Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Geschwisterschaft, Schultüchtigkeit und Charakter. 40 
als Symptom innerer Erregtheit ansprechen, die organisch be- 
dingt ist. Schwatzsucht ist z. B. ein Charakteristikum der präpube- 
ralen Erregungsphase (12---13 Jahren) und auch in der Erregungs- 
phase bei 8-9 Jahren häufig. In vielen andern Yällen aber beruht 
Schwatzsucht offenbar auf Nachahmung und Gewohnheit. Weil 
der Lehrer die Schwatzgucht im Interesse des Klassgenunterrichts 
bekämpft, Steht vermutlich die Häufigkeit ihres Vorkommens in 
Beziehung zur allgemeinen Schultüchtigkeit: Schultüchtige Kinder 
vermeiden das Schwatzen, um es mit dem Lehrer nicht zu ver- 
derben; Schwatzbafte Kinder 8ind im allgemeinen sSchuluntüchtig, 
von anderem abgesehen darum, weil ihr Schwatzen die Schul- 
leiStung beeinträchtigt. 
Auf die Geschwistrigkeitsformen verteilen Sich die Schwatz- 
haften Kinder folgendermaßen (*/, Häufigkeit dieser Kinder in jeder 
Gruppe von Kindern): 
Zahl der Geschwister 0 1 2 3 4-09 
% der Häufigkeit der Schw. Kn. 28 15 14 21 18 
Md. 23 21 15 22 9:2 
Am häufigsten Sind also geschwisterarme und gegchwister- 
reiche Kinder (letzteres besonders Mädchen!) schwatzhaft. Das 
Optimum der Familienstruktur liegt (wie bezüglich der allgemeinen 
»vehultüchtigkeit) bei 3 Kindern. Vermutlich wirken (hier wie 
dort) mehrere Faktoren zusammen dahin, daß 80wohl Armut wie 
Reichtum an Gegschwistern ungünstig ist. 
Zum Besitz von gleich- bezw. andersgegchlechtlichen Ge- 
Schwistern und zur Stellung in der Geschwisterreihe zeigt die Häu- 
figkeit des Urteils „Schwatzhaft“ keine Beziehung. 
Das Prädikat „Sschwatzhaft“ erhielten 14], aller Knaben, 
22 '/, aller Mädchen. 
b) Anders verteilen Sich die „zappeligen“ 
Kinder, Kinder, die durch eine allgemeine motorische Unruhe 
(GrimasSenschneiden, übermäßige Pantomimik usw.) auffallen. Im 
Sanzen werden nur 14 Kinder 80 charakterisiert. Sie verteilen 
Sich folgendermaßen: 
0 1 2 3 4 -- 9 Geschwister 
abgoluit . u... 9 3 1 1 0 
oe 122,5 2,3 1,2 2,0. 0 
„Zappeligkeit“ in diesem Sinne ist also meist Charakteristikum 
eines Typs geschwisterloger Kinder. Wahrgeheinlich handelt es 
Sich in der Regel um Neuropathien, die unter dem Einfluß der 
unnatürlichen Situation manifest geworden gind“ 
Zeitschrift für Kindorforschung, 84, Band. 4.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.