Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

86 W. Fürstenheim : 
Was ist denn nun eigentlich der Unterschied zwischen der 
Yürgorgeerziehung und der Heilerziehung in Solcher Sstädtischen 
Heimschule? 
Die Fürgsorgeerziehung wird durch einen Spruch des Gerichts 
und zwar des Vormundschaftsgerichts angeordnet, das Erziehungs- 
recht geht auf den Öffentlichen Kostenträger der Erziehung über, 
die Kinder kommen unter Umständen auf Jahre in eine weit vom 
Wohngitz der Eltern gelegene Anstalt oder Privatfamilie und zwar 
oft Schon im Zustande fortgeschrittener Verwahrlogung mit all den 
Nachteilen, die das für das Zusammenleben der Kinder und ibre 
gegenseitige Beeinflussung zeitigt, Gründe genug, die trotz dankbarer 
Anerkennung der inneren Fortschritte im Betrieb der Fürgorge- 
erziehungsanstalten die noch immer Sehr lebhaite Abneigung des 
Publikums gegenüber jener Einrichtung vollauf verständlich 
machen.- 
Die Heimschule dagegen liegt an der Peripherie der Stadt, 
im Grünen. Die Eltern können mindestens einmal in der Woche 
Ihre Kinder Sehen, Sie behalten ihr KErziehungsrecht, denn Sie 
bringen ja die Kinder freiwillig und gern ins Heim, wenn 
ihnen in der ärztlich-psychologischen Sprechstunde, in der 8ie Rat 
gegSucht haben, diese Maßnahme als notwendig und erfolg- 
versprechend empfohlen worden ist. Sie Sind auch eher bereit 
nach dem Maße ihrer Kräfte zu den Kosten beizutragen. Und 
andrergeits hat die Heimleitung die Möglichkeit, das Elternhaus 
fortlaufend zu beeinflüssgen und durch Belehrung über die Kigenart 
des Kindes und Seine zweckmäßige Behandlung dessen Rückkehr 
ms Klternhaus vorzubereiten. Diese ist um 80 eher möglich, als 
die Kinder bei 8olchem Verfahren ja auch rechtzeitig, d. h. noch 
vor dem Auitreten Schwerster VerwahrlogSungserscheinungen auf- 
genommen werden -- wiederum Gründe genug, um die Gegetz- 
gebung dahin zu ändern, daß in Zukunft der Staat den Städten, 
wenn nicht zwei Drittel, 80 doch die Hälfte der Heilerziehung in 
Heimschulen ersgetzen möge; und auch der Bezirksverband, der Ja 
heute Schon die vorbeugende Arbeit der Jugendämter in der Stadt 
finanziell unterstützt, würde vorausgichtlich mit der Zeit an der 
Fürsorgeerziehung draußen erheblich Sparen, wenn er geine Unter- 
Stützung der vorbeugenden Arbeit auf die Städtischen Heimschulen 
ausdehnte, * 
! ohne Änderung des Yinanzausgleichs zwischen Staat und Reich durch ander- 
weitige Verwendung der für Zwecke der öffentlichen Erziehuimg zur Verfügung 
Stehenden Mittel.
	        

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