Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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6. Im Übrigen dient zur Bekanntgabe von Mitteilungen 
das im Flur hängende „Schwarze Brett“ und nötigen- 
falls eine dort noch aufzuſtellende Wandtafel. 
7. Die Oberleitung übernimmt der Direktor, der wie an 
Schultagen in ſeinem Amt38zimmer und ſonſt in jeiner 
Wohnung jederzeit zu ſprechen iſt. 
Eiteraturbericht. 
Deutſche Sprache. 
Von Margarete Treuge. 
Im Anſchluß an die Abhandlung im erſten Teil dieſe3 Blattes, 
die eine Ausſtoßung fremder, nicht heimiſch gewordener Beſtand- 
teile aus unſerer Mutterſprache fordert, damit deren Weſen 
in ſeiner Reinheit und Schönheit zutage trete, ſei hingewieſen 
auf einige Werke, die zur Vertiefung und Berfeinerung des 
Sprachgefühls beitragen können. 
Ein Unternehmen, das lediglich der Aufgabe dient, das 
Deutſche in ſeinen verſchiedenſten Verzweigungen al8 Sprache, 
Schrifttum, Volk8tum, zu durchforſchen und die Ergebniſſe 
dieſer Arbeit der Schule nußbar zu machen, iſt die „Zeitſchrift 
für den deutſchen Unterricht“. Ein Überbli> über ihre biSherige 
Leiſtung liegt in dem Inhalt3verzeichnis der Jahrgänge 1 bis 
27“ vor, das jeßt al3 „Geſamtüberſicht“ erſchienen iſt und ein 
ſtattliche8 Heft von 68 Seiten darſtellt.“) Ganz beſonders zeit- 
gemäß wirkt dieſes „im Krieg beendete Friedens8werk“, deſſen 
Vorarbeiten bis in das Jahr 1909 zurückreichen ; zeitgemäß, 
weil eben die Zukunftsaufgabe der deutſchen Erziehung auch an 
den deutſchen Unterricht erhöhte Anforderungen ſtellen wird. 
Der vorliegende Geſamtüberbli> zeigt, welch jahrelange wert- 
volle Vorarbeit hier bereit3 durch die einem beſtimmten, eiit- 
heitlichen Zwede dienende Zeitſchrift geleiſtet worden iſt. 
Im Anſchluß an dieſe Neuerſcheinung mag an ein früher er- 
ſc<hienenes Sonderheft der worgenannten Zeitſchrift erinnert 
werden, das ſich gedanklich der vorangegangenen Forderung an- 
ſchließt, durch ein größeres, eindringenderes Verſtändnis in das 
Weſen der deutſchen Sprache eine Neubelebung des Unterrichts 
zu erzielen. Das Heft umfaßt drei Reden, die auf dem erſten 
Germaniſtentag in Frankfurt a. M. 1913 gehalten wurden.“) 
Beſonder8 die Rede des bekannten Sprachforſcher3 Friedrich 
Fluge iſt imſtande, alte Erkenntnis zu beleben oder in neue Be- 
leuchtung zu rüden. Aber auch die beiden andern Vorträge -- 
mehr auf den praktiſchen Shulnußen gerichtet -- ſind ungemein 
anregend. Die Herausgeber =- Dr. Hofſtaetter und Prof. Panzer 
-- fennzeichnen die Arbeiten im Vorwort mit den Worten: 
„Kluges Rede iſt ein mutiges Bekenntnis zur Mutterſprache. 
Sie preiſt und würdigt eingehend ihren Bildungsgehalt und er- 
ziehlihen Wert und mißt beides an der lateiniſchen Sprache, 
der bei dex AusSbildung unſerer Jugend bisSher eine Borzugs- 
ſtellung eingeräumt wurde. 
Bojunga zeigt als ein begeiſterter Führer in großen Zügen 
das hohe Ziel, das einem wahren deutſchen Unterricht geſte>t 
iſt, und dem jeder einzelne zuſtreben muß, wenn das Deutſche die 
Stellung einnehmen ſoll, die ihm zukommt. 
Dieß betont die inneren Werte de3 deutſchen Unterrichts und 
lenkt das 'Auge mehr auf die Wege, die ſogleich einzuſc<hlagen ſind, 
um dem Ziele näher zu kommen.“ 
“Nach der indirekten direkte Sprachvermittlung! Einführung in 
Weſen und Wert der Mutterſprache geben neben Sprachbeobach- 
tung und Unterſuchung die guten deutſchen Schriftſteller ſelbſt, 
die Hauptvertreter der Proſa neben den Dichtern. 
1) Zeitſchrift für den deutſ<en Unterricht. Begründet durch 
Rudolf Hildebrand und Otto Lyon. Geſamtüberſicht über die Jahr- 
gänge 1-27. Unter Mitwirkung von Anna Brunnemann, Hans Jahn, 
Carl Knaul. Herausgegeben von Dx. Walther Hofſtaetter. 68 S. 
B. G. Teubner, Leipzig und Berlin 1915. 1,60 4. 
2) Deutſche Bildung. Drei Reden. Die Kulturwerte der deut- 
ſchen Sprache. Von Friedrich Kluge. Die Geſtaltung des deutſchen 
Unterricht8 auf den höheren Schulen. Von Klaudius Bojunga und 
Carl Diez. 9. Ergänzungsheft der Zeitſchrift für den deutſchen Unter- 
richt. Heraus8gegeben von Dr. Walther Hofſtaetter und Prof. Dr. Fr. 
Panzer. 64 S. Ebd. 1,50 4. 
 
 
 
. Dr. Heinrich Schierbaum. Ebd. 
Eine Reihe von au8gewählten Werken, die dem Deutſc<-Unter- 
richt dienen ſollen, ſeien hier herangezogen und kurz genannt. 
Es handelt ſich bei faſt allen dieſer Schriften um Einzelbändc<hen 
größerer Sammelwerke, die befannten „Sculausgaben“, von 
denen die vorliegenden nicht nur die Werke enthalten, die zum 
„eiſernen Beſtand“ des Leſeſtoff8 der höheren Schule gehören, 
ſondern auch ſeltener in den Kreis der Betrachtung gezogene 
Schriften berücſichtigen. Für „Schulgebrauch und Privatlek- 
türe“ iſt ein Band „Deutſche Briefe von Gellert bis8 
zur Romantik“ herausgegeben.3) Als Ergänzung für den 
QLiteraturunterricht findet man hier ſehr gut getroffene Auswahl 
aus dem Briefwechſel Leſſing-Eva König, Klopſto>d-Meta Moller, 
Goethe-Schiller, aus den Briefen der Frau Rat (leider alle in 
unanfechtbarer, gegenwärtig geltender Rechtſchreibung und Zei- 
<henſegung, mußte das ſein ?). Daneben gibt es auch mancherlei 
Seltenere8 und einige Koſtproben für literariſche Feinſchmecker ; 
aber alles mit Bezug auf die Schule aus8gewählt und -- dafür 
bürgt ſchon der Verlag -- mit Vermeidung alles Anſtößigen. 
Den Schluß bilden einige wunderſchöne, hinreißende, jeßt be- 
ſonders wirkſame Briefe aus dem Zeitalter der Befreiungskriege, 
neben ſtimmungsvollen Ergüſſen der Romantiker. (Das Bänd- 
<hen iſt ſehr empfehlenSwert.) 
In die Romantik ſelbſt führt ein anderes kleines Werk ein: 
Rovellen der Romantik* Die Au3swahl iſt auch hier von 
pädagogiſchen Abſichten geleitet; die Einführung iſt ſogar etwas 
zu ausführlich gehalten. 67 Seiten erklärender Text und dann für 
jede einzelne Erzählung wieder eine lange Einleitung ; die werden 
vielleicht die Schülerinnen überſchlagen, wenn man ihnen das 
Buch zu freier Benußung in die Hand gibt, und das würde nichts 
ſchaden, denn es ließe ſich allerlei gegen dieſe einſeitige Beein- 
fluſſung des Leſer3 und Vorwegnahme des Urteils ſagen. Da- 
für werden ſie ſich in die Erzählungen ſelbſt mit Leidenſchaft 
vertiefen: „Meiſter Johannes Macht“ von E. Th. A. Hofſ- 
mann, Eichendorffs8 „Schloß Dürande“ und die Erzäh- 
lung von Tie>d, „Des Leben3 Überfluß“, ſind zuſammengeſtellt. 
In der Sammlung Deutſcher Schulausgaben von Belhagen & 
Klaſing ſei in dieſem Zuſammenhang =- unter dem Geſicht3- 
punkt: „Deutſche Muſterproſa“ hingewieſen auf die Bändchen: 
Deutſche Proſa. X. Teil. Moderne erzählende Proſa), enthält 
Erzählungen von Ernſt Zahn „Der Geiger“, Jakob Boß- 
hart „Heimat“, Auguſte Supper „Die Schachtel der alten 
Mine“, Anna Schieber „Ein Kartäuſer“. Wie in der Zu- 
ſammenſtellung einerſeit8 gerade Weſen deutſcher Kunſt dur 
den engeren Begriff „„Heimatkunſt“ erfaßt iſt, wird andrerſeits 
die Weite dieſer Kunſt durc< das Einbeziehen auch der deutſch 
ſchreibenden Schweizer aufgedet. 
In zwei Bändchen ſind im Aus8zug die unvergleichlichen 
„Jugenderinnerungen eine3 alten Mannes“ von Kügelgen 
herausgegeben *), ganz beſonders für die Zeit beſtimmt erſcheint 
die Aus8wahl aus den Schriften Fichte3 und Shleierma- 
<her38") und die Zuſammenſtellung aus Reden BiSmar>s3), 
den wir nicht nur al8 den genialen Staat3mann, ſondern auch 
al3 den großen Proſaiſten bewundern wollen, der beweiſt, wieviel 
Kraft und Geiſt in unſerer Sprache ſind, wenn jie von einem 
Meiſter beherrſcht und zu höherem Leben erwecdt wird. 
(Ein zweiter Literaturbericht folgt.) 
3) Deutſche Briefe von Gellert bis zur Nomantik. Heraus- 
gegeben und erläutert von Dr. Friß Heiligenſtaedt. 211 S. S<hö- 
ningh3 Ausgaben deutſcher Klaſſiker, Paderborn 1944. 1,70 H. 
4) Novellen der Romantiker (E. F. A. Hofſmann, Zo]. 
v. Eichendorff, Ludw. Tie>). Mit einer entwicklungsgeſchichtlichen Skizze 
und Einleitungen herausgegeben von Prof. Dr. Oswald Floe>. V.Ul 
u. 272 S. Joſ. Köſelſche Buchhandlung, Kempten und München. In 
Leinen geb. 1 4. ' 
5) Moderne erzählende Proſa. Ausgewählt von Prof. Dr. 
Porger. Deutſche Schulausgaben. Bd. 142. BVelhagen & Klaſing, 
Bielefeld und Leipzig 1914. 1,20 A. 
6) Wilhelm von Kügelgen. Jugenderinnerungen eines alten 
Mannes. Im Auszug herausgegeben von Prof. Martin Deutſch. 
2 Bändchen. Ebd. 19144. Jedes Bändchen 90 Pf. 
7) Fichte, Schleiermacher. Auswahl aus ihren Schriften. Von 
Prof. Dx. Richter. Ebd. 1,30 X. 
8) Fürft Bi8mar>. Ausgewählte Reden. 
1,20 4. 
Heraus8gegeben von
	        

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