Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

78 - M. Sidler u. WV. Moos: 
werden. Die übrigen Sieben verbleiben ein zweites und wohl auch 
ein drittes Jahr in der Bk. 
Die Gründe, aus welchen die KlasSenlehrer diese achtzehn Kinder 
in die Bk. anmeldeten, Sind verschiedenartige. Im Folgenden Seien 
die Schwerwiegendsten Gegichtspunkte herausgehoben : | 
Stark gestortes Nervensystem; möglichste Schonung: 1 Knabe. 
Schwer aus Sich herausgehend: . . . . . . . 1 Mädchen. 
Verstockt und ohne Knerge: u u is in nn 1 Knabe. 
Im Unterricht zerstraut: . u. in in 1 Mädchen; 1 Knabe. 
Große Hemmungglogigkeit der Motilität: . . . . 1 Mädchen; 3 Knaben. 
Vreches Betragen; unsoziales Verhalten: . . . . 6 Knaben. 
Prahlzucht: ou 1 Knabe. 
Stehlen; vagabundiern! ov oui I 2 Mädchen. 
Die Kltern aller Kinder waren mit der Vergetzung in die Bk. 
einverstanden. Sie bewiesen dadurch eine gewisse BKingicht in die 
Besonderheit ihres Kindes, wenn 8schon ihr Urteil über ihr Kind nicht. 
mit dem des Lehrers übereinstimmte; entweder war es milder oder 
härter als das des Lehrers, oder es bezog Sich auf andere LKigen- 
Schaften. 
Das Schwer aus Sich heraus gehende Mädchen erweist Sich bei uns als ein Kind 
mit hilfloser Geistigkeit bei allen neuen Aufgaben, die eine gewisse Schöpferkraft ver- 
langen. Ks zeigt Sich durchaus Sicher und reaktionsbereit bei den eingeübten und 
einzuübenden Schulfertigkeiten, deren Arbeitsmethodik ihm klar ist. In flotter Weise- 
führt es alle Leibesübungen aus. Im Verhalten zu den Klassenkameraden ist es von 
gleichmäßiger Freundlichkeit; es lebt mit ihnen in guter Beziehung. Seme häus- 
lichen Verhältnisse Sind Sehr dürftig. Is lebt in einer großen Kinderzahl neben 
Stiefgeschwistern und wird von der Stiefmutter in keiner Weise zur Ordnung und: 
Reinlichkeit angehalten. Wir hatten hier anzugetzen und beim Kinde Selber wie bei 
der Mutter das Sauberkeitsbedürfnis zu wecken. Wir konnten eine Besgerung fest-- 
Stellen und gaben das Kind mit günstiger Prognose in eine große Klasse zurück.. 
Anus ihr lautet der Bericht des Lehrers gut. „Dem Lehrer gegenüber ist das Ver- 
halten offen, in keiner Weise verängstigt. eher zutraulich. wenn auch nicht in zu- 
dringlicher Art.“ Der Knabe, welcher mit dem Kennzeichen von BEnergielogigkeit 
und Verstocktheit eingewiegen ward, zeigt gich in der Bk. als fleißiger, offener 
Schüler, der ohne Umschweife Seine VFehlhandlungen zugibt und die Energie auf- 
bringt, einen besonderen Rechnungskurs zu begucben, mit dem Bettnässen auf- 
zuhören und in die alte Klasse mit ihren großen Anforderungen zurückzuwollen. 
Wir entsprechen diesem geäußerten Antrieb. Der Knabe hält sich gut. Er kann zu. 
Beginn des neuen Schuljahres in die gehobene Volksschulie übertreten. 
Kiner der Knaben mit frechem Betragen und ungozialem Verhalten führt gich 
bei uns musterhaft auf. Er zeigt Sowohl im Verhalten zu den Leitern der Bk. wie 
im Verhalten zu den Mitschülern eine freundliche Art, In den BSchnulleistungen 
nimmt er Sich zusammen. Seine häuglichen Verhältnisse können durch Besprechungen 
mit den Kiltern gebesgert werden. Aus der großen Klasse kommen gehr güngtig 
lautende Berichte über Führung und Arbeit des Buben. " :
	        

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