Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Die minderjährigen Rechtsbrecher. 59 
Familienzwistigkeiten, welche nicht gelten nach der zweiten Khe des 
Vaters oder der Mutter entstehen, die Schikanen geitens des Stief- 
vaters oder der Stieſmutter, manchmal allzuschwere Arbeit bei der 
Pflege und Beaufsichtigung jüngerer Geschwister aus der zweiten Ehe, 
Mißhandlungen, Unterernährung usw. 
Schlechtes Beispiel, leidenschaffliche Reiselust, Kartenspielverluste 
und damit zusammenhängende Flucht aus der Familie kommen in 
ungeren Fällen in gleichem Prozentgatze vor (2,4 %,). Der Regt der 
Minderjährigen konnte keine Motive angeben. Der Beginn der Ver- 
wahrlogung fällt in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle mit der 
Reise nach Mogkau zeitlich zZuSammen, da mit dem Austritte aus der 
Familie das Straßenleben eingetzt. . | 
Von den 376 minderjährigen Rechtsbrechern, die wir untergucht 
haben, waren 355 verwahrlost (89,1 /,), 41 (10,9 /,) dagegen nicht 
verwahrlosgt und lebten bei ihren Eltern, Verwandten, in Arbeits- 
kolonien usw. Von diegen 41 waren 19 (46,3 /,) vollständig auf- 
Sichtslos, 10 (24,4 */,) hatten ungenügende Aufsicht. | 
Verwahrlogungsdauer 
0 
unter 6 Monatn .. u... 6,9 
»b--12,„, vöÜö.„„......... 9,8 
» 1-2 Jae... 14,6 
„ 2-3 | eee een 19,5 
» 3-4 eee reer 15,8 
„» 4-5 » erer eee or 23,1 
» 95-6 » ee eee eee 9,5 
» 6 und mehr Jahre... ....... 4,8 
Diese Angaben erheben keinen Anspruch auf Exaktheit, da es dem 
Minderjährigen oft äußerst Schwer fällt, den Beginn geiner Verwahr- 
logung exakt zu bestimmen, weSwegen er geine Angaben in runden 
Zahlen macht, ohne die Monate zu zählen. Außerdem muß noch die 
ungenügend exakte Zeitorientierung vieler debiler Minderjähriger be- 
rückgichtigt werden, infolge welcher diese oder jene Begebenheiten 
der Vergangenheit zeitlich falsch angegeben werden. 5 
Wir lassen hier eine ganze Reihe Sozialer ÜrsSachen der Verwahr- 
lJogung, welche in der Literatur Schon zur Genüge beleuchtet Sind 
uneröritert, halten es aber für angebracht, noch einmal hervorzuheben, 
daß im Zusammenhange mit den Familienverhältnisgen viele Minder- 
Jährige gezwungen waren, Sich im Leben gehr früh auf eigene VYüße 
zu Stellen und Sich gelbständig die Existenzmittel zu verschaffen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.