Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

50 A. Bugemann: 
9. Zur Frklärung der Befunde, 
Die Erklärung der Befunde bedarf keiner neuen PpSycholo- 
giSchen Annahmen. Es genügen folgende vier HErklärungs- 
Prinzip1en: 
1. Die Nachahmung. Aus Nachahmung wohl ist die - 
Angleichung der Reflektion geschwisterarmer Kinder an die Art 
der Erwachsgenen zu erklären, vielleicht auch die Lenksamkeit ge- 
Schwisterreicher Knaben, die UnlenksSamkeit geschwisterreicher 
Mädchen. Keine erkennbaren Wirkungen fanden Sich bei Ver- 
gleichung älterer und Jüngerer Kinder einer Geschwisterschar. 
Hier wirkt ihr anscheinend entgegen die 
2. Rivalität. Aus der Tatsache des Wetteifers in erster 
Linie wohl ist die größere Schultüchtigkeit (Fleiß usw.) der Kinder 
mit mehreren Geschwistern zu erklären, desgl. die geringe Schul- 
tüchtigkeit beim Besitz andersgeschlechtlicher Geschwister (Je 
näher der Konkurrent, desto Stärker der Antrieb zum Wetteifer), 
auch die günstige Stellung des ältesten, die ungünsgtige. des 
jüngsten Kindes in der Kinderschar. Das älteste Kind Steht unter 
dem Zwange, den folgenden Kindern voraus zu bleiben, das Jüngste 
leidet unter der Hoffnungslosgigkeit des Wettbewerbs. Allerdings 
Spielen hier auch herein | 
3. Erziehungsmaßnahmen. Die ersten Kinder einer 
Kinderreibe werden im allgemeinen Strenger erzogen als das 
jüngste. Das einzige Kind wird regelmäßig „verzogen“, desgl. das 
einzige Mädchen unter Knaben, der einzige Sohn unter Töchtern. 
In mittelgroßen Familien herrscht im allgemeinen die beste Zucht. 
Bine zu große Kindergchar leidet unter Umständen unter Mangel 
an Aufsicht und Erziehung überhaupt. Hieraus wohl erklärt Sich 
die Ungunst größerer Geschwisterzahlen. Hinzu kommt hier wohl 
4. der Faktor der Not, der EBinengung des Lebens- 
raums (2. B. Schlafgelegenheit) über ein erträgliches bezw. S8S0gar 
förderndes Maß hinaus. Im Falle der geschwisterarmen Kinder 
dagegen mag die unnatürliche Gunst der Lebensbedingungen (Üüber- 
mäßige Pflege usw.) Luxurierung zeitigen. 
Eine bedeutende Rolle sScheint der Wetteifer zu Spielen. 
Er entfaltet Sich beim Zugammengein ungefähr gleich starker 
Individven und bewirkt eine beträchtliche Steigerung der Lei- 
Stungen. Ähnlich wie in der Geschwisterschar wirkt er in der
	        

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