Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

- Geschwisterschaft, Schultüchtigkeit und Charakter. 51 
Schulklasse, * in einer Gruppe von Fabriklehrlingen, * bei Wett- 
'arbeit von Konkurrenten im Leistungsexperiment, * aber auch im 
praktischen Leben in zabllogen, leicht beobachtbaren Fällen. Wir 
haben in ihm vielleicht einen der stärksten Ccharakterologischen 
Faktoren zu Sehen. Demnächst hat wohl die Erziehung den 
Stärksten Einfluß. 
Eine eingehende Analyse der zugrunde liegenden psycholo- 
gigchen Sachverhalte lag nicht in der Abgicht dieser wesgentlich 
Statistischen Arbeit, doch behalten wir uns vor, auf die Ergebnisse 
an anderer Stelle zurückzukommen. -- 
10. ZuSammenfasSSung der Ergebnissc. 
1. Es ist möglich, den Einfluß des familialen Milieus (unter 
Absehen vom S8o0zial-ökonomischen, kulturellen Milieu usw.) in der 
Weisge zu unterguchen, daß man Kinder annähernd gleicher 8ozilal- 
ökonomischer und kultureller Lage aus Familien verschledener 
Struktur /z. B. verschieden großer Kinderzahl) vergleicht. 
2. Im allgemeinen zeigen Sich Kinder um 30 feißiger und 
allgemein schultüchtiger, je mehr Geschwister Sie haben, doch 
Setzt allzu große Einengung des Lebensraums (durch 4 und mehr 
Gegchwister) eine obere Grenze. Das Optimum der Familien- 
gestaltung Scheint in ungerm Material bei 4 Kindern (pro Familie) 
zu liegen. Mädchen 8ind durch Geschwisterreichtum mehr ge- 
fährdet als Knaben. 
3. Geschwisterlogigkeit und Armut an Geschwistern (Ein- 
'geschwistrigkeit) zeigen Sich als Stark wirkame Milieufaktoren 
und zwar begünstigen sie Gefühls-Reflektiertheit, Gefühle der 
Unzufriedenheit mit Sich Selbst, unruhiges, „zappeliges“ Wegen, 
Schädigen andergeits Schulfleiß, SchulleisStungen und Betragen. 
Doch kommen auch extrem gute Fälle vor, zumal bei Mädchen. 
4. Das älteste Kind einer Geschwisterschar hat durchschnitt- 
lich einen höheren Klasgenplatz als die mittleren, das jüngste einen 
tieferen als dieselben. Dieger Milieueinfluß wächst mit dem Umfang 
der Geschwisterschar. 
5. Begitz von Geschwistern des andern Gechlechts ist nach- 
teilig für die Schultüchtigkeit (Klassenplatz), übt keinen erkenn- 
1 Vgl. A. Mayer, Über Einzel- und Gegamtleistung des Schulkindes. 
Archiv |. d. ges. Psyehologie 1, 276 ff., 1903. 
? Vgl. H. Rupp, Psychologische Grundlagen der Anlernung. Psychbo- 
technische Zeitschrift 2, 58, 1927. 
8 W. Moede, Experimentelle Masgenpsychologie. Leipzig 1920. 
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