Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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einer Prämienreferve abzukürzen. Der Antrag iſt an 
die Reich3verſicherungsanſtalt für Angeſtellte, Berlin-Wilmer3- 
dorf, Hohenzollerndamm 193/195, zu richten, und es ſind bei- 
zufügen: 1. die Verſicherungskarte, 2. eine Geburtsurkunde, 
3. eine Beſcheinigung de8 JahreZarbeitsverdienſte3, 4. für die 
nicht in Groß-Berlin wohnenden Antragsſteller das Gutachten 
eines VertrauenZ3arzte8. Ferner iſt anzugeben, in welcher Ge- 
haltsklaſſe und für wieviel Jahre die Abkürzung erfolgen ſoll. 
Al3 Gehaltsklaſſe iſt eine beliebig niedrige, höchſten3 diejenige 
zuläſſig, in der für den Angeſtellten die erſten Beiträge ent- 
richtet worden ſind. Die Abkürzung kann für höchſten 3 
10 Jahre erfolgen. Die Höhe der Prämienreſerve iſt durch 
verſicherungs8tehniſc<e Berechnungen der Reichsverſicherungs- 
anſtalt für Angeſtellte feſtgeſtellt und iſt um ſo höher, je älter 
der Antragſteller iſt, und je ſpäter er den Antrag ſtellt. Die 
Abkürzung iſt nicht derart zu verſtehen, daß Beiträge voraus- 
gezahlt werden, ſondern ſie verlegt den Zeitpunkt de3 Eintritts 
in die Verſicherung vom 1. Januar 1913 auf ſo viel Jahre 
zurück, al8 dem Antrage gemäß abgekürzt werden. Die Ab- 
fürzung kann nur um volle Jahre erfolgen. Kürzt 3. B. ein 
Angeſtellter, der ſeit dem 1. Januar 1913 verſichert iſt, die 
Wartezeit um 3 Jahre ab, ſo erhält, wenn er fällt, oder auf 
andere Weiſe den Tod findet, ſeine Witwe eine Jahresrente, 
die ein Zehntel des Geſamtwerte3s der Beiträge ausmacht. Hat ex 
Kinder unter 18 Jahren, ſo kommt für jede3 ein Fünfzigſtel der 
geſamten Beitrag3ſumme dazu. Kürzt er die Wartezeit um 
8 Jahre ab, ſo daß in3geſamt 120 Beiträge entrichtet ſind, ſv 
würde er ſich nicht nur eine Hinterbliebenenrente von mindeſtens 
einem Zehntel der geſamten Beitrag3ſumme, ſondern, für den 
Fall, daß er berufsunfähig zurückkehrt, ein jährliches Ruhegeld 
in Höhe eines Viertel3 der 120 erſten und eines Achtels aller 
weiteren Beiträge ſichern. 
Wie der Orts3ausſchuß mitteilt, haben zahlreiche Familien- 
väter vor ihrer Einberufung von dieſem Recht auf Abkürzung 
der Wartezeit Gebrauch gemacht. Der Orts8ausſ<uß gibt gern 
nöhere Auskunft, auch über die Höhe der einzuzahlenden Prä- 
mienreſerve, ſowie über den Rentenbetrag. 
- Kleine Anzeigen. 
Die Ernährungsſrage. 
Solange der Krieg dauert und wahrſcheinlich auch noch 
darüber hinaus, darf das BVerantwortlichkeitsgefühl der ein- 
zelnen der Volksgemeinſchaft gegenüber auch in der Decdung 
de3 Nahrung3bedarf3 nicht nachlaſſen, und es iſt hochwichtig, 
immer wieder auf die Ernährungsfrage zurückzukommen, in 
der Schule ſowohl wie in Verſammlungen. So ſind denn neue 
Schriften, die gute Aufklärung geben, auch jezt no<r willkommen 
zu heißen. Von den bei der Schriftleitung eingegangenen ſei 
in erſter Linie „Der Brotkrieg“ von Ruttmann *) erwähnt, 
ein flar und gemeinverſtändlic<h geſchriebenes Buch, das die 
Ernährungs8frage nac< allen Richtungen hin behandelt auf 
Grund ernſter Quellenſtudien und damit den Beſprechungen in 
Volk83- und Fortbildungsſchule gute Anregungen und zuver- 
läſſige Tatſachen bietet. Hervorgehoben ſeien auch die an- 
ſhaulichen Fauſtſkizzen zur Erläuterung ſtatiſtiſchen Wiſſens. 
Das kleine Verſehen auf Seite 21, wo die Zeichen für Jnlands- 
erzeugung und Ausfuhrüberſchuß verwechſelt worden ſind, wird 
wohl jeder ſich ſelbſt leicht richtigſtellen können. 
In ſehr volkstümlicher Weiſe iſt eine kleine Flugſchrift 2) 
eines ſüddeutſchen Geiſtlichen geſchrieben, die dem deutſchen Volke 
eine geſunde Lebensweiſe an3 Herz legen will al38 einen Volk3- 
dienſt, dex es zur Herrſchaft über ſich ſelbſt und über ſeine 
Feinde führen würde. Die fünf Grundregeln, die er in eindring- 
lichſter Weiſe empfiehlt, ſind: Gründli< kauen! Vernünftig 
1) Der Brotkrieg. Da3 deutſche Volk im Kampfe um ſeine 
Ernährung. Für Schwert und Pflug niedergeſchrieben von 
W. TJ... Ruttmann. Kurt Kabitzſch, Würzburg. 1 6. 
2) Fünf Radikalmittel. Alleinrichtige Antwort auf den eng=- 
30.67 „Aushungerungsplan. Verlag der „Badenia“, Karls8xuhe. 
 
trinfen! Mäßig effen! Fleiſch ſparen! Luft verſchwendet! 
Daß ſeine Art Anklang gefunden hat, beweiſt der Umſtand, 
daß von dem an Kaiſer38 Krieg8geburt3täg erſtmalig heräu3- 
gegebenen Schriften am 1. Mai die 5. Aufläge, das 15. bis 
20. Tauſend, erſcheinen konnte. 
Erwähnt ſeien zwei kleinere Hefte, die ſich vor allem an die 
Hausfrauen wenden. In einem aus Süddeutſchland ſtammenden 
Schrifthen: Es muß reichen!) behandelt Auguſt Hink zunächſt 
auf 26 Seiten das Allgemeine der Ernährungsfrage, während 
in dem Anhange Hilde Hink Anweiſungen für ſüddeutſche 
Hausmannskoſt gibt. Das Hefichen: Sparſame Kriegs3koſt von 
Mathilde Nouvel *) gibt „kurze Kochvorſchriften für einfache 
Gerichte mit beſonderer Berücſichtigung der während de3 Krieges 
vorausſichtlih vorhandenen Nahrungsmittel“. E83 dürfte den 
Hausfrauen angenehm ſein wegen des großen Reichtum3 an 
Kochvorſchriften für Kartoffelgerichte; Gemüſe- und DObſtver- 
wendung treten demgegenüber vielleicht etwas zu ſehr zurüd, 
und zwar nicht bloß nach der Zahl der angeführten Gerichte, 
ſondern auch in der Bewertung in der allgemeinen Beſprechung. 
Nicht auf Kriegsverhältniſſe berechnet, ſondern zur Unter- 
ſtüßung des Haushaltung5unierricht8 in der Schule geſchrieben 
iſt ein aus Öſterreich eingegangene3 Werk: HauShaltung3kunde 
und Kochbuch 8), ſehr reichhaltig und augenſcheinlich auf tüch- 
tige praktiſche Erfahrung geſtüßt. Neben der Küche behandelt 
es auch alle übrigen Gebiete des HauSshalt3, Wohnung und 
Kinderpflege, Kleidung, Wäſche, Garten in anſprechender Weiſe. 
F. O. 
Einführung der Jugend in die Geſchichte des Weltkrieges. 
C3 iſt als ein Kennzeichen deutſchen Geiſte8 aufgeſtellt wox- 
ven -- und ſein Weltbürgertum nur als ein Teilergehni3 
dieſer beſonderen Veranlagung -=-, daß er die Dinge von vorn- 
herein hiſtoriſch wertet, ſie auf Urſache und Veranlaſſung hin 
betrachtet. Dieſer geſchichtlihe Sinn, das beſondere Erbgut 
des Deutſchen, treibt ihn ſchon jest, ſich ein nicht von Leiden- 
ſhaft getrübtes Bild der Gegenwartz3ereigniſſe zu ſchaffen, 
den Weltkrieg hiſtoriſch zu ſehen, Material für eine ſpätere Ge- 
j<ichte deSſelben bereit3 heute zuſammenzutragen. 
Cinige Verſuche nach dieſer Richtung liegen auch für die 
Schule vor. Von ſolchen Abſichten geht die kleine Schrift aus, 
die der Jugend zeigen will, „Wie e8 zum Weltkrieg 
kam“.6) Das große Reich der Tatſachen, der Geſchehniſſe ſpricht 
zu uns: aber nicht in bloßen „Fakten“ und Aufzählungen, 
ſondern in dem Zuſammenhang der Urſachen und Wirkungen. 
Das kleine Heft, das einen „Überbli> über Vorgeſchichte und Ur- 
jachen“ des Weltkriegs bieten will und zur Einführung in da3 
geſchichtliche Berſtändni38 der Gegenwart für die Oberklaſſen 
höherer Lehranſtalten beſtimmt iſt, bietet auf feinen 32 Seiten 
eine ungemeine Fülle von Lehrſtoff einerſeit38 =- ſo daß e3 eine 
Ergänzung des Geſchichts3buchs in der Tat zu ſein vermag -- 
von Anregung und Aufde&ung geiſtiger Zuſammenhänge andrer- 
jeit3, jo daß es auch dem Zwece dient, „zur Stärkung des deut- 
ſchen Gedankens“ in der Welt beizutragen. 
Die Folgerungen Rohrbachs8, der damit zitiert iſt, ſind für die 
Darſtellung von grundlegender Bedeutung; Leſer der Zeitſchrift 
„Das größere Deutſchland“ werden häufig die ihnen von dort- 
ber geläufig gewordenen Jdeenverbindungen wiederfinden. 
Der Weltkrieg wird vorwiegend als deutſch-engliſcher Konflikt 
geſehen; daher die Einleitungskapitel: Der Aufſtieg Englands, 
3) E8 muß reichen! Sparſame Volksernährung, eine Be- 
dingung unſeres 'Sieges von A. Hink. Mit dem Anhang Süd- 
deutſche Hausmannskoſt von H. Hink. Braunſche Hofdruderei, 
Karl5Sruhe. 30 Pf. 
4) Sparſame Kriegskoſt. Von Mathilde Nouvel. Ferdinand 
Hirt, Breslau. 20 Pf. Von 50 Exemplaren an 18 Pf. . 
5) Haushaltungskunde und Kochbuch für öffentliche Volk3- 
und Bürgerſchulen. Ein Hilf8buc<h, hervorgegangen aus der 
Praxis in der HauShaltungöskunde und Schulküche dex Barm- 
herzigen Schweſtern vom Hl. Karl Borromäus in Bad Zſ<l. 
4. Haaſe, Prag, Wien und Leipzig. Geb. 2 Fr. 
6) Hanns Altmann, Wie es zum Weltkrieg kam. Mit einer 
Weltkarte. B. G. Teubner, Leipzig und Berlin 1915, Geh. 40 Pf.
	        

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