Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

Möge die Zeit den flämmenden Haß in heiligen Zorn 
wandeln -- den heiligen Zorn in kraftvolle, zielbey 
wußte Überlegenheit!“ - 
Wenn bisher einmal von der intellektuellen und ein anderes 
Mal von der ſittlichen Beeinfluſſung der Jugend durch die 
entſprechende Behandlung der Kriegsereigniſſe geſprochen wurde, 
ſo geſchah!38 doc<h unter der ſtillſchweigenden Vorausſeßung, 
daß beide zuſammenwirken, eine ohne die andere nicht denk- 
bar, = zum mindeſten keine Vermittlung des Wiſſensſtoffes 
auf dieſem Gebiet geſtattet iſt, ohne zugleich die Kräfte des 
Willen3, die ſittliche Energie zu ſpannen und zu ſteigern, denn 
jede Verſenkung in die Gegenwartsereigniſſe iſt dem Schüler 
gegenüber Erziehung in ſtaat3bürgerlicher Abſicht. Dieſem 
Zwede dienen in beſonderem Maße auch die KriegS3hefte 
für die deutſche Jugend, die ſich ſelbſt in die Mitte 
zwiſchen bloßer Verſtande3ſchulung! und Charakterbildung ſtellen, 
indem ſie dem Zweck ;,ſtaat38bürgerlicher Belehrung“ dienen 
'wollen. Hier werden „deutſc<he Leben3fragen“) durch den 
Mund der berufenſten Vertreter de3 deutſchen Gedankens und 
der deutſchen Arbeit beantwortet. Das erſte Heft, das die Zeit 
von den JFreiheitskriegen bis zum Weltkrieg umſpannt, ent- 
hält den unvergleichlichen Abſchnitt aus Fichtes Reden über 
„Volt, Vaterland und Staat“, aus dem KatechiSmus für den 
deutſchen Wehrmann Arndt3 Wort über „Vaterland und Frei- 
heit“, das jeßt immer wieder auftaucht, dem kämpfenden Deutſch- 
land das geflügelte Wort für den Inhalt ſeines Kampfes ge- 
geben hat; es folgt ein wunderſchöner Rücbli> auf die Zeit 
vor 100 Jahren und die folgenden großen Abſchnitte bewußten 
deutſchen Aufſchwung3 (1848 und 1870) aus Meine>es Buch 
„Die deutſche Erhebung von 1914“. Die Wiedergabe der großen 
Reich3tag3rede Bi8mard>3 vom 6. Februar 1888 und dreier Reden 
des Kaiſers aus den Jahren 1913 und 1914 zeigen ebenſo den 
Frieden3willen Deutſchlands wie die Notwendigkeit des Ab- 
wehrkampfes in dex Gegenwart. 
Sehr überſichtliche Einführung in unſer Heerweſen und unſere 
Marine bringt das zweite Heft. Moltke und Bülow find hier 
zitiert. Deutſchlands wirtſchaftliche Rüſtung wird im dritten 
Heft dargeſtellt, =- hier treffen wir auf Namen wie Eltbacher, 
Faßbender, v. Wieſe, Helfferich. Und gewiſſermaßen die Bes- 
lohnung für die Durcharbeitung de8 doch immer etwas ſpröden 
Stoffe8 der vorangegangenen zwei Abſchnitte bietet Heft I1V, 
das Rücblid und Ausbli> zugleich auf „Deutſchlands Welt- 
machtſtellung“ iſt. Rohrbach gibt die theoretiſche Behandlung 
de3 Thema38, dann ſind Abſchnitte wiedergegeben aus Reden 
und Schriften der Staat38männer, die uns als die energiſchen 
Verfechter einer realpolitiſc<hen Machtſtellung Deutſchlands gel- 
ten: Bülow und Helfferich, daneben Solf und Lindequiſt. 
Die Aufnahme der Abhandlung des Hiſtorikers Dietrich. Schäfer 
über England38 Weltſtellung und die Abſchnitte über Rußland 
und Frankreich aus dem Werk des (bereits früher in der 
„Lehrerin“ eingehend gewürdigten) Schweden Kjellen beweiſt, 
daß auch die nationale Einſicht des Deutſchen ſtets weltorientiert 
ſein wird. 
Die Zuſammenſtellung der vier Hefte in einem Bänd<hen 
bedeutet eine muſtergültige kleine Quellenſammlung für Be- 
handlung des Geſchicht3unterrichts auf der Oberſtufe: auch der 
Mäd enſc<ulen. Denn für deren Schülerinnen iſt es genau 
ſo wichtig, Arndt und Fichte, Elhbacher, Helfferich und Bülow 
in ſig aufzunehmen als für Tertianer und Sekundaner. Über 
6) Deutſche Lebensfragen. Kriegshefte für die deutſ<e Jugend, 
zunächſt für die ſtaatsbürgerliche Belehrung in den mittleren und 
oberen Klaſſen der höheren Lehranſtalten und in verwandten Schulen 
im Hinbli> auf die gewaltigen Ereigniſſe der Gegenwart zujammen- 
geſtellt von Prof. Dr. Max Siebourg und Oberlehrer Jo]. Kuc>- 
hoff, M. d. R. -- I. Von den Freiheitskriegen zum Weltkriege. -- 
IL. Deutſchlands militäriſche Rüſtung. -- Dl. Deutſchlands wirtſchaft- 
liche Rüſtung. -- IV. Deutſchlands Weltmachtſtellung. (41 u. 132 S.) 
8*. B. SG. Teubner, Leipzig und Berlin 1915. Geh. Heft 1--IV in 
einem Bande zuſammen 1,20 4. Einzelne Hefte je 46 Pf. 10 Exem- 
plare und mehr auf einmal bezogen je 30 Pf. | 
14 
 
5 -. 
den Willen der Herau38geber hinaus ſollte gerades bei Mäd- 
<en das Buch reichlihe Verwendung finden. 
Vorwiegend an die Erzieher der männlichen Jugend wendet 
ſich das „Krieg3jahrbuch 1915“ für Volk8- und Jugend- 
ſpiele.) Auf den Krieg und ſeine Beeinfluſſung der körper- 
lichen Jugendbildung nehmen die Abhandlungen Bezug: Ein 
Weltkrieg um Deutſchland. Krieg3vorbereitung und Wandern. Ein 
Hauptabſchnitt iſt der „Militäriſchen Vorbereitung der Jugend“ 
gewidmet. Aber auch die Pfadfinderinnen kommen zu 
Wort. Im übrigen bedarf das Jahrbuch mit ſeinem reichen 
Literaturnachweis, der Aufſtellung über Verſammlungen und 
Spielkurſe uſw. in ſeinem 24. Jahrgang keiner beſonderen Emp- 
fehlung mehr. 
Zum Sc<luß noch die Empfehlung von zwei Büchern, die 
durc<; anſchauliche Berichte die Jugend für das Heldentum 
im Kriege zu begeiſtern ſuchen. 8-9) Beide erzählen von dem 
unvergleichlichen Mut unſerer Truppen, der Kaltblütigkeit, Hilfs8- 
bereitſchaft und ergreifenden Kameradſchaftlichkfeit der Feld- 
grauen, dem zähen AuShalten und dem opferbereiten Vater» 
land3dienſt der Verfolgten und ſchließlich Flüchtenden der Grenz- 
gebiete unſere3 Vaterlandes, dem ſtillen Heldentum der Daheim- 
gebliebenen und ihrem inneren Verbundenſein mit denen in 
der Front. Die einzelnen Berichte in dem kleinen Buch von 
Nieden, die mehr den Charakter der Anekdote tragen, können 
vielleicht einmal zum Schluß der Geſchichtsſtunde vorgetragen 
werden. Die von Agnes Sapper erzählten und zuſammen- 
geſtellten Geſchichten eignen ſich wohl auch für Schülerbibliv- 
thefen. Beide können in ihrer Lebendigkeit die Phantaſie des 
Kindes und durch dieſe ſeine innere Anſchauung von dem 
großen Geſchehen bereichern. 
 
Kleine Anzeigen. 
Zu den bereits früher angezeigten „Stuttgarter Krieg3- 
bilderbogen“ iſt ein neuer hinzugefommen: Nr. 3: Die 
franzöſiſche und ruſſiſche Kriegsflotte. Eine Aufſtellung aller 
Schiff8typen in 69 Abbildungen uſw. Frandhſche Verlagsbuch- 
handlung, Stuttgart. Preis 25 Pf. (Vgl. Beſprechung in 
„Lehrerin“ Nr. 3, 17. April 1915.) 
Des Deutſchen Reiche38 Kronprinz Dem deutſchen 
Volke und ſeinem Heere dargeſtellt von O3kar Brüſſau. Mit 
10 Abbildungen. 48 Seiten. Guſtav Sc<loeßmanns Verlags- 
buchhandl. (Guſtav Fi), Leipzig und Hamburg. 
Balſer8 Exnſt iſt gefallen. Ein Troſtwort für die 
Angehörigen unſerer Krieg3gefallenen von Pfarrer Guſtav Wahr. 
Deutſche Landbuchhandlung, Berlin 1915. Preis 20 Pf. 
Da3 Geld. Staatsbürgerliche Bibliothek Heft 10. 2. Aufl. 
Volks5verein3-Verlag G. m.b.H. 40 Pf. 
Kurſe. 
Die Wirtſchaftlihen Frauenſ<ulen auf dem Lande haben ſeit 
einigen Jahren die Berechtigung, Lehrerinnen der landwirt- 
ſchaftlichen Haushaltung3kunde auszubilden. Die neun zurzeit 
beſtehenden Frauenſchulen gliedern ſich in ſolche, die in einem 
Lehrgang zur Hausfrau oder auch zum weiteren Bejuch des 
hau8- und landwirtſchaftlihen Seminars vorbereiten, und in 
ſolche, denen das Seminar mit abſchließender Fachprüfung (vor 
einer ſtaatlichen Kommiſſion) angegliedert iſt. Sämtliche im 
Betrieb befindlichen Frauenſchulen haben im Frühjahr, als 
die neuen Jahreskurſe begannen, nicht nur alle Pläte beſjeßen 
7) Krieg38jahrbuch für Volk3- und Jugendjpiele. Heraus- 
gegeben von Prof. Dx. E. Kohlrauſc<h. 24. Jahrgang 1915. Mit 
zwei Bildniſſen und zwei Abbildungen. 128 S. Ebd. 1,80 K. 
8) Heldentum im Weltkriege 1914/15. Berichte von Heldens- 
taten. Zuſammengeſtellt von Dx. ZJ. Nieden. UU. Teil. Zum Beſten 
der Hinterbliebenen gefallener Krieger. 112 S. Straßburger Drucerei 
und Verlagsanſtalt von R. Schulz & Co., Straßburg i. E. 1915. 
1 4. 
9) Kriegsbüchlein für unſere Kinder. Von Agnes Sapper. 
118 S. Verlag von D. Gundert, Stuttgart 1914. 1 4, |
	        

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