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„dieſen Tagen ſehx groß in Freiburg. »Es iſt eine wahrhaft
- » Bäbyloniſche Verwirrung in unſerer Jeſuitenſtadt«
> ſchreibt uns ein Freund = »und Niemand freut ſich mehr
»dabei, ais die Freunde der Unordnung und Gewolt, Gottrau -
'?(Biſchof) und ſeine Jeſuiten. « | in -
Das Schulwejen iſt darum auc“ im gegenwärtigen Augens
'Glicke in einem kiäglien Zuſtande. Viele Gemeinden haben
'gar "keine Schulen, Das Volk fählt übrigens dieſe Lücken 3
aber es weiß ſich ſelbſt nicht zu heifen. Wie ſehr dies der
Fall iſt, ſehen wir auch aus der Bereitwiſlligkeit, mit welcher
ſich das Volk bereden ließ, vorigen November (5ten November
48352) ihre Kinder den »Frauen vom Herzen Jeſu,«
welche in Montet eine Lehranſtalt gründeten, zur Erziehung
anzuvertrauen. Würde das Volk wohl ſo heilsbegierig äuf
die in Folge der Juliusreſtauration von 1830 aus Frankreich
vertriebenen Weiber gewartet, und bei der Eröffnung ihrer .
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. Erziehungs&anſtalt fo Frohlockt haben, wenn. für den Religionss
und Volksunterricht der Gemeinden geforat geweſen wäre ? ==
Da loben nun die jefuitiſchen "Blätter ſfolMe und derlei Er;-
ziehungsanſtalten bis zum Ekel, ſind aber dagegen, wenn der
Staat etwas für die Schule thun will. |
-“. Die“ Ausſicht in -Kirhe, Schule und Staat im Canton
Freiburg bezeichnet der Schulinſpector Schnyder aus Luzern
in ſeinem »Eidgenoſſen« ſo: “
-? 3 Im Canton: Freiburg kann auf ungehindertes Fortſchreis
"?ten im Volksprincip ſo tange nicht gerechnet werden, bis""die
»?IJeſuiten:'== diefe -Verächter des. Volkes und der geſunden
'> Vernunft, "dieſes : Geſindel , aus allen dennen beſiehend , die
»kein Vaterland haben wolien == nicht ferner die Freiburgis
»ſchen Schulen unter ihrer Leitung haben.« == i
E., im October 1835. -F. Wein manu, Schullehrer.
Korreſpondenzn achri<hten
Emmerich, im October 1853.
ebr als zwei Jahrzehnte lang hat die hieſige Stadt einer höheren
gehranfelt entvehrt, | den Bedürfniſſen entſprocen hätte 3 eine Lücke,
die um ſo fühlbarer war, weil bis zum Jahre 1811 ein Gymnaſium hiez
ſelbſt beſtanden hatte,“ das ſeit Jahrhunderten der Stotz der Bürger-
ſchaft geweſen war. In dem genannten Jahre wurde mit den Gürern
der Kreuzherren, die ſeit der Aufhebung des Jeſuitenordens jener Schule
xühmlichſt vorgeſtanden hatten, auF das geſammte nicht unbedeutende
Sculvermögen eingezogen und zerſplittert. Seitdem hatten ſich edie
und für das Gemeinwohl. thätige Männer zu verſchiedenen Zeiten be-
müht, die untergegangene Anſtalt wieder ins Leben zu rufen, bis es der
Ithätigkeit einer deshalb zuſammengetretenen Commiſſion, unter der Mits
wirkung der höheren Landesbehörden , zu Anfange dts vorigen Jahres
gelang , den größten Theil des veriorenen Schulvermögens -- meiſt in
Sem benachbarten Holländiſchen Landestheile gelegene Grundſtücke =- ſei-
ner füheren Beſtimmung wieder zuzuwenden, So konnte alſo durch
Beſtimmung eines hohen Miniſteriums die vor zwanzig Zahren zu Grun-
de gegangene höhere Lehranſtalt mit Oſtern vorigen Jahres wieder ins
Leven treten« | SEIGEEES SSE
- Am 2oſten Mai 1852 wurde demnach die Einweihung der An-
Kalt durch den Königl. Commiſſarius,; Herrn Regierungs-
und Schulrath Brüggemann, vollzogen, Ein zählreicher Kreis -
von Einwohnern dieſer Stadt, unter ihnen die in unſerer Nähe weilen-
den emaligen Lehrer des Gymnaſiums, Herr Profeſſor Drieſſen
von hier, und Herr Pfarrer: Arreß in Elren, die gewiß nicht ohne
Freude ihre ehemalige Schule wieder auffeinem ſahen, ſchloß ſich dem
Zuge der bereits eingeſchriebenen Schüler an, die ſich unter Begleitung
iprer deſianirten Lehrer aus dem proviſoriſchen Sullocale nach der hies
figen Adelgundis-Kir<e begaben, um dort einem feierlichen Hoc<amte
beizuwohnen« NaH Beendigung deſſelben kehrte die Berſammlung nach
dem bezeichneten Locale zurück, wo der Königl. Commiſſarius in der
von ihm gehattenen Feſtrede die Eröffnung des Gymnaſiums feierlichſt
ausſpra<4. Die Feier des Tages wurde durch ein von den hieſigen
Einwohnern veranſtaltetes Feſtmahl beſchloſſen. |
Für die Beſorgung der äußeren Angelegenheiten wurde von Seiten
des hohtöblichen Provinzial-Sculcollegii ein Verwaltungsrath ernannt,
heſtehend aus den Herren Canonicus Leſſing, Präſident, Paſtor
Gamke und Steuerratrh Windſf Heid. *) Als proviſoriſche Leh-
mem “ .
*) Einſender begreift ni<t, warum man nicht zugleich einen oder eini-
' pe ver Herren Gymnaſiallehrer zu Mitgliedern des Verwaltungs»
vmmup
vater Verantwortlichkeit von K+ E- F+ BE,
Im Verlage der Expedition der »deutſhen Schüit« (Karl Gottlob S Hmid t in Leipzig)
rer*) der Anſtalt wurden: angeſtellt: Herr A. Niegemann,' ehemals Taub-
ſtummenlehrer in Berlin, .„gus Bonn z Herr H. Hottenrott aus Gerne
rode, und Herr I» Biehoff-aus- Bilk bei Düſſeldorf» Den Religions
unterricht übernahm der Capellän der hieſigen Adelgundis-Kirche, Herr
Wollbergz den Geſangunterricht leitetete Herr Winter. -.-
Ss wurde die Schule mit den drei unteren Klaſſen am 25ſten Mäi -
v. I. eröffnet, und bis zu den“ Herbſtferien, den gten September , fort:
„geführt. Mit der :Sröffnung::des. neuen Schuljahres, am 14g:en October
1832, wurde durch“ die Fürſorge eines ho<löblichen Shulcollegii dem
Lehrerperſonale der Herr Eandidat Anton Niederſtein aus Bonn -
hinzugefügt, wodurc< die Errichtung einer vierten Klaſſe, der Tertia,
möglich wurde« ei FENEN | DEES
- Mit. der: Eröffnung des. nächſten Schuljahres , 1855-4854], : wird
die Schule durc) Srrichtung einer Secunda und: Vermehrung des Leh-
rerperſonals. der . Vollſtändigkeit wieder um. einen. Schritt näher gerückt.
Auch ſoll alsdann die fränzsöſiſcche Sprache in die Reihe der Lehrgegen-
ſtände aufgenommen werden. Der jüngſt verfloſſene Sommercurſus wurs
de mit einer Anzahl von 55 Schülern geſchloſſen , worunter 36 Katho»
lifen waren. ee m SEEG . vim
Möge ſich dieſe dur&g die Gnade unſeres allverehrten Königs- der
Stadt. und Umgegend wieder. geſchenkte“ Anſtalt der fördernden Theil?
nahme unſerer verehrten Mitbürger , ſo wie beſonders. der hohen und
höchſten Staatsbehörden“ fortwährend erfreuen! >
rathes ihrer eigenen "Angelegenheit gemacht , da die äußere Verwal:
tung des Gymnaſtalweſens ſich von der: inneren: keinesweges in. der
Art trennen läßt, daß nicht z. B. bei Anſchaffungen, Bauten .u. dergl.
Berührungen vorkommen müſſen, die den. dirigirenden. Lehrer in ganz-
unnöthiges und. mißhelliges Abhängigkeitsverhältniß zu Männern
ſetzen, die ganz und gar ſeine Behörde nicht ſind«o Einſender wes
nigſtens hält niht dafür, daß der ſtudirte Gymnaſiallehrer etwa -
- nicht vornehm oder befähigt genug ſei, neben dem Pfarrer oder
Steuerofficianten im Rathe zu ſiken - Daher kommt es denn gar
- leicht, daß Leute in der Stadt den Gymnaſtallehrer nur als eine
- Art hö<hſt ſubalterner , niedriger , dienender Officianten , oder gar
- nur als eine Art vornehmer oder beſſerer Bedienten ihrer: Kinder
anſehen, und bei jeder Gelegenheit zu - Gunſten ihrer Kinder gar
hochnaſig und brutal auf ihn herabſhauen wollen. =
- 9) Da das. Gymnaſium in Emmerich bleiben wird, ſo werden die daran
fungirenden ſehr achtbaren SHulmänner bald die Ausſicht einer des
finitiven, d. i. bleibenden, Anſtellung erhalten. | '