Full text: Die Arbeitsschule - 44,2.1930 (44,2)

Knie reicht, und die Waſſerſcheuen müſſen erſt langſam den Temperaturunter- 
ſchied zwiſchen Luft und Waſſer überwinden. Aber es geht heute ſchon viel beſſer 
als in den erſten Tagen, wo es auch manchmal zu Tränen kam. Bald ſind alle 
Kinder mit dem Waſſer vertraut -- ſicherlich eine nicht zu unterſchäßende und 
auch nicht die einzige hiex mögliche Vorbereitung für den ſpäteren Schwimm? 
unterricht, Es bleibt nicht beim einfachen Umherſpringen und Untertauchen. Von. 
allen Seiten kommen Vorſchläge für das, was wir beginnen wollen. Nun 
wird verſucht, wer die Waſſertropfen mit den Händen am höchſten ſchlagen 
kann. Jeßt wird derſelbe Verſuch -- jedoch viel ſchwerer -- mit den Beinen 
gemacht. Ganz unbewußt trainieren die Kinder. Arm- und Beinmuskeln werden 
angeſpannt; denn der Gegendruck des Waſſers iſt nicht immer ſo leicht zu über- 
winden. Das Herz arbeitet ſchneller, und der Blutkreislauf wird gefördert, 
die Muskeln werden geſtärkt. Bauch- und Hüftbewegungen tragen dazu bei, 
Verdauungsbeſchwerden zu überwinden, und die ſtarke Bewegung bedingt auch 
ſicherlich und nachweislich guten Appetit. 
Manche Vorſchläge müſſen auf den nächſten Tag verſchoben werden; denn 
wenn heute ſyſtematiſc) Übungen im Waſſer gemacht ſind, ſo folgen morgen 
vielleicht Kreisſpiele und ſogar Volkstänze und ein andermal vielleicht Vor- 
übungen zum Schwimmen. Faſt unerſchöpflich ſind die Vorſchläge für das, was 
wir alles im PlanſchbeXen machen wollen. 
Für heute geht nun die Freude zu Ende -- erfriſcht und ſauber kommt die 
kleine Geſellſchaft aus dem Waſſer heraus. Gar zu ſchwer wird's manchem 
Kind, ſich von dem naſſen Element zu trennen -- und mit dem Gedanken: 
morgen, ja morgen planſchen wir wieder -- verlaſſen wir das Planſchbecken. 
x 
Beobachtungsunterricht in der Gartenarbeitsſchule. 
Mit 3 Tafeln. 
Von O,. Mehlan, 
Der Begriff der Arbeitsſchule verlangt die untrennbare Verbindung von Hand- 
und Geiſtegarbeit. Dazu gehört eine weitgehende Eigentätigkeit der Sinne, Arbeit 
in und an der Natur, Beobachtung des Naturlebens als Grundlage aller natur- 
wiſſenſchaftlichen Erkenntnis... Wegen dieſer hohen Bedeutung der Beobachtung 
für wiſſenſchaftliches Denken und Erkennen iſt es nötig, die bei den Kultur- 
völkern durch Nichtgebrauch meiſt verkümmerte Beobachtungsfähigkeit wieder 
zu höherem Können, zur Beobachtungskunſt, zu entwi>keln, Wie weit das Beob- 
achtungsvermögen geſunken iſt, und wie ſtark die Gleichgültigkeit gegen die 
Vorgänge der Umwelt zugenommen hat, zeigt die Erzählung von dem Manne, 
der 30 Jahre lang beruflich die gleiche Straße wanderte, und nach der Art 
der die Straße begleitenden Bäume gefragt, die Antwort ſchuldig bleiben mußte. 
Mit Scheuklappen, ohne beſonderes Intereſſe und ohne Überlegung war er ſeine 
Straße getappt wie ein auf gleichem Wege alt gewordenes Pferd. Wie viele 
Menſchen -- Spaziergänger, Ausflügler, Wandervögel =- durchſtreifen ſo das 
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