Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Goeschwisterschaft, Schultüchtigkeit und Charakter. 
Von 
Dr. Adolf Busemann, Greifswald. 
Mit 4 Textabbildungen. 
1. Das Problem. 
Die meisten Kinder wachsen in einer Familie auf. Über die 
PSYChologischenBeziehungenderFamilienglieder 
zueinander wisgen wir fast nichts. Die PSychanalyse hat Iinter- 
esSantes Material zusammengetragen und mehr oder weniger geist- 
volle Hypothesen über die psSychische Struktur der Familie gewagt, 
aber dies Material ist kasuistischer Art, obendrein vorwiegend an 
pathologischen Individuen ermittelt, und die erklärenden HYyPpo- 
thegen Sind zu verwegen, um diskutiert zu werden, ehe strengere 
Induktion den Gegenstand beleuchtet hat. Diese aber erfordert 
Statistieche Methoden. Das familienpsychologisSche Experiment 
iSt zwar nicht unmöglich, aber noch unzweckmäßig, Solange die 
gSegebenen natürlichen Verhältnisse noch ganz im Dunkeln liegen, 
Obwohl Methoden zu ihrer Erforschung vorhanden Sind. 
In diesger Richtung Stößt die vorliegende Arbeit vor. Sie ist 
ingofern milieukundlicher Art. Denn die Familie ist ein 
"Teil (und zwar ein Sehr wichtiger) des Milieus, in dem das Kind 
(als „Milieuperson“) aufwächst. Die Untersuchung des kindlichen 
Milieus und der zwiSchen dem Kinde und Seinem Milieu hin- und 
hergehenden Milieubeziehungen ist von größter Bedeutung 
für fast alle Wisgenschaſten, die es mit dem Mengchen zu tun 
haben. Die Charakterologie z. B. operiert mit dem Begriff milieu- 
bedingter Charakterzüge, ohne das Milieu des Kindes und des 
„Jugendlichen zu Kennen, obgleich doch eben diegses Milieu oft den 
Charakter bestimmt. Vor allem aber hat die Pädagogik das größte 
Interesse an der Milieukunde. Seit Herbart ist unzählige Male 
verkündet worden, daß die Pädagogik auf einer Kenntnis der Bild- 
Samkeit, allgemeiner der charakterologischen Beeinflußbarkeit des 
Zeitsehrift für Kinderforschung. 34. Band. - 1
	        

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