die Mädchen trifft. 
Ausdrücklich 861 überhaupt dem Mißverständnis gewehrt, als 
zeigten alle Kinder bestimmter Geschwistrigkeit auch einen be- 
Stimmten und gleichen Typus der Selbstdarstellung. Dem wider- 
Spricht Schon die oben mitgeteilte Häufigkeitsverteilung der Dar- 
Stellungstypen. Offenbar ist das familiale Milieu, ingbegondere die 
Größe der Geschwigsterschar, nur einer von Vielen Faktoren, die 
die Entwicklung der kindlichen und puberalen Reflektion be- 
Stimmen. Ängegichts der großen Bedeutung aber, die der Reflektion
	        

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