Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

W. Vürstenheim: Zehn Jahre Heilerziehung. 85 
Schutze der übrigen Kinder und ihrer ruhigen geordneten Förde- 
rung erst ermöglicht; ja er erlaubt es, diese Kinder einer zwecK- 
mäßigen ärztlich-pädagogischen Versorgung zuzuführen, bevor 
jene gefürchteten Auswirkungen, vor allem Schwere Verwahr- 
logungserscheinungen, auftreten. -- Der andere Fortschritt besteht 
darin, daß wir jetzt grundsätzlich und im Binzelfalle die erfolg- 
reiche Behandlung der Kinder nach den Methoden ungerer 
jungen Heilerziehungswissenschaft kennen. Aber wie immer eilt 
auch hier die wisgenschaftliche Erkenntnis den praktischen Ein- 
richtungen und der Gegetzgebung Voraus. 
Es gibt zwar heute -- gerade dank ungeren Frankfurter Be- 
mühungen -- ein in der VerfasSung von Weimar verankertes Er- 
ziehungsrecht des Kindes und eine ihm entsprechende öffentliche 
Erziehungspflicht, als deren Träger die Jugendämter gedacht Sind. 
Aber das Jugendwohlfahrtsgesetz, das diese Ämter in Stadt und 
Land einführt, hat im wesentlichen die Bestimmungen des preußIt- 
Schen Vürgorgeerziehungsgesetzes übernommen, das Seinergelts 
wiederum vom preußischen Zwangserziehungsgesetz abstammt. 
Wie dieges war das preußische FürgorgeerziehungsgesSetz im Grunde 
ein Polizeigesetz im Dienste der öffentlichen Ordnung. Deswegen 
wurde Seine Ausführung zwar den Provinzialverbänden, hier in 
Hesgen also den Bezirksverbänden bezw. dem Landeshauptmann 
übertragen, aber */; der Kosten übernahm der Staat. Ein Drittel 
durfte von den Kommunalbehörden auf die Angehörigen der Zög- 
linge umgelegt werden, Soweit es Sich um deren Verpflegung 
handelte. So blieb nur ein geringer Teil der Kosten auf der Stadt 
als Mitglied des Kommunalverbandes bängen. Die Kosten der Heil- 
erziehung in der Städtischen Heimschule aber werden biSher, Soweit 
die Angehörigen die Kosten nicht aufbringen können, von der Stadt 
allein getragen. Die eigentlichen Schulkosten freilich trägt Schon 
jetzt der Staat. " Kann man unter diesen Umständen als Kommunal- 
beamter der Entwicklung der Heimschule mit gutem Gewissen das 
Wort reden? 
Doch wohl nur dann, wenn es gelingt, die Öffentlichkeit von 
den Vorzügen des neuen Weges gegenüber der älteren Fürsorge- 
erziehung 80 Schlagend zu überzeugen, daß auch die Gesetzgebung 
entsprechend geändert und den vtädten die Auſbringung der 
Kogsten mindestens teilweise abgenommen wird. 
 
1 (genauer. Die Landesschulkasse, wenigstens für den ersten Lehrer, die beiden 
anderen Lehrerstellen 8md Sogen. Mehrstellen mit Umwandlungsmöglichkeit in plan- 
mäßige Stellen.
	        

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