Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

76 M. Sidler u. W. Moos: 
Suche der Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit, Intelligenzprüfungen. 
Deutenlassgen von Zuftallsformen nach der Methode von Rorschach, 
ASSoziationsverguche und Verguche über die Bewegungsgart, die teil- 
weise nach ÜSeretzky ausgeführt werden. Außerdem werden die Ge- 
Sichtspunkte der Ausdruckspsychologie verwertet. 
Die planmäßige Erforschung der Umwelt des Kindes erstreckt 
Sich nicht nur auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie, Sie 
berücksichtigt die Wohn- und Schlafgelegenheit des Kindes, Sie Sucht 
die pSychophySiSche Gegebenheit der Eltern und nächsten Verwandten 
zu erfasgen, um Sich ein Bild von der Erbmasse des zu beobachtenden 
Kindes machen zu können. 
In einer kleinen Lebensgeschichte des Kindes werden die be- 
kannt gewordenen Breignisse, namentlich auch Krankheiten, geines 
bis zum Eintritt in die Bk. verflosSenen KErdendageins niedergelegt, 80- 
daß Sowohl entwicklungsgeschichtlich wie Systematisch ein Bild von 
der leibsSeelischen Wügenart des Kindes vorliegt. Dieses Bild Sucht 
möglichst gründlich zu Sein, das Sogenannte Unbedovutende wie das 
Wesentliche zu erfassen. Dabei Sind wir, die wir diesgen Grundgsatz 
der Lückenlogigkeit aufgestellt haben, uns bewußt, daß er ein ideales 
Ziel darstellt und daß wir uns nur immer auf dem Wege zu ihm 
befinden. 
Aus den gefundenen Kinzelheiten der chronologischen, wie der 
natürlichen und Systematischen Erfasgung rundet Sich in Vorm einer 
ZuSammentasSung die Charakteristik der einzelnen Schülerindividuali- 
tät. Sie geschieht zunächst nicht unter dem Begriffsschema: Gesund 
oder krank; anormal und normal. Sie Schildert vielmehr unter den 
natürlich Sich ergebenden Kategorien: Häusglichkeit, Schule, Kamerad- 
Schaft, Geistigkeit, Physis. Auf Grund Seiner medizinischen Krfahrung 
ordnet der Psychiater je nach den Tatsachen des Befundes das Kind 
ein in die psychiatrischen Formenkreise der Neurose, der PSychopathie 
und der ASozialität. | 
Für die Bk. besteht Unterrichtsfreiheit in stofflicher und stunden- 
plantechnischer Beziehung. Nur unter dieser Vorausgetzung ist es 
möglich, die Aufgabe der Struükturanalyse durchzuführen und die 
unterrichtlichen wie erzieherischen Maßnahmen heilpädagogisch zu ge- 
Stalten. Hing gewisse Richtung bezüglich des Lehrgutes ist durch 
die Lehrbücher gegeben. Es 8Sind diegelben, wie s8Sie auf der neben- 
geordneten Stufe der Volkssgchule (vorläufig 4. bis 6. Schuljahr der 
Kinheitsschule) gebräuchlich 8imd. In allen Schulen des Kantons 
Zürich besteht Freiheit bezüglich der Lehrmethode. So Stcht ungere 
Klasse in diesgem Punkte nicht heraus, wenn Sie das Sogenannte
	        

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