Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

Grundlagen der Neutralität und der ſich daraus ergebenden 
Pflichten vermiſſen ließen. Der Redner verlangte die Förderung 
der allgemeinen nationalen Erziehung durch einen vermehrten 
Unterricht in allen drei Landesſprachen zur Überwindung aller 
primitiven Sprachen= und Raſſeninſtinkte, ferner die Schaffung 
eines ſtaat3bürgerlichen Lehrmittel8s mit finanzieller Hilfe des 
Bundes, Ausbildung beſonderer Lehrkräfte und einen vermehr- 
ten Unterricht in der neueſten Geſchichte des ſchweäzeriſchen 
Bundesſtaates. = Bundesrat Calander erflärte namens de3 
Bundes3rates die Annahme des Antrag38, die den Abſichten 
des Bundesrates entgegenkomme, der im Hinbli> auf gewiſſe 
innerpolitiſche Erſcheinungen der neueſten Zeit überzeugt iſt 
von der Notwendigkeit, die ſtaat8bürgerliche Erziehung energiſch 
zu fördern. („Fr. Ztg.“) 
Mädc<enlyzeum und Reform-Realgymnaſium in Linz. Die ſelbſt- 
verſtändlich gewordene und do< noh mit dem Reiz der Neuheit an- 
mutende Beſchäftigung: Einrichtungen, Hilfsaktionen und Geſchehniſſe 
bei unſeren Bunde3genoſſen kennen zu lernen und mit den unſern zu 
vergleichen, iſt beſonders von Wert auf dem Gebiete des Schulweſens. 
Der Jahresbericht der Linzer Mädchenbildungsanſtalten, der vorliegt, 
zeigt ein ganz ähnliches Bild wie die Programme reichsdeutſcher 
Schulen. Da leſen wir: In hervorragender Weiſe nahmen die Schüle- 
rinnen der Anſtalt an der Kriegsfürſorge Anteil. Jm Handarbeits- 
unterrichte wurde mehrere Monate hindurch für Krieg3zwede gearbeitet. 
Zur Weihnachtsbeſcherung der Soldaten konnten von ſeiten der Schule 
360 Schachteln in acht großen Kiſten durch das k. u. k. Kriegsfürſorge- 
amt verſchidt werden, denen dann ſpäter für das Landwehr-Infanterie- 
Regiment Nr. 2 noch 310 Schachteln in 13 Kiſten folgten. Auch zu 
Oſtern und Pfingſten wurden Liebe8gaben in das Feld geſchit. 
Weiter wurden Decken genäht für die Soldaten im Schüßengraben, 
Sammelbüchſen für das Rote Kreuz aufgeſtellt, Lichtbildervorträge 
zugunſten der Kriegsfürſorge gehalten und endlich ein „eiſerner Aar“ 
aufgeſtellt für Witwen und Waiſen der im Feld gefallenen Oberöſter- 
 
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reicher. Dieſer „eiſerne Aar“, gezeichnet von Profeſſor Lorenz, wird 
ein die Schule ehrendes Andenken an die große ſchwere Kriegszeit bilden. 
In wie weitem Maße hier übrigens auch den nichtbegüterten be- 
gabten Mädchen eine höhere Bildung ermöglicht wird, zeigen folgende 
Zahlen: „Die Statiſtik der Schülerinnen führt am Schluſſe des Schul- 
jahre3 deren Anzahl mit 313 an. Davon zahlten bloß 133 das ganze 
Schulged, 23 waren vom Sculgelde ganz befreit, die übrigen genoſſen 
Ermäßigungen in verſchiedener Höhe.“ 
Eine „„Ruſſenklaſſe““ iſt in Gladbe> eingerichtet worden infolge 
eine3 Zuzug3 von etwa 100 Familien aus Lodz, die faſt durchweg 
deutſcher Abſtammung ſind und für den Bergwerks8betrieb nach deim 
Weſten Deutſchlands übergeſiedelt ſind. Die Kinder dieſer Deutſch- 
ruſſen ſtehen im Alter von 7--14 Jahren und ſind durchweg An- 
alphabeten, daher alle in derſelben Klaſſe untergebracht. Die 
„Ruſſenklaſſe“ iſt einer Lehrerin überwieſen, die gut mit ihrer 
Aufgabe fertig wird, da die meiſten Kinder wenigſten3 leidlich 
deutſch verſtehen und ſehr willig ſind. An deutſ<he Ordnung 
und Reinlichkeit waren ſie freilich erſt zu gewöhnen; doch auch 
hierin ſind günſtige Ergebniſſe unverkennbar. 
Haushaltungsſchulen für die aus dem Ausland gewieſenen jungen 
Mädchen, ſowie für ſolche, die aus Oſtpreußen flüchten mußten (aus 
nicht freigegebenen Kreiſen), hat der Evangeliſche Ver- 
band zur Pflege der weiblichen Jugend Deutſ<,- 
land3 in Verbindung mit der Jugendhilfe vom Roten 
Kreuz, Berlin, Voßſtr. 25, eingerichtet. Anmeldungen 
ſind an die Jugendhilfe zu richten, welche bei Nachwei3 der 
Bedürftigkeit die Mädchen zur unentgeltlichen Aufnahme 
einem der Heime überweiſt. Die Haushaltungsſchulen, welche 
Koch-, Haushaltung38-, Wäſchenäh- und Scneiderunterricht, ſo- 
wie Anleitung zur Gartenarbeit erteilen, befinden ſich in: 
Radens3leben (Brandenburg), Geiglis (Pommern), Rothenmoor 
(Medlenburg), Wippra (Südharz), Stedten (Gotha), Hainrode 
(Hainleite), Walterö8hauſen (Thüringen), König3walde (Neumark), 
TlinSberg (Schleſien), Garden (Weſtpreußen), Kl.-Eichſtedt (Prov. 
Sachſen), Eichberg (Schleſien). 
 
Hierzu Beilagen von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin, die der Beachtung der Leſer empfohlen werden. 
 
Auszug aus dem Stellenvermittlungsregiſter des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins. 
Zentralleitung: Berlin W 62, Bayreuther Straße 38, Gartenhaus pt,, Telephon- Amt Kurfürſt 2415. 
1. Sofort ſucht Gutsbeſigersfamilie, Oſtpreußen, für zwei 
Mädchen, 13, einen Knaben, 6 Jahre alt, eine evangeliſche, 
für höhere Schulen gevprüfte Lehrerin. Gehalt 700 4% 
und freie Station. 
2. Sofort ſucht Paſtorenfamilie, Heſſen, für ein Mädchen, 
13 Jahre, eine evangeliſche, für höhere Schulen geprüfte 
Lehrerin mit etwas Erfahrung. (Zwei Knaben ſind zu 
beaufſichtigen.) Gehalt 700 4 und freie Station. 
3. Zum 1. Auguſt ſucht Rittergut5beſißers8familie, Weſtpreu- 
ßen, für einen Knaben von 9, ein Mädchen von 8 Jahren, 
eine evangeliſche geprüfte Lehrerin mit etwas Erfahrung. 
Muſikkenntniſſe ſind erwünſcht. Gehalt nach Übereinkunft. 
4. Zum 1. Auguſt fucht Familie, Oberſchleſien, für zwei Mäd- 
Hen von 13 und 9 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit etwa3 Unterrichtöerfahrung und Mutikkennt- 
niſſen. Gehalt 700 4 und freie Station. 
5. Zum ii. eventuell 15. Auguſt ſucht Rittergutsbeſißer5- 
familie in der Mark für zwei Mädchen, 11 und 8 Jahre 
alt, eine evangeliſche, für höhere Schulen geprüfte Lehrerin 
mit etwas Erfahrung. Gehalt 800 4 und freie Station. 
6. Zum 15. Auguſt ſucht Gutsbeſitersfamilie, Sachſen, für 
ein 12 jähriges Mädchen eine evangeliſche, für höhere Schu- 
len geprüfte Lehrerin mit etwas Erfahrung. Gehalt nach 
Übereinftunft. 
7. Zum 15. Auguſt ſucht adlige Familie, Weſtpreußen, für 
ein 13 jähriges Mädchen eine evangeliſche geprüfte Lehrerin 
mit Muſikkenntniſſen und etwas Unterricht3erſahrung. Ge- 
halt nach Übereinkunft. 
8. Zum 15. Auguſt ſucht Familie, Sachſen, für zwei Mädchen, 
13 Jahre, eine evangeliſche, für höhere Schulen geprüfte 
 
Lehrerin mit etwas Unterrichtserfahrung. Muſikkenntniſſe 
Bedingung. Gehalt bei freier Station 900 /&. 
9. Zum 1. Oktober ſucht Gutsbeſißer8familie, Braunſchweig, 
für zwei Mädchen, 11 und 9 Jahre alt, eine evangeliſche 
geprüfte Lehrerin mit Muſikkenntniſſen. Etwas Erfahrung 
iſt erwünſcht. Gehalt 720 4 bei freier Station. 
10. Zum 1. Oktober ſucht adlige Familie, Weſtpreußen, für 
ein Mädchen, 13, einen Knaben, 9 Jahre alt, eine evan- 
geliſche geprüfte Lehrerin mit Latein- und Muſikbennt- 
niſſen. Perferte Sprachen ſehr erwünſcht. Gehalt 1300 4 
und freie Station. 
11. Zum 1. Oktober ſucht freiherrliche Familie, Oſtpreußen, für 
ein Mädchen, 13 Jahre alt, eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit guten Sprach- und Muſikkenntniſfen. Gehalt 
1200 4 bei freier Station. 
12. Zum 1. Oktober ſucht freiherrliche Familie, Pommern, für 
zwei Knaben, 8 und 6 Jahre alt, eine evangeliſche ge- 
prüfte Lehrerin mit etwas Erfahrung und perfekten Sprach- 
kenntniſſen. Gehalt nach Übereinkunft. 
13. Zum 1. Oktober ſucht Familie, Lauſiz, für ein Mädchen 
von 15 Jahren eine evangeliſche geprüfte Lehrerin mit 
Mujſikfenntniſſen. Perfekte Sprachen ſehr erwünſcht. Ge- 
balt nac< Übereinkunft. 
14. Zum 1. Oktober ſucht gräfliche Familie, Oſtpreußen, für 
einen Knaben, 7*/5, ein Mädchen 6 Jahre alt, eine evan- 
geliſche geprüfte Lehrerin mit etwas Erfahrung und Latein- 
und Muſikkenntniſſen. Gehalt nach Übereinkunft. 
15. Zum 1. Oktober ſucht adlige Familie, Poſen, für - ein 
12 jähriges Mädchen eine evangeliſche, für höhere Schulen 
geprüfte Lehrerin mit mehrjähriger Unterricht3erfahrung. 
Gehalt bei freier Station 800 4. 
Die Adreſſen der Lehrerinnen und Stellen dürfen nicht weitergegeben werden. 
Bedingungen für den Nachweis der Stellen verſendet die 
Zentralleitung der Stellenvermittlung des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt. 
Tel. - Amt Kurfürſt 2415. Sprechſtunden wochentag3 von 12 --3 Uhr, Sonnabends 11--1 Uhr. 
Beitrittserklärungen ſind an die Geſchäftsfielle de3 Vereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt., zu richten. 
Die Stellenvermittlung für akad. geb. Lehrerinnen liegt jezt in den Händen von Frl. Eliſe von Keudell, 
Berlin- Schöneberg, Martin-Luther- Straße 51 (Sprechſtunden; Montag und Donnerstag von 3% 4%, Uhr).
	        

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