Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

-=-“ 166 = 
Bilderwerke; 
Gegenſtand der Darſtellung macht, hat ſich die Aufgabe geſtellt, 
über alle3 Epiſodenhafte, Vorübergehende, Zufällige de3 Kampfes - 
hinaus den Gehalt desſelben -- der zugleich Ausdru> einer - 
heldiſchen Weltauffaſſung iſt -- ſeſtzuhalten. Dieſe Abſicht iſt 
in dem vorliegenden Werke reſtlos erreicht. Aus den Bildern 
deutſcher Meiſter, von Dürer über Menzel, Bödlin, Klinger, 
Thoma bis zu den Allermodernſten: Boehle und Käthe Koll- 
wißt, iſt hier ein einheitliches Ganze zuſammengeſtellt, das 
al3 der „ins Sichtbare getretene Geiſt“ bezeichnet werden kann. 
Dieſe Zuſammenſtellung beweiſt mehr, als jede theoretiſche 
Unterſuchung e8 wermöcte, wie -- troß der verſchiedenſten 
Formung, unabhängig von Schule, Stiliſierung oder Realiſtik -- 
der nationale Geiſt auch in der bildenden Kunſt das vereinheit- 
lichende Prinzip iſt. Eine Urverwandtſchaft beſteht zwiſchen 
Friß Boehle3 „Heiligem Georg“, Dürer3 „Apokalyptiſchen 
Reitern“ und „Ritter, Tod und Teufel“, Rethels „„Banner- 
träger“, Klinger8 „Zeit und Ruhm“ und Thomas „Hüter der 
Täler“. Selbſt ſo ſcheinbar ander3artige Werke wie Menzels 
„Hochkir<“ wder das Blatt „Waffen“ von Käthe Kollwiß 
aus dem Bauernkriegzyklus reihen ſich ein -- predigen in Linien 
von unvergänglicher Schönheit und Kraft: daß der Krieg der 
Deutſchen ſtet8 ein „heiliger“ geweſen iſt in dem Sinne, als 
ſie ſich voll einſezen nur für ein heiliges Gut, und daß die 
JDdee, für die gekämpft wird, auch in Sturm und Grauen 
ſegnend über dem einzelnen ſteht. Aber -die beiden Geſtalten, 
die am Anfang und Ende de8 Werke3 ſtehen: Boehle3 „Heiliger 
Georg“ und Thomas „Hüter der Täler“ -- ſie ſind Symbole 
des Wiſſen3, daß der Kampf, der Recht und Freiheit ſchüßen 
foll, gekrönt wird durch das bherrlichſte Gut, den köſtlichſten 
Reichtum: den kampferprobten Frieden. -- 
Die Wiedergabe der einzelnen Blätter iſt muſtergültig, ſie 
läßt vom Cindru> des Originals nicht3 verloren gehen, der 
Preis iſt demgegenüber ungemein billig. Beſonder3 geeignet 
erſcheint das Werk nac< dieſem Jahr des Kampfes als Schul- 
prämie beim Oktober-Jahresſc<luß. E53 iſt geeignet, gerade der 
Jugend die großen, überragenden Geſicht3punkte zu geben, ihre 
Chrfurcht zu ſteigern, ſie von Worten zur Tat zu führen. Gerade 
jungen Menſchen können auch die guten, knappen Einleitung83- 
bemerkungen, die beigefügt ſind, den erſchütternd großartigen 
Eindruck erklären helfen, dem ſich der nur Schauende hinzugeben 
vermag. 
In demſelben Verlag iſt ein anderes Werk erſchienen, das 
-- als Erſtling eines neuen Unternehmen38: die „Deutſche 
Hausbilderei“ -=- in fünf Heften, „Das Heilandleben in 
deutſ<er Bilderkunſt“?) zur Darſtellung bringt. Was 
dem oben genannten Werke ſeine Prägung und ſeinen Wert gab, 
gilt auch für das vorliegende: der einheitliche Strom nationalen 
Gefühlslebens geht durch dieſe Blätter von Dürer, Rembrandt, 
Ludwig Richter, Uhde, Steinhauſen. 
Wir ſind in den leßten Monaten mit Recht darüber aufgeklärt 
worden, daß die zahlreichen Rectfertigung3verſuche dem neu=- 
tralen Auslande gegenüber ergebni3lo38 und daher peinlich und 
verfehlt waren. Es gibt nur eine Abwehr des Vorwurfs3 der 
Barbarei und Roheit und einen unwiderleglichen Beweis des 
Gegenteil3: das deutſche Werk. Darum iſt die Herausgabe dieſer 
BVilderſammlung-- ſcheinbar von rein äſthetiſc<en Abſichten 
geleitet =- eine Tat von hoher nationaler Bedeutung. So 
faßt auch der HerauSsgeber ſeine Aufgabe, wenn er in der Ein- 
leitung betont, daß er es direkt als Jubel empfand, zu ſehen, 
1) Der Kampf in deutſcher Bilderkunſt. Herausge- 
geben vom Kunſtwart. 20 Vollbilder im Formate 27:36 2/5, cm 
in ſtarfem Umſchlag. Text von Ferd. Avenarius. 3 4, Vorzug3- 
ausgabe 6 H, ( 
2) Da3 Heilandleben in deutſc<er Bilderkunſt. 
Heraus8gegeben vom Kunſtwart. Kunſtverlag Georg D. W. Call- 
wey, München. Fünf Heſte mit Text von Ferdinand Avenarius. 
Auch einzeln käuflich. 1. Des Heilands Verkündigung und Ge» 
burt 1,50 &. 2. Jeſu Kindheit und Maria. 2,25 4. 3. Der 
lehrende und der heilende Chriſtus 2 4. 4. Der Leiden5weg 
Chriſti 2 4. 5. Tod und BVerklärung Chriſti. 2,25 46. 
 
| „wie tief, reich, ſchöpferiſch ſich anſer Deutſchtum erweiſt, went 
Ein Sammelwerk bildender Kunſt, das den Kampf) zum | man es aus den religiöſen Bildern aufſteigen fühlt, welche der 
ſtrengſten Forderung ſtandhalten“, und wenn er darum der 
Sammlung als leßtes Wort den Wunſc< mitgibt: „Möge dieſes 
Innerliche unſerer Kunſt in dieſen ernſten und großen Tagen 
aus unſeren Blättern zum deutſchen Volke ſprechen.“ 
Auf einzelne38 einzugehen, iſt bei der „Fülle der Geſichte“ 
nicht möglich. Auch ſollte niemand ſich um den Genuß, um 
das Erlehnis des perſönlichen Schauens und Dreinverſenken3 
bringen. | M. T. 
Soziale Rundſchau. 
Ausſchuß für ſoziale Hilfsarbeit im Landesverein 
Preußiſcher Volksſchullehrerinnen. 
Kriegsbeihilfen. 
(Fortſezung von Nr. 20 S. 158.) 
Zur Frage der Jugendfürſorge. Ein ernſte3 Mahnwort für alle, 
die ſich mit der Pflege und Fürſorge der Jugend befaſſen, find 
die Ergebniſſe aus den Feſtſtellungen der Berliner Jugendge- 
richtöhilfe der deutſchen Zentrale für Jugendfürſorge in Berlin. 
Während in dem erſten Halbjahr 1914 die Kriminalität der 
Fugendlichen = von 12--18 Jahren -=- etwa dieſelbe war wie 
im erſten Halbjahr 1913, während gleich nach Krieg35au3bruch 
die Zahl der 16--18 jährigen männlichen Miſſetäter beträchtlich 
gegen das Vorjahr ſank, erheben ſich die Zahlen im letten 
Vierteljahre 1914 zu bedrohlicher Höhe: 85 Schüler (12- bis 
14 jährige) im 4. Quartale 1914, gegen 32 im Jahre 
1913. 137 Sd<hulentlaſſene (14- bis 16jährige) im 
4. Quartal 1914 gegen 102 im Jahre 1913. TDa3 
gibt zu denken! Und man möchte allen, die ſelbſtändig oder an- 
geſchloſſen an die Organiſationen der freien LiebeStütigkeit, 
allen, die an der Erziehung unſerer Jugend mitarbeiten dürfen, 
beſonder3 aber jeder Mutter, die ſich der großen und ſchweren 
Verantwortlichkeit ihrer Aufgabe, die Kinder in der Abweſen- 
heit de3 Vaters zu rechtſchaffenen Menſchen zu erziehen, viel- 
leicht no< nicht voll bewußt geworden iſt, zurufen: „Tut, 
wa3 in euern Kräften ſteht, um die Jugend vor 
Kriminalität und Verwahrloſung zu ſchüßpen.“ 
Über die Kriegsarbeit der Zentralſtelle für Volkswohlfahrt be- 
richtet der Geſchuft3führer Dr. Albrecht unter anderem folgendes: 
Zunächſt gewährte die Zentralſtelle dem „Nationalen Frauen- 
dienſt“ Unterkunft in ihren Räumen und ſtellte ihm einen Teil 
ihrer Arbeitskräfte zur Verfügung. Die neue „Korreſpondenz 
für Krieg3wohlfahrtspflege“ behandelte die wichtigeren Maß- 
nahmen auf dieſem Gebiete und ſuchte durc< ihre kritiſche Be- 
leuchtung allen Stellen, Kreiſen, Gemeinden uſw. die Anregung 
zu wertvollen, praktiſc<en Maßnahmen zu geben. Außerordent- 
lichen Erfolg hatten die im Zuſammenwirken mit dem Verein 
für volkstümliche Kurſe von Berliner Hochſchullehrern von der 
Zentralſtelle veranſtalteten „Deutſchen Reden in ſchwerer Zeit“, 
die ihrer Aufgabe, in den breiten Maſſen der Berliner Bevöl- 
ferung aufklärend über den Krieg, ſeine Urſachen und ſeine Fol- 
gen zu wirken, dann aber auc< dur<h die Beſinnung auf die 
hohen Ziele dieſe3 Kampfes die Stimmung dauernd zu erhalten, 
im hohen Maße gerecht geworden ſind. Auc<h im Rahmen des 
Geſamtausſchuſſes zur Verteilung von Leſeſtoff im Felde und 
in den Lazaretten, in38beſondere bei der Organiſierung der vom 
13.--19. Juni abgehaltenen „Kriegs8buchwoche“ iſt der Zentral- 
ſtelle ein Hauptanteil der Arbeit zugefallen. Ein Hauptzweig 
der Tätigkeit der Zentralſtelle bildet ihre Arbeit auf dem Ge- 
biete der Jugendpflege. Nach Ausbruch des Krieges fand die 
„von dem Geſchäftsführer als Vorſitzender des .Groß-Berliner 
Hauptausſchuſſes für Leibe3zübungen und Jugendpflege verfaßte 
Denkſchrift „Krieg8zeit und Aufgaben der Jugendpflege“ durch 
das Kultusminiſterium -die weiteſte Verbreitung unter den Orts= 
ausſchüſſen für Jugendpflege; ſie wurde ſämtlichen Stadtver- 
waltungen zugänglich gemacht und hat weſentlich dazu beige- 
tragen, Richtlinien für die Arbeit an der Jugend während des 
Krieges zu. geben. | | ..-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.