Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

714 N. OsSeretzky: Die minderjährigen Rechtsgbrecher. 
Unsere Untersüchungen zusammenfassend, kommen wir zu folgenden 
FMrgebnisgsen: 
1. Im Moskauer Arbeitshause haben wir es mit pädagogisch be- 
Sonders schwierigen Minderjährigen zu tun, welche (abgeSehen von 
ihrer langjährigen Verwahrlogung und hochgradiger Sozialer Vernach- 
läsSigung) in einem hohen Prozentgatz der Fälle körperlich (62%) und 
geistig (43,1 "/6) minderwertig erscheinen. 
2. Die äußerst bunte Alterszusammengetzung der Minderjährigen 
und die große Mannigfaltigkeit ihrer charakterologischen Besonder- 
heiten erschweren die IndividualiSierung in der Durchführung der 
heilpädagogischen Maßnahmen und bieten auf Schritt und Tritt große 
Schwierigkeiten bei der Durchführung allgemeiner heilpädagogischer 
Anordnungen (z. B. bei der Distribution nach Schlafzimmern, nach 
den Klassen, bei den Schularbeiten und in den Werkstätten usw.). Von 
diesem Standpunkte aus wäre es ü. E. zweckmäßiger, wenn die An- 
Stalten für derartige minderjährigen Rechtsbrecher für eine geringere 
Anzahl von Ingasgen organisiert werden könnten (wobei das Pavillon- 
System dem HKingebäudesystem vorzuziehen wäre). 
3. Die kurzen Fristen, welche die Volksgerichte den minder- 
Jährigen Rechtsbrechern zumessen, erscheinen für die Zwecke der 
Korrektion der psychophysischen Funktionen und für die Beibringung 
Sozialer Kinstellungen und Fertigkeiten abso lut unzureichend. 
4. Im Zugammenhange mit dem relativen Tiefstande des Intellekts 
erfordert die Unzulänglichkeit der Motorik unsgerer Zöglinge Sorgiältige 
Beachtung, wie bei der Berufsberatung, 80 auch bei dem Unterricht in 
Handwerken, Schon aus dem einen Grunde, daß der Minderjährige, 
welcher ein Handwerk erlernt, welches Seinen Vähigkeiten nicht an- 
gemessen ist und der dann in einen entsprechenden Betrieb eintritt, 
Sehr bald in die Reihe der schlechtesten Produzenten gelangen wird, 
wodurch die Möglichkeit entsteht, daß Sein ungenügender Arbeitsertrag 
Ihn von neuem auf den Weg des Rechtsbruches führt. 
5. Der Genuß der Narkotika (Kokain und Alkohol) wird, wie 
wir an ungerem Material verfolgen konnten, durch kongstellative Fak- 
toren bedingt; die HFmtwöhnung erfolgt in der Mehrzahl der Fälle 
ziemlich leicht und bei günstiger Lebensgituation gehören Rückfälle 
zu großen Seltenheiten.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.