Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

56 N. Oseretzky: 
wird, aus welcher es ihm leichter gelingen wird, zu entfliehen. Im 
Falle der Erhöhung geines Alters (über 18 Jahre) hat er den Vor- 
teil, daß Seine Angelegenheit dem Volksgerichte gerichtsbar wird und 
ei Somit für eine bestimmte Frist Zuchthaus verurteilt wird, nach 
dem Ablaufe welcher er Sofort freigelassen wird, während bei der 
Aufnahme ins Arbeitshaus er als Minderjähriger dem Rigiko ausgesgetzt 
iSt, nach dem Ablaufe der von dem Volksgerichte verhängten Prist weiter 
im Arbeitshause -- bis auf Seine definitive Besserung -- verbleiben 
zu mügsen, falls der Pädagogische Rat des Hauses konstatiert, daß 
er Sich während Seines Aufenthaltes nicht die notwendigen Sozialen 
Fertigkeiten angeeignet hat. 
In Solchen Fällen stößt die Bestimmung des Alters bei der 
Kommission für die Angelegenheiten der Minderjährigen auf unüber- 
windliche Schwierigkeiten, da 99*/, der Minderjährigen keine Geburts- 
zeugnisse vorzeigen können und da ihre morphologischen Kigentümlich- 
keiten für die Schätzung ihres tatsächlichen Alters keine Solide Basis 
abgeben. Daraus ergibt Sich ein gewisser Prozent von Fehlern bei der 
Bestimmung des Alters bei der Kommission für die Angelegenheiten 
der Minderjährigen, auf diese Weise erklärt Sich auch Unstimmig- 
keit zwischen den Subjektiven Angaben der Zöglinge und der Alters- 
daten in den Materialien, die das ArbeitShaus von dem Volksgerichte 
erhält. 
.,. Objektive .... Objektive 
Alter Subjektive Angaben Alter Subjektive Angaben 
Jahre Angaben (Gerichts- Jahre A gaben (Gerichts- 
[0 dokumente) *, / dokumente) */, 
10 0,3 -=- 17 12,7 11,2 
11 0,3 -- 18 6,1 4,4 
12 7,1 -- 19 2,3 -- 
13 9,5 -- 20 0,3 -- 
14 19.1 23,7 22 0,3 - 
15 23,6 31,3 22 0,3 -- 
16 17,8 29,4 | 23 0,3 -- 
Welche Daten Sind nun zuverlässiger: die, die wir von den Zög- 
lingen Selbst erhalten, oder diejenigen, welche wir in den Gerichts- 
materialien vorfinden? Man muß annehmen, daß beiden Gruppen 
1 Art. 187 des Gegetzbuches: „Was die Minderjährigen anbetrifft, welche für 
eine bestimmte Prist verurteilt waren und von dem pädagogischem Rat als nicht ge- 
bessert anerkannt wurden, 80 hat die Arbeitshausdirektion die Pflicht, die Distributions- 
kommission zu erguchen, bei dem Volksgerichte eine Verlängerung ihrer Aufenthalts- 
frist in der Arbeitskorrektionganstalt zu erwirken.
	        

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