Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Z8 N. Ogeretzky: 
Die Russen herrschen also vor, aber immerhin gehören fast 25"/, 
minderjähriger Rechtsbrecher zu anderen Nationalitäten. Letzteres 
-erklärt Sich dadurch, daß die Verwahrlosten aus allen Gebieten der 
V. 53. 3. R. Sich in Moskau versammeln. Während in Mogkau nur 47 
(12,7%) und im Gouvernement Moskau 72 (19,19/,) Persgonen an- 
'SäSSIg waren, Stammten die übrigen Minderjährigen aus anderen 
Gegenden und zwar: 67 (17,8%) aus benachbarten Gouvernements, 
115 (30,5%/)) aus Gouvernements mit Hungersnot, 57 (15,1/,) ans 
anderen Gouvernements, 15 (4,0%/,) waren früher Flüchtlinge der 
Kriegszeit; nur bei 3 Personen (0,8%/,) blieb die Angässigkeit un- 
bekannt, 
67,4%, der Gesamtzahl der minderjährigen Rechtsbrecher bilden 
für Moskau ein ortsfremdes, hinzugezogenes Element. 
Davon lebten in Mogkau: 
0, ) 8,4%, kamen nach Mos- 
Weniger als 6 Monate 17 Personen 6,7 | kau zusammen mit ihren 
6--12 Monate . . . 14 » 5,5 | Eltern, Verwandten usw. 
1-2 Jahre. . . . 36 » 14,1 | 3,9% Sind zu ihren in Mos- 
2-3 „» -- . „öl » 20,2 ſ kau ansässigen Verwandten 
3-4 „> - - .- -. 40 » 15,7 | oder Bekannten gereiSt. 
4-5 „„- -.- .66 » 25,9 | 87,7%, kamen gelbständig, 
5--6 „„- . . 19 » 7,6 | ohne in Mogkau eine Voer- 
6 und mehr Jahre . 1 » 4,3 wandtschaft oder Bekannt- 
) Schaft zu haben. 
 
Der höchste Prozentsatz der Wanderung nach Mogkau (bis zu 
20.2, und 25,9 %,) fällt auf die Jahre 1921 --- Hungersnot in den 
Wolgagouvernements -- und 1924 -- Mißernte in demgelben Gebiete. 
Der Aujfenthalt der Minderjährigen in Mogkau war kein kontinnlier- 
licher, da mehrere unter ihnen auch nach anderen Städten (haupt- 
Sächlich im Sommer) reisten, eine Zeitlang dasgelbst Sich aufhielten 
und wieder nach Moskau zurückkehrten. Die Auientbhaltsdauer 
rechneten wir ohne Abzugnahme derartigen Fortbleibens (die faktische 
Aufenthaltsdauer ist also kürzer), da die Minderjährigen gehr oft nicht 
exakt angeben konnten, wie lange Sie außerhalb Moskaus gewesen 
waren. 
Das wichtigste Motiv, welches von den Minderjährigen zur Recht- 
fertigung ihrer Reise nach Mosgkan augeführt wird, 1ist die Notlage, 
die Unmöglichkeit an Ort und Stelle Sich zu ernähren, die Suche nach 
Arbeit. Dieses Motiv findet Sich in 83,7 %/, der Fälle. Die Notlage 
entsteht entweder als Folge einer Mißernte in der Gegend, oder nach 
dem Tode der Kiltern. Das zweithäufigste Motiv (6,9 ?/,) bilden die
	        

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