Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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durch dieſe Mitglieder die deutſche Lehrerinnenſchaft ihre! 
Anteil an ſtreng wiſſenſchaftlichen Arbeiten nehmen wird. 
An weiteren Fragen der Arbeits3bedingungen, mit denen 
die Abteilung ſich beſchäftigt hat, wäre no< die Beſoldungs- 
frage zu nennen. Weiter hat ſie eine Stellenvermittlung 
und eine Auskunftsſtelle verwaltet. Frl. v. Keudell, die 
biSher die Stellenvermirtlung für die Abteilung beſorgt hat, 
hat ſie jezt für den Verband übernommen. Die Auskunſts8- 
ſtelle war nötig für die Zeit des Überganges, als die Beſtim- 
mungen und Gepflogenheiten für die wiſſenſchaftliche und 
praktiſc<e Ausbildung der Oberlehrerinnen noch nicht zu einer 
Tradition gelangt waren. Die bezüglichen Beſtimmungen 
wurden von der Abieilung in cinem Heft<en zuſammen- 
geſtellt. 
Eine wichtige Arbeit, um möglichſt den Zuſjammenhalt 
aller pro fac. doc. geprüfter Frauen zu ermöglichen, iſt ge- 
leiſtet in der Liſte aller angeſtellten oder in der praktiſchen 
Ausbildung begriffenen Lehrerinnen. Frl. v. Keudell hat 
Jahre hindurch mit unermüdlicher Energie das Material 
gejammelt und veröffentlicht, wobei ſie bei den einzelnen 
Mitgliedern nicht immer das Entgegenkommen gefunden hat, 
das main hätte erwarten ſollen. Erſt dieſe Überſicht ermög- 
licht es un3, zu beurteilen, inwieweit wir auf die Mitar- 
beit der akademiſch gebildeten Frau an den höheren Schulen 
in Deutſchland rechnen dürfen. Die Unkoſten der Liſte jind 
ſeit zwei Jahren vom Verband mitgetragen, doch hat Frl. 
v. Keudell die Arbeit der Zuſammenſtellung allein geleiſtet. 
Dagegen iſt jezt die Arbeit ſo organiſiert, daß ihr die Schluß- 
redaktion obliegt, während das Material von anderen Mit- 
gliedern des Verbandes beſchafft wird. Die Fragebogen ſür 
dieſc Liſte, die in dieſen Tagen den Mitgliedern zugehen, 
werden ihrem liebevollen Intereſſe empfohlen. 
Unter den Schwierigkeiten, die einer ſelbſtändigen Ent- 
wielung der Abteilung entgegenwirken, iſt ihre lofale Zer=- 
ſplitterung genannt; in dex Gemeinſchaft mit dem Ber- 
band aber iheint gerade darin eine Verheißung zu liegen. 
Wir erhoffen nämlich als eine Folge der Neugruppierung, 
daß auf dem Boden der größeren Organiſation die Ber- 
ſchiedenheiten in den Schuleinrichtungen der BundeSſtaaten 
zurücktreten möchten von dem, was unjer allex Arbeit ge- 
meinſam iſt, daß gerade mit ihren außerpreußiſchen Mit- 
gliedern die Abteilung dem Verbande Kräfte zugeführt Hat, 
die ihm weitere Wirkungsgebiete eröffnen. 
Die Angeſtelltenverſicherung wührend des Krieges. 
Bei der lezten Generalverſammlung der Allgemeinen Deut- 
ſchen PenſionsSanſtalt für Lehrer und Lehrerinnen wurde die 
Frage uach der Verſicherungspflicht der am Krieg teilnehmen- 
den Privatlehrer erhoben. Gerade hierüber handelt eine neuer- 
liche Aufklärung von ſeiten der Angeſtelltenverſicherung, die 
ja mit Bezug auf Beitragsleiſtung die gleichen Bedingungen 
ſtellt wie die Erſahkaſſe der Lehrer und Lehrerinnen. 
Der Berliner Ort8ausſ<huß der Vertrauensmänner, 
Jlottwellſtr. 4 1, Zimmer 5 = Sprechſtunde tägli 1--3 Uhr -- 
macht darauf aufmerkſam, daß die Verſicherungs- und Beitrags- 
pflicht auch während des Krieges unverändert bleibt. Für 
alle verſicherung3pflichtigen Angeſtellten ſind nach wie vor die 
Beiträge durc< den Arbeitgeber zu entrichten. Jſt das Ge- 
halt infolge des Kriegsausbruches verkürzt worden, jo iſt der 
der. Gehaltöſtufe entſprechende Beitrag zu entrichten. AÄnge- 
ſtellte, die vor Krieg3aus8bruch mehr als 5000 FX verdienten, 
jeßt aber weniger, müſſen ebenfalls verſichert werden. Wenn 
ihr Einkommen ſpäter wieder 5000 X überſteigt, ſo hürt die 
Verſicherungspfliht auf. Sie behalten das Recht, ſich frei- 
willig weiter zu verſichern, unter der Vorausſezung, daß jechs 
Pflichtbeiträge für ſie gezahlt worden ſind. 
Beſonder38. wichtig ſind aber die Beſtimmungen, die für die 
zum Kriegs8dienſt eingezogenen Angeſtellten in Betracht 
kommen. Zn all den, erfreulicherweiſe zahlreichen Fällen, in 
denen der Arbeitgeber den Angeſtellten bei ſeiner ECin- 
 
' berufung nicht entläßt, ihm vielmehr fein biöheriges Ge- 
halt oder einen Teil davon weiterzahlt, müſſen auc< Bei- 
träge, der jeßigen Gehaltsſtufe entſprechend, für ihn gezahlt 
werden. Hierbei bleibt e3 ſich gleich, ob die Gehalt5zahlung 
an den Angeſtellten direkt oder in Form einer „Unterſtüzung“ 
an ſeine Angehörigen erfolgt. Maßgebend iſt, daß das An- 
geſtelltenverhältnis als fortbeſtehend anzuerkennen iſt, 
wenn nicht ausdrülich eine Kündigung erfolgt, auch wenn 
der Angeſtellte durch den Kriegsdienſt zeitweilig an der Aus- 
übung ſeiner Tätigkeit verhindert iſt. =- Es entſpricht dies 
zweifello38 auch der Recht8auffaſſuug ſowohl des Arbeitgebers, 
wie de3 Angeſtellten, der bei ſeiner Rückkehr das Recht behält, 
in ſeine Stellung wieder einzutreten. Die Beiträge müſſen 
auch weitergezahlt werden, wenn etwa der Angeſtellte unter 
Weiterbezug von Gehalt ſeine Arbeit durc< ſeine Eheſrau oder 
einen andern Angehörigen ausführen läßt. Natürlich richtet 
ſich die Höhe der Beiträge auch hierbei wieder nach der Höhe 
des Entgelt3. Dieſe Beitragszahlung liegt auch im höchſten 
Maße im Intereſſe de8 Angeſtellten, da die Monate, in denen 
er eingezogen iſt, ſonſt für die Abkürzung der Wartezeit ver“ 
loren ſein würden. Entgegen der Jnvalidenverſicherung näm- 
lic findet bei der Angeſtelltenverſicherung eine Verrechnung 
der Krieg3monate al3 Beiträge nicht ſtatt. Das einzige Recht 
iſt, daß der Anſpruch auf Grund der bereits früher gezahlten 
Beiträge während dieſer Zeit nicht verfallen kann. Der Arbeit- 
geber, der für „Unterſtüßungen“, die er unter den erwähnten 
Vorausſezungen den Familien ſeiner nicht entlaſſenen Ange- 
ſtellten zahlt, Beiträge nicht entrichtet, verleßt alſo nicht nur 
die geſezlichen Beſtimmungen, ſondern er handelt auch gegen 
die Intereſſen des Angeſtellten, deren Förderung ihm doch 
ſicherlich am Herzen liegt. 
Muſeum „Schule und Krieg“. 
Das Brezlauer ſtädtiſche Schulmuſeum hat eine neue 
Abteilung erhalten, „Schule und Krieg“. Die Brezlauer 
Zeitungen berichten darüber: Als der Krieg ausbrach, wurden 
faſt alle ſtädtiſchen Schulhäuſer in Kaſernen verwandelt. Da- 
durch gerieten unſere Schulen, namentlich die Volksſchulen, in 
eine üble Lage. Nur mit großer Mühe gelang es, eine einiger- 
maßen genügende Zahl von Unterkunftsſtätten zu finden. Wel- 
<her Art dieſe Notſ<hulräume ſind, zeigen 42 Photogra- 
phien, die Gymnaſial-Zeichenlehrer Herm. Kakuſchke dem 
Schulmuſeum zuliebe aufgenommen hat. Alle dieſe Untertkunft3- 
ſtätten wurden während de3 Unterrichtes photographiert, um 
zu zeigen, wie ſich die Schulen in Bet-, Gemeinde- und Miſ- 
ſion3ſälen, in Laden- und Kontorräumen, in engen Wohnzim- 
mern zum Abbruch beſtimmter Häuſer, in Tiſchlerwerkſtätten, 
Fabrifräumen, Tanz- und anderen Vergnügungsſälen, in Ver- 
ein8zimmern, einer Kegelbahn, einem ehemaligen Pferdeſtalle, 
einem Totengräberhauſe, ja auf einem Turnplaße und auf 
einem alten Friedhofe eingerichtet haben oder eingerichtet hatten, 
bis andere, beſſer geeignete Räume gefunden waren. 
Zwangloſe, zum Teil ſehr gelungene Bleiſtift- und 
Tuſchzeichnungen aus hieſigen Volksſchulen, freie Schü- 
lerzeichnungen aus der Margaretenſchule über das Thema: 
„Wa3 wir vom Kriege wiſſen“, ſowie zahlreiche Aufſaßhefte 
aus der 1. Klaſſe unſerer Volksſchulen mit freien und gebun- 
denen Niederſchriften zeigen, wie ſich der Krieg in den 
Köpfen unſerer Schuljugend malt, aber auch, wie ſich die Schule 
bemüht, ihre Arbeit, der großen Zeit entſprechend, einzurichten. 
Welchen Einfluß der Krieg auf die höheren und mittleren 
Schulen der Stadt im abgelaufenen Schuljahre ausgeübt, welche 
Opfer er unter ihren Lehrern und Schülern gefordert, wie ſich 
der Unterricht dieſer Anſtalten der Not der Zeit angepaßt hat, 
wa3 ihre Schüler im Dienſte de8 Vaterlandes, auh- in ſtiller 
Liebe3arbeit, getan haben, und manches andere kann man aus 
den vollzählig vorhandenen Jahre3berichten dieſer Schulen 
erſehen: ſie liegen, in einem Sammelbande vereinigt, zur Ein- 
ſicht aus. Zur Pflege vaterländiſcher Geſinnung, zur Bele- 
bung und Vertiefung des Geſchicht3unterrichtes, zugleich aber 
auch als zeitgemäßer Schmu der Schulzimmer eignen ſich 
manche der im Kriegsjahr erſchienenen Wandbilder (Bild- 
niſſe unſeres Kaiſer3 und ſeiner großen Feldherren, Schlachten- 
und Flottenbilder), ſowie künſtleriſch ausgeführte Wand-
	        

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