Full text: Zeitschrift für Kinderforschung - 42.1934 (42)

(Aus dem Staatl. Sprachheilinstitut zu Budapest. Leiter: [Direktor Adolf Schulmann.]) 
Bewegungsuntersuchungen bei Stotterern. 
Von 
Lucie Pätzay-Liebermann, 
Professor an dem Staatlichen Hochschulkurs für Bewegungskunst zu Budapest. 
Dem heutigen Stand der Bewegungsuntersuchungen entspricht 
eine auf der pSYchophySiSchen Kinheit beruhende Anschauungs- 
weise. Die Beobachtung der Motilität, 80wohl in normalen, als in 
pathologischen Fällen bietet viel InteresSantes, da gerade das Gebiet 
der Bewegung von PpSychologischen und phySiologischen Faktoren 
gleicherweise beeinflußt wird. In der Bewegung erscheinen, wie in 
einem Spiegelbilde, Sämtliche, die Bewegung erzeugenden Impulse. 
Die Systematisierung der Bewegungen gelingt nur dann, wenn 
das SySstem nicht allzu Scharf abgegrenzt wird. Es gibt zwei große 
Kategorien der Bewegungen, Jene der Arbeitsbewegungen und Jene 
der Ausdrucksbewegungen. Wobei natürlich zu berücksichtigen ist, 
daß Jede Ausdrucksbewegung eine gewisse Arbeitsleistung erfordert, 
und Jeder ArbeitsSbewegung auch ein gewisser Ausdruck innewohnt. 
Hieraus folgt, daß bei der Analyse einer Bewegungsreihe deren 
StatisSche und öÖkonomische Elemente ebenso berücksichtigt werden 
müssen, wie der der Bewegung innewohnende Ausdruck. Gute, 
normale Bewegungsfähigkeit wird immer durch ihre Ökonomie und 
Kontinuität auffallen, während pathologiSche Bewegung immer 
durch ihre Inkontinuität und statische Inökonomie gekennzeichnet 
wird, wobei 80wohl organische, als funktionelle Gründe auslögend 
wirken können. Es Scheint, als ob gerade die Atmung hierbei eine 
wichtige Rolle spielt, da die Atmung von der Bewegung, und die 
Bewegung von der Atmung beeinflußt werden kann. Die Annahme 
erScheint 80gar begründet, daß eben die Atmung jener Mechanismus 
iSt, der pSychische Reize in biologische Impulse und biologische 
Impulse in psychische Reize umsetzt. Bei den an Stotterern durch- 
geführten Bewegungsuntersuchungen Sind wir von dieser Voraus- 
Setzung (die als Arbeitshypothese galt) ausgegangen. Genannte 
Untersuchungen haben wir im Schuljahre 1931/32 an den Schülern 
des Staatlichen Heilpädagogischen Institutes für Sprachgebrechen, 
das unter der Leitung des Herrn Direktor Adolf Schulmann 
Steht, vorgenommen. Die angewandten Bewegungstests habe ich 
mit Herrn Direktor Schulmann zusammengestellt. Der Zweck 
der Untersuchungen war, die Gesamtmotilität der Stotterer kennen 
zu lernen. Wir gingen von der Voraussetzung aus, daß, nachdem 
das Sprechen nur ein Teilgebiet der Gesamtmotilität ist, die all- 
gemeine Motilität der Stotterer auch Abnormitäten aufweisgen müßte. 
Als Testmaterial wurde ein Bewegungsgebiet gewählt. dessen onto-
	        
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