Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

52 A. Bugemann : Geschwisterschaft, Schultüchtigkeit und Charakter, 
baren Einfluß auf die Entwicklung der Reflektion aus. Hinsichtlich 
ihrer „Lenksamkeit“ Scheinen Sich die Geschlechter innerhalb einer 
Geschwisterschar angleichend zu beeinflussen. 
6. Im ganzen Scheint Geschwisterarmut die Variation der 
Formen zu begünstigen, meist im Sinne geringer Leistungsfähigkeit 
und ungünstiger Charakterform, doch mitunter auch (Mädchen) in 
gutem Sinne, während mittlere Geschwisterzahl das Entstehen mehr 
durchschnittlicher, vorwiegend brauchbarer Formen begüngtigt. 
7. Die Geschwisterschar ist für jedes in ihr befindliche Kind 
ein wirksames Milieu. Jedes Kind hat eine „familiale Situation“. 
die auf Seine Charakterentwicklung Sehr wesentliche KinflüSse aus- 
üben kann. 
An psSychologische Befunde Sollte man konkrete Päd- 
agogische Folgerungen nur mit dem Bewußtsein an- 
Schließen, daß jedes praktisch-pädagogische Urteil eine Stellung- 
nahme zu gewisSen Wert-Axiomen involviert. Wer in der För- 
derung eines Sensitiven und höchst-reflektierten Menschentyps ein - 
erstrebenswertes Ziel Sieht, wird vielleicht nicht beklagen, daß 
die Kinderzahl in der modernen Familie niedrig ist und niedriger 
wird und infolgedessen der oben aufgezeigte Typus des S2e- 
Schwisterarmen Kindes an Verbreitung gewinnt. Wer dagegen 
eine Krziehung will zur Schaffenskraft, zur Hingabe an werte- 
zeugende Arbeit, zur Kinordnung in eine arbeitende Gegellschaft, 
wird den Rückgang der ehelichen Fruchtbarkeit bedauern. Über- 
einstimmen aber werden alle Beurteiler in dem Wungche, daß der 
ungünstigen Situation der geschwisterreichen Kinder durch 
geeignete gegetzgeberische Maßnahmen zugunsten kinderreicher 
Kltern entgegengewirkt wird. Es wäre allerdings zu beachten, 
daß es auch einen Kinderreichtum der Minderbegabten gibt, den 
zu begünstigen weder im volkswirtschaftlichen Interesse liegt noch 
Stichhaltige Gründe anderer Art gebieten.
	        

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