Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 34.1928 (34)

Zehn Jabre Heilerziehung. 87 
Daß dies alles noch nicht oder noch nicht in wünsCchens- 
werten Maße der Fall ist, macht es erklärlich, warum das Frank- 
furter Beispiel nur 80 zögernd Nachahmung findet. Bigher ist erst 
Berlin ungerem Beispiel gefolgt und hat das Heim der deutschen 
Zentrale für Jugendfürsorge in Templin, für das wir vor etwa 
Siebzehn Jahren die Beiträge 1000-Markweise erbetteln mußten, in 
Städtische Verwaltung übernommen. Es liegt aber weit vor den 
Toren der Stadt draußen in der Mark, 80 daß es die wieder nach 
Pause entlasgenen Kinder nicht mehr, wie das Frankfurter Heim, 
50weit noch nötig als Tages- und dann als Schulgäste betreuen 
kann. Sachgen errichtet jetzt ein weiteres Peim im Magdeburger 
Lande. ? Aber im allgemeinen geht die Entwicklung zurzeit noch 
recht langSam VOran. -- Sicherlich hat es auch Seine Vorzüge, 
wenn die Kinderkrankheiten Solcher neuen Einrichtung zunächst 
nur an wenigen Punkten abgemacht werden. Aber diege wenigen 
Heime haben dann um 80 mehr die Pflicht, weiteren Kreisen Ein- 
plick in ihre Methoden und Ergebnisse zu gewähren. Und nachdem 
wir uns bisher mit dem Sinn des Heims, Seiner geschichtlichen 
Entwicklung als der Verwirklichung einer alten Schulpraktischen 
Forderung, wie mit den entgegenstehenden wirtschaftlichen und 
gegetzlichen Schwierigkeiten und der Möglichkeit ihrer Über- 
windung beschäftigt haben, wollen wir uns Dun den Fragen des 
jnneren Betriebes unserer Frankfurter Heimschule zuwenden. 
Die Grundlage für das Verständnis desgen, was im Heim Z2e- 
+rieben und erreicht wird, bildet eine genauere Kenntnis der 
Kinder, um die es Sich hier handelt. Es ist natürlich in einem 
kurzen Aufsatze unmöglich, die Fülle der ganz Verschiedenen 
Kindertypen in ihrer Eigenart zu Schildern. Höchst Vverschieden 
Sind gie untereinander in Körperlicher, in geistiger und In 
eharakterlicher Hinsicht. Ein Blick Schon auf das Spiel im Hol 
zeigt neben zarten kleinen, blassen, Schmalen Kindern fette, wohl- 
behäbige oder auch große, mugskelstarke Gestalten. Viele KÖörper- 
lich wohlgebildet und Wwenigstens für das Laienauge Völlig un- 
auffällig, andere mit kleinen, oft unscheinbaren, in ihrer Häufung 
und Gruppierung doch recht kennzeichnenden Abweichungen. -- 
Hat man Gelegenheit dem Schulunterricht beizuwohnen, der zurzeit 
in drei Gruppen von je 12 bis 15 Kindern von den drei Lehr- 
1 Von der Aufsichtsbehörde inzwischen nicht genehmigt. Vgl. auch 
Ruth v. der Leyens Zusammenstellung ähn]. Kinricbt. in Deutschland. 
Ztschr. |. Kinderforschung 33, 4.
	        

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