Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Heilpädagogische Bestrebungen. 653 
Heilpädagogische Bestrebungen. 
Denksgchrift . 
betreffend Schaffung heilpädagogischer Binrichtungen 
(Ambulanz und Station) an einer Univerzitäts-Kinder- 
klinik. 
Von 
Dr. med. et phil. W. Eliasberg, Nervenarzt, München. 
1. Allgemeines. 
1. Das Wegen der Heilpädagogik. 
Unter Heilpädagogik verstehen wir jene Wisgenschaft und jene praktischen 
Bemühungen, durch welche das gich erschwert eingliedernde Kind in Seiner geistigen 
und gittlichen Entwicklung gefördert und zu einem mehr oder weniger harmonischen 
und zich gSelbsterhaltenden KErwachgenen herangebildet werden goll. 
Die geschichtliche Entwicklung hat es mit Sich gebracht, daß bestimmte Kate- 
gorien, nämlich die an Sinnesdefekten Leidenden, die Schwer Schwachsinnigen, die 
körperlich Verkrüppelten in Sonderanstfalten betreut werden. In dem, was wir heute 
unter heilpädagogischen Bestrebungen versteben, Spielen daher praktisch die an- 
geführten Gruppen keine Rolle. Indes gind die Grenzen fließend. Die theoretische 
Heilpädagogik kann Solche Grenzen überhaupt nicht anerkennen; Sie beginnt erst in 
dem Zeitpunkt, wo Sich Taubstummen- und Blindenlehrer, Idiotenerzieher, Psychiater, 
Kinderarzt, Röntgenologe, Pädagoge, Psychologe, Seelsorger, Sozialfürsorger. Jugend- 
richter zusammenfinden zu gemeinsamer Arbeit und zum Austausch der Erfahrungen. 
Die Zusammenfasgung der Bestrebungen hat ihre Früchte getragen in dem preußischen 
Krüppelgesetz vom 6. Mai 1920, in dem Reichsgegetz für Jugendwohlfahrt vom 
9. Juli 1922 und in dem Jugendgerichtsgesetz vom 16. Februar 1923. Vgl. auch 
1sS erlin in: Bericht über den 1. heilpäd. Kongreß in München, 2.--5. August 1922, 
und 1Sserlin „zum Geleit“, Zeitschr, |. Kinderforschung Bd. 28, Heft 1, 1923. 
Die heilpädagogischen Bestrebungen der Nachkriegszeit haben gich, wie die bis- 
her vorliegenden Berichte" zeigen, in allen europäischen Ländern Schnell entwickelt. 
Es galt, die biologischen und pädagogischen Schädigungen, welche der Krieg der 
Jugend zugefügt hatte, zu lindern oder zu heilen. 
Welches auch immer die Urgache gei, die Schädigung tritt in Ergeheinung in 
den beiden Hauptformen der Verwahrlogung oder der Leistungsschwäche 
(1SSerlin). Oder, wie man es vielleicht noch allgemeimer ausdrücken kann, das 
Hiuneinwachsen des Kindes in die Welt der Erwachgenen mißlingt. Eben 
- dies -- das Hineinwachsgen des gefährdeten oder gSchwierigen Kindes in die Welt der 
Lrwachgenen zu ermöglichen, ist die allgemeine Aufgabe der Heilpädagogik. Diege. 
Aufgabe kann noch näher bestimmt werden dahin, daß nach Möglichkeit jedes Kind. 
ein gich gelbst erhaltender und Sozial unschädlicher Erwachgener werden Soll. 
(P. Boncour: La Selection psychomorale des normaux en vue de l'adaption Sociale.) 
14. B. Zeitschr. f. Kinderforschung Bd. 31. Heft 1 1.2, 8. 1--110, 1925: 
„ Übersicht über die Yürgorge für geistig und körperlich abnorme Kinder und Jugend- 
liche in verschiedenen Ländern.“
	        

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