Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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Ben: Verbände bzw. der durch ſie repräſentierten Bevölkerungs3- 
kreiſe ſein muß. ' 
IV. LandeZ3ausſ<üſſe (Provinzialausſchüſſe). Die Lan- 
de3ausſchüſſe (Provinzialausſchüſſe) beſtehen aus ſieben Per- 
ſonen, die nach Vereinbarung von den beteiligten Nationalver- 
bänden gewählt werden. Sie haben den Zweck: 
1. Orts3ausſchüſſe in ſolchen Städten und Gemeinden des Lan- 
de3, die von der Hauptgeſchäftsſtelle nicht erfaßt werden, 
zu gründen, oder wo dies nicht notwendig erſcheint, die 
. Sammlung dort in anderer Form in die Wege zu leiten; 
2. die Verbindung dex Sammlung „Jrauendank“ mit den 
etwa beſtehenden Lande3ausſchüſſen der Nationalſtifſtung 
herzuſtellen. * 
V. Plan der Sammlung. Für die AuSgeſtaltung der 
Sammlung haben die Ort3ausſchüſſe freie Hand, doch iſt die 
Veranſtaltung von Baſaren, Blumentagen, Feſtlichkeiten u. dgl. 
zur Beſchaffung von Geldmitteln ausgeſchloſſen. Die Samm- 
lung kann in doppelter Form vorgenommen werden: 
1. Al8 Sammlung der Vereine unter ihren eigenen Mitglie- 
dern und gleichzeitige Sammlung des Ort3ausſchuſſes unter 
den außerhalb der Vereine ſtehenden Kreiſen. 
2. Al3 vom Orts8ausſchuſſe zu organiſierende allgemeine öffent- 
lihe Sammlung, die ſowohl die Mitglieder der Vereine 
wie die außerhalb ſtehenden Kreiſe heranzieht. 
In jeder Stadt haben die Aufforderungen zur Zeichnung 
mittel3 der offiziellen Sammelliſten vom Ort3ausſchuſſe auszu- 
gehen, der auch für die Einnahmen und erforderlichen Aus- 
gaben haftet. Die Sammlung ſoll in der Lokalpreſſe auf jeden 
Fall öffentlich bekanntgegeben werden. Dem Hauptvorſtand muß 
auf Wunſch jederzeit Einbli> in die Arbeit der Ort3ausſchüſſe 
gewährt werden. 
In den Vorſtand, der ſowohl nach dem Grundſaße ider 
Vertretung der großen beteiligten Krieſe wie unter dem Ge- 
jichtöpunkte der praktiſchen Aktion3fähigkeit zuſammengeſeßt 
werden mußte, wurden folgende Perſonen gewählt: Dr. Ger- 
trud Bäumer al8 Vorſitzende, Frau von Carlowitz, Herr 
Liz. Cremer, Frl. Dransfeld, Frl. Margarete Friedenthal, 
Frl. Gertrud Hanna, Frau May, Frl. Paula Mueller, Frau 
Neuhaus, Frl. von Podbielsky, Frl. Schmidt, Herr Dom- 
vikar Suhrmann. Der BWorſtand ſoll die übrigen Ämter 
unter ſich verteilen. Die Hauptgeſchäftsſtelle wird vorläufig 
in den Räumen des Nationalen Frauendienſtes, Berlin W, 
Nollendorfplaß 3, eingerichtet. 
Al3 Zeitpunkt für den Beginn der Sammlung wurde etwa 
der September ins Auge gefaßt; doch iſt es den Vereinen 
freigeſtellt, nach Verſtändigung mit der Hauptgeſchäftsſtelle 
auch eher zu beginnen, wenn e38 lokale Verhältniſſe angebracht 
erſcheinen laſſen. 
Der Vorſtand wurde beauftragt, ein Statut für Verwen- 
dung und Verwaltung der Spende auSszuarbeiten; dabei 
wurde in3 Auge gefaßt, daß die für die Sammlung geſchaf- 
fene Organiſation zugleich der ſpäteren Verwaltung der 
Spende dienſtbar gemacht werden ſoll. 
Soziale Rundſchau. 
Ausſchuß für ſoziale Hilfsarbeit im Landesverein 
Preußiſcher Volksſchullehrerinnen. 
Kriegsbeihilfen. 
Über die Tätigkeit der weiblihen Jugend während des Krieges 
hat der Generalfeldmarſc<hall Freiherr von der Golß an die 
Vorſißende der Mädchengruppe des Jungdeutſchlandbunde3 in 
Stuttgart folgendes Schreiben gerichtet: , „Daß unſere weibliche 
Jugend ſich ſo tapfer am Liebe5werk für die Armen beteiligt 
hat, macht mir große Freude und beweiſt mir, daß die Saat, 
die der Jungdeutſchlandbund im lieben Vaterlande geſtreut hat, 
trefflich aufgegangen iſt. Das tut aber auch ſehr not, denn der 
unauslöſchliche Haß und der Neid gegen Deutſchland, die im 
jehigen Kriege zum Vorſchein gekommen ſind, werden nicht mit 
 
dem Friedensſhluß plößlich verſchwinden, ſondern fortdauertn 
und uns Deutſche zwingen, treue und ſtarke Waffen an unſeren 
Grenzen zu halten. Wir bedürfen auch in der Zukunft eines 
ſrarken und kriegsgewaltigen Männergeſchlec<htes. Um ein ſol- 
des aber heranzuziehen, iſt die Mitarbeit unſerer Frauen durch- 
aus notwendig. Sie ſollen früh zu erkennen geben, daß ſie in 
unſeren heranwachſenden Jungen Kraft, Mut und Energie hoch- 
ſh<äßen. Durch ihr Lob ſollen ſie dieſelben anſpornen, tüchtige 
Verteidiger des Vaterlandes zu werden. Als Frauen ſollen ſie 
dereinſt ihren Männern zur Seite ſtehen wie eine echte Stauf- 
facherin, und ihre Söhne heranziehen zu Helden, wie es die 
Königin Luiſe tat. Die Aufgabe iſt alſo ſehr groß, aber ebenſo 
groß wird auch ihr Anteil an der Stärke und Sicherheit des 
Vaterlandes ſein. Das mögen ſie ſich ſtet3 vor Augen halten 
und demgemäß denten, fühlen und handeln.“ Dem ganzen 
Jungdeutſchland-Mädchenbund bittet Freiherr von der Golß 
ſeine Grüße zu übermitteln und alle Mitglieder zu mahnen, 
treu bei der Fahne des Bunde5 zu ſtehen. (Fortſezung folgt.) 
Zur Berufsberatung. 
Der Verband für handwerkömäßige und fachgewerbliche 
Ausbildung der Frau (Berlin W, Eichhornſtr. 11) veröffentlicht 
eine Flugſchrift, die allen in der Berufsberatung tätigen Frauen und 
Lehrerinnen weſentliche Richtpunkte weiſt. 
Zur Aufklärung 
über Gründung von Wäſcheſhulen für Kriegerwitwen. 
Durch den Krieg brach über zahlloſe Frauen“: die Not der Ar- 
beitSloſigkeit herein. In Notſtand3nähſtuben und Werkſtätten 
hat man ſie vielerort8 aus ihrer ſchwierigen Lage befreit und 
über Waſſer gehalten, bis ſie wieder auf dem allgemeinen Ar=- 
beitsSmarkte Verdienſt und Brot fanden. Jeßt ſteht ein neuer 
Kreis bedrängter Frauen vor dieſen Arbeitsſtuben: Krieger- 
witwen und andere erſt allmählich durch den Krieg in Not ge- 
ratene Frauen, die alle hoffen, in den Arbeitsſtuben die not- 
wendige Ausbildung zu finden, um den Kampf auf dem Ar= 
beitömarkte mit Erfolg beſtehen zu können. 
Die zahlreichen Anfragen, die an den Verband in dieſer An= 
gelegenheit ergangen ſind, zeigen nun, daß an verſchiedenen 
Stellen geplant wird, jene während der Kriegs8zeit entſtande- 
nen Notſtand5nähſtubenuimnd Werkſtätten in Wäſche- 
ſchulen umzuwandeln, die als dauernde Ausbildungsſtätten 
vor allem für Kriegerwitwen gedacht ſind. 
So erfreulich auch die Abſicht iſt, die betroffenen Frauen 
fachlich zu ſchulen und für die Wäſcheinduſtrie Arbeit3kräfte 
auszubilden, ſo muß doch darauf hingewieſen werden, daß der 
Ausbau ſolher Nähſtuben nur Wert hat, wenn wirklich 
dauerndes Bedürfnis nach derartigen Ausbildungsſtätten 
vorhanden iſt. 
Die genannten Notſtand3einrichtungen haben aber in den 
meiſten Fällen einen rein <aritativen Charakter und verfügen 
weder über ausreichende Geldmittel no< über wirklich 
jachverſtändige, te<hniſc<he und kaufmänniſche Lei- 
tung. Überſehen wird bei jenen Beſtrebungen auch meiſt die 
große Schwierigkeit, geeignete und genügend große Auf- 
träge dauernd zu erhalten und die Abnahme derWare 
zu ſichern. 
Vor Ausführung derartiger Pläne ſollte de8halb in Rück- 
ſprachen mit Sachverſtändigen, ſtaatlichen und Gemeinvdebehör- 
den, Handel3-, Handwerk8- und Gewerbekfammern, Vertretern - 
von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganiſationen, Frauenver- 
einen uſw. das Für und Wider ſolcher Gründungen erwogen 
werden. 
Wenn die vorhandenen Krieg3nähſtuben als ungenügend 
ausgeſtaltete Schulen fortgeführt werden, ſo wird ſtatt 
des erhofften Nußen3 die für die Induſtrie ſo notwen=- 
dige AusSbildung wirklicher Qualitätsarbeiterin- 
nen gefährdet und die ſchon überreichlich vorhan- 
dene Zahl halbgeübter Heimarbeiterinnen vermehrt. 
In vielen Fällen wird es mit Rückſicht auf die ſchon zahlreich 
vorhandenen Arbeiterinnen zwecdmäßig ſein, auf die AusSbil- 
dung weiterer Kreiſe zu verzichten. Oft wird zur Hebung der 
Berufsleiſtungen der benötigten Arbeitskräfte der Au8bau be- 
ſtehender oder die Schaffung neuer ſachlich aus8geſtalteter Wäſche- 
ſchulen oder Kurſe, in denen jüngere, leiſtungs8fähige
	        

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