Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Die Beobachtungsklasse in Zürich, eine heilpädagogische Einrichtung. 77 
Arbeitsprinzip als methodischen Weg befolgt. Die psychologischen 
Grundzüge dieses Prinzipes Sind möglichste Selbstständigkeit und 
Selbsttätigkeit des Kindes in der ErfasSung des Lebrgutes, was 
logischer Weise Anschauung, Handlung, Erlebnis nach Sich zieht und 
Systematik, Abstraktion, Wisgenschaft zurückdrängt. Ist diese Art der 
geistigen Bereicherung an Sich Schon kindertümlich, 80 darf sie für 
die Kinder der Bk. als die ihnen einzig gemäße bezeichnet werden. 
Sie berücksichtigt die individuelle Leistungsfähigkeit und Leistungs- 
art, Sie führt durch Gestaltung zu einer Synthese von Objektivität und 
Subjektivität, als welche Sich die Wirklichkeit erweist. Damit hilft 
Sie in hervorragender Weise jener heilpädagogiSchen Aufgabe, die Sich 
bei einer großen Anzahl der Kinder der Bk. als notwendig heraus- 
gegtellt hat: Anpasgung der eingeitig Subjektiv gerichteten Wesens- 
art an die tatSächlich bestehende Objektivität in der Form von KlasSen- 
gemeinschaft, von Sittengesetz, von Materialechtheit und Stilreinheit. 
Hier greifen Unterricht und Erziehung ineinander. Durch den persön- 
lichen Kontakt mit den Eltern ungerer Schüler versuchen wir eine 
Erziehungseinheit zwiSchen Haus und Schule herzustellen. Wir be- 
richten bei Hausbesuchen von der Art des Kindes, von unsern „Be- 
handlungsweisen“ und ihren Erfolgen und lasgen unmerklich oder 
merklich Ratschläge einfließen. Wir zeigen ihnen anläßlich der Schul- 
beguche, wie Sich ihr Kind im Kreise Seiner Kameraden und zu Arzt 
und Lehrerin verhält. Wir machen bekannt, welche besonderen 
Maßnahmen unterrichtlicher und erzieherischer Art gerade ihrem 
Kinde dienen. Wir wecken durch Fragebogen z. B. über den Schlaf, 
die Ernährung, die Ausfüllung der Freizeit, das Interesse der Eltern 
und halten Sie zu längerer Beobachtung an. Wir helfen bei der Suche 
nach einem pasSgenden Yerienort und veranlasgen bei Schwächlicher 
körperlicher Konstitution die Einweisung in ein Erholungsheim und 
einen längeren Kuraufenthalt. 
Erweigen Sich die angewandten Mittel als genügend und tritt eine 
günstige Änderuug im Verhalten auf, die während langer Zeit anhält, 
S0 gegchieht auf ungern Antrag die Rücksetzung in eine große Klasse, 
Ausgesprochen durch die Schulbehörde. Unger Klassenbestand beträgt 
10-12 Schüler und Schülerinnen. Gewöhnlich ist das Verhältnis 
zwiSchen Knaben und Mädchen das von 4:1. Die einzelnen Jahr- 
gänge Sind in ungleicher Anzahl vertreten. Das Sechste Schuljahr 
weist am meisten Kinder auf. Von den achtzehn Schülern, die im 
Laufe des ersten Jahres des Bestehens der Bk. in ungere Klasse 
kamen, konnten vier mit guter, zwei mit. ziemlich guter, fünf mit be- 
friedigender, teilweiss unbefriedigender Prognose aus ihr entlassen
	        

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