Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Geschwisterschaft, Schultüchtigkeit und Charakter. 5 
rakters von der GeschwisterSchaft, d. h. vom Begitz oder Nicht- 
besitz von Geschwistern, von der Größe der GesSchwisterschar, von 
dem Begitz andergeschlechtlicher Geschwister, von der vStellung 
in der Alters-Rangreihe der Geschwister. Fragen, die beantwortet 
werden Sollen, Sind also beispielsweise: leisten geschwisterlose 
Kinder mehr oder weniger in der Schule als Kinder mit Ge- 
Schwistern? Welche Anzahl von Geschwistern ist in diegem Sinne 
die günstigste? Worin besteht der Einfluß, den der Begitz von 
Geschwistern ausübt? usw. Aus der Beäntwortung dieger Fragen 
hoffen wir SchlüssSe allgemein milieukundlicher Art zu ziehen --- wir 
ermitteln gewisse Milieufaktoren und den Grad 80wie die Art ihrer 
Wirkung --, außerdem aber auch der Pädagogik zu dienen, der die 
Familie bekanntlich ein überaus wichtiges pädagogisches Milieu - 
bedeutet. ? = 
2. Die Sammlung des Materials. 
Weil jedes Kind außer in Seinem familialen Milieu auch in 
einem irgendwie gearteten Sozialen und Sozialökonomischen, mo- 
ralischen, kulturellen usw. lebt, treten bei Vergleichung der Milieus 
zweier Kinder und dieger Kinder Selbst nicht nur Verschieden- 
heiten der Familie und familienbedingter Artung ans Tageglicht, 
* Die zu diesem Problem vorliegende deutsche Literatur beschränkt, 
Sich, 80weit mir bekannt ist, auf folgendes: Den ersten Beitrag zur Frage 
„Geschwisterzahl und Schulleistung“ lieferte Ernst Haase (Z. Päd. P3. 20, 
bes. Seite 116 ff., 1919), der die „äußeren Ursachen des Sitzenbleibens in der 
Volksschule“ untersuchte und dabei unter anderem die Frage aufwarf, ob 
die Geschwisierzah]l Einfluß auf das Sitzenbleiben hat. Sein Material ergab, 
daß die Kinder mit 0--1 Geschwister weniger oft „Sitzenbleiben“ als Solche 
mit 2--4 Geschwistern und diese wieder weniger oft als Solche mit 5--7 
bezw. mehr Geschwistern (Seite 117). Die Erklärung zucht er (wohl mit . 
Recht) darin, „daß unter den kinderreichen Familien vorwiegend die 
Pamilien der ungelernten Arbeiter Sind“, ferner in der vermuteten Tatsache 
des „ungebändigten Trieblebens“ vieler Kinderreicher Eltern und endlich 
in dem Mangel an Aufsicht usw., unter dem das geschwisterreiche Kind 
leidet. -- Ungsere Untersuchung kommt zu etwas anderen Ergebnisgen, aus 
ÜUrsSachen, die noch zu zeigen Sind. -- Kinen infolge allzu beschränkten 
Materials kaum verwendbaren Beitrag lieferte dann H. Langenberg in 
einem Exkurs Seines Buches Jugendverwahrlogung und LKryrziehungsschule 
(Paderborn 1923, Seite 72f€.). -- Ferner hat, von vererbungstheoretischem 
Standpunkt aus RE. Fürst das Problem bearbeitet, auf Seine Regultate wird 
im folgenden eingegangen. -- Bezüglich der Literatur über das „einzige 
Kind“, die hygienischen Wirkungen großer Kinderzahl usw. muß auf die 
oben zitierte „Pädagogische Milieukunde“ verwiesen werden, wo auf 
veite 193f. die mir bekannt gewordenen Arbeiten genannt gind.
	        

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