Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

72 N. OgSeretzky : 
Rahmen für die psychopathische Persönlichkeit ein Schr weiter ist; zweitens 
damit, daß im Vorpuberäts- und Pubertätsalter die Unterscheidung der 
Psychopathien von unausgesprochenen Formen der Geisteskrankheiten 
Manchmal, besonders wenn man über keine gute Anamnese verfügt, fast 
unüberwindliche Schwierigkeiten bietet. Weiter muß noch hinzu- 
gefügt werden, daß bei Kindern und Minderjährigen nach lethar- 
gischen und andersartigen Hncephalitiden nicht Selten Solche Anomalien 
des Benehmens und Verhaltens (anethischer Symptomenkomplex, Neigung 
zu groben Streichen, Mangel an Beherrschung usw.) beovachtet werden, 
welche nach dem äußeren klinischen Bilde den pSsychopathischen Zu- 
Ständen Sehr nahe Stehen. 
Kndlich findet gich unter den Sozial-vernachläsSigten Minder- 
Jährigen Stets ein gewisser Prozentsatz Sogenannter Schein- oder 
PSeudopsychopathen: d. b. Minderjährige, bei denen unter dem HFin- 
flüssSe ungünstiger lebens-epiSodischer Paktoren gewisse Charakter- 
züge Sich Sehr zugegpitzt haben, aber in einem günstigeren Sozialen 
Milieu Später Spurlos verschwinden. Als Beisgpiel kann die Sogenannte 
„ASsylverwahrlogung“ gelten, bei welcher das Kind gich entweder 
„Schizoidiert“ oder jähzornig, grob, leicht erregbar, unbeherrscht wird. 
Line exakte Diaenose der Psychopathie iSt Somit nür nach einer 
längeren Beobachtung und einer Sorgfältigen allseitigen Analyse möglich 
die in den Verhältnisgen des Arbeitshauses nicht immer möglich ist. 
Deswegen rechneten wir zu der Rubrik Psychopathie nur gut verfolgte 
und deutlich ausgesprägte Fälle. 
Die große Mannigfaltigkeit der individuellen Variationen redu- 
zierten wir bis auf 4 Gruppen, wobei in einer jeden Gruppe eine 
Reibe Untergruppen unterschieden werden können. Zu .der Gruppe 
der Schizoiden rechneten wir Zöglinge, welche Sich dem Kraepelinschen 
Typus der „Verschrobenen“ näherten. Die Gruppe der Zykloiden um- 
faßt die Hyperthymiker und die depressSiven Psychopathen; das prozent- 
mäßige Verhältnis der Hypertbhymiker zu den DepresSiven = 1:3. 
Zu. den BEpileptoiden rechneten wir die impulsiven („Triebmenschen“) 
und zum Teil die „Brregbaren“, bei welchen manchmal leichte 
Stimmungsschwankungen zornmütiger und gereizter Färbung beobachtet 
werden konnten. Die Gruppe der Reaktiv-labilen Setzte Sich haupt“ 
Sächlich aus „Haltlogen“ nnd einer Sehr geringen Anzahl von P8seudo- 
logen und Phantasten zusammen. 
Kine derartige Schematisierung der Klassifikation der P8ycho- 
pathen würde, vom wisSen3chaftlichen Standpunkte aus, eine Reihe 
Korrekturen erfordern, aber praktisch (d. h. zu den Zwecken der
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.