Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Die Beobachtungsklasse in zürich, eine heil- 
pädagogische Binrichtung. 
Von Dr. phil. M. Sidler und Med. prakt. W. Moos. 
Im TIL Schulkreis der Stadt Zürich ist im Frühling 1926 eine 
Sogenannte Beobachtungsklasse * eröffnet worden. Sie hat zum Zweck: 
Analyse der ihr zugewiesenen Kinder nach Anlage und Umwelt; eine 
heilpädagogische Beeinflussung ihrer Schüler; die Einleitung von 
PFürgorgemaßnahmen anderer Art bei den maßgebenden Amtsstellen. 
Tn diese Arbeit teilen Sich ein Psychiater und eine Lehrerin. Die 
Vergetzung in die Beobachtungsklasse wird von den Klassenlehrern 
dann beantragt, wenn Sich Schwierigkeiten im Verhalten des Kindes 
Störend zeigen. Diese Schüler gelangen zur vorläufigen Untersuchung 
vor den PsSychiater, der ihre Binweisung in die Beobachtungsklasse 
(Bk.), dann empfiehlt, wenn es Sich um Störungen im Gebiet des 
Willens und des Gefühls handelt. Schüler mit eindeutigen Intelligenz- 
- gchwächen gehören nicht in die BK. 
Das erste Versuchsjabr hat gezeigt, daß es Sich um ein Be- 
gürfnis handelt. Die Leiter der Klasse haben ihr Fortbestehen und 
;hren Ausbau beantragt und haben in der Lehrerschaft und in der 
beaufsichtigenden Schulbehörde einstimmiges Bejahen ihrer Anträge 
gefunden. 
Die Erfasgung der Schülerpersönlichkeit gestaltet Sich in der Bk. 
auf „natürliche“ und auf „ SysStematische“ Weise. Anlaß zur natür- 
ichen Beobachtung bieten die freien Unterrichtsstunden, die Pausen, 
Wanderungen, Hausbeguche. Was dabei erfahren wird, Sind die 
Situationsgebundenheit, der Bestätigungsdrang, das zielgichere oder 
ziellose Handeln, das Soziale Verhalten und die Leistungsart. Zur 
Systematischen Beobachtung gehört eine planmäßige Erforschung der 
Umweltsverhältnisse des Kindes, es gehören dazu pSychophysische Ver- 
! Im demnächst ergceheinenden Bericht über den „zweiten allg. ärztlichen Kon- 
greß für Psychotherapie zu Bad Nauheim von 27, bis 30. April 1927“ iSt ein 
Referat über die Beobachtungsklasse in Zürich festgehalten. Es wurde anläßlich 
des Kongresses von dem Psychiater der Bk. gegprochen.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.