Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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bei einer Jamilie, die auf dem Lande an der See wohnt, zu- 
bringt.) Einzelne kleine Geſchichten, dem Leben der Natur ent= 
nommen, bringt die Sammlung Edith Howes, The Sun's Babies. 
Our ISland Story by Marghall iſt rein geſchichtlicher Leſeſtoff. 
E3 wird hier eine Geſchichte Englands gegeben, in der berichtet 
wird vom ſagenhaften Albion und Brutus an bis zu Eduard VI]. 
Natürlich iſt alle3 ſo knapp und kurz wie möglich dargeſtellt, 
aber geſchenkt wird uns nicht3, auch nicht die Geſchichte von 
Heinrich VIII. und ſeinen ſech8 Frauen. IJ<h führe hier einige 
Beiſpiele aus dieſer „Geſchichte“ an, die gleichzeitig das ganze 
Buch <arakteriſieren: Von Anne Boleyn heißt es: He put her 
into prigon and pregently cut off her head. (S. 109.) Von 
Catherine Howard: To punish her, he cut off her head. (S. 110.) 
Von Catherine Parr: 8he managed to keep her head upon her 
Shoulders. Auch hier bringt die Einleitung wieder eine tiefe 
Verbeugung vor dem britiſchen Weltreich. S. IV heißt es: 
„ein Reich, wie die Weltgeſchichte bis jezt noch keines geſchaffen 
hat“. Das war im Oktober 1912 geſchrieben. 
Anders klingt e8 in Sturmfels' Einleitung zu Britain Over- 
Seas. Hier wird allerdings auch gerade das vorliegende Buch emp- 
fohlen, weil es „raſch einen Einblick in die Bedeutung des eng- 
liſchen Reiche38 und des engliſchen Nationalſtolzes gibt“ (S.1V), 
aber dann fährt Dr. Sturmfels fort: „Möge vieſer engliſche 
Nationalſtolz, das britiſche . .. Selbſtbewußtſein ſeine gute Wir- 
kung auf unſere deutſche Jugend nicht verfehlen, die dereinſt: 
den geiſtigen, überſeeiſchen und politiſchen Wettbewerb mit der. 
engliſchen Nation ebenbürtig beſtehen ſoll.“ Nun, wir ſtehen 
jeht mitten in dem großen Ringen mit dem britiſchen Volke, 
und e8 bleibt der Geſchichte überlaſſen, wie weit der Inhalt 
de8 Büchleins für unſere Jugend als veraltet gelten wird -- 
die Schilderungen ſind lebhaft und anſchaulich. 
Von den BVelhagenſchen Veröffentlichungen, die für das Ober- 
Iyzeum geeignet und die jeßt beſonders wichtig ſind, da uns 
billige engliſche Driginalau8gaben während des Krieges nicht 
zugänglich ſind, ſeien genannt: Goldſmith, She 8toops to con- 
quer und Selected Chapters from Macaulay and Carlyle. Die 
leztere Auswahl iſt vorzüglich und gewährt den Schülerinnen 
einen guten Cinblid in die Reichhaltigkeit des Carlyleſchen 
Schaffens. Auc< Thoreaus vielgerühmtes Walden iſt in einem 
guten Auszuge erſchienen. 
An Unterhaltungslektüre bietet der Verlag D. M. Craik 
John Halifax -- der Roman bricht in dieſer Ausgabe geſchict 
mit dem Brotauſſtand ab --, Mark Twain, The Prince and tbe 
Pauper und The Adventures of Tom Sawyer. 
CC. Buhners5 Verlags) ſeßt unter den Allgemein-Titel 
ſeiner Sammlung „Engliſche Meiſterwerke“ „erläutert vornehm- 
lich vom äſthetiſ<en Standpunkt“. Eine engliſche Biographie 
ſteht am Anfang, die „äſthetiſchen Bemerkungen“ und Anmer- 
kungen ſind deutſch. Hatten wir wirklich ſolche Schulausgabe 
mit „äſthetiſchen Bemerkungen“ nötig? Iſt die Einführung in 
die Schönheiten der Dichtung nicht gerade das köſtliche Vorrecht 
ves Unterrichtenden ? = Mir liegen aus dieſem Verlag vor 
A Christmas Carol von Diens und Selections from Byron. Leß- 
tere Auswahl iſt ganz glücklich, ſie bringt viel aus Childe Harold 
und The Prigoner of Chillon, aus Cain, hier würde man viel- 
leiht die Adah-Szenen hinzuwünſchen. 
Aus dem Verlag von F. Schöningh") bringen Neues die 
Bänd<en Christmas Stories, ausSgewählt von Dr. F. J. Wers8- 
hoven (3. B. Anderſens Weihnacht8baum, einige Sachen von 
Dickens, Jrving, auch ein paar Gedichte), und Francis J. Finn, 
His first and last appearance. Die Sammlung der Weih- 
nacht3geſchichten iſt für Kl. II durc<aus zu empfehlen. Bei 
vem Wörterbuch fällt auf, daß gar keine Üusſprachebezeichnung 
gegeben iſt, was ich bei einem engliſchen Wörterbuch entſchieden 
6) C. C. Buchners8 Verlag, Bamberg: Dr. L. Richter, Selections 
from Byrop. - Dannheißer, Dickens, A Christwas Carol. 
7) F. Schöningh, Paderborn: Hillenkamp, Dickens, A Christmas 
Carol. Hillenfamp, YXonge, The little Duke. Hillenkfamp, Scott, 
The Taliemap. SJgnatia Breme, Shakespeare, Julius Caesar. WerS3- 
hoven, Christmas Stories. Mer3mann, Viun, His Vvirst and Last 
Appearance, 
 
 
 
für einen großen Mangel halte. F. Mer3mann gibt in ihrem 
Wörterbuch zu dem zweitgenannten Buche die Umſchrift zu 
einigen wenigen Wörtern, aber ohne jeden Schlüſſel für die 
nicht ſehr glüdlih gewählte Umſchrift, 3 B. awkward (aaok-), 
bawl (bääl). Drudfehler oder Irrtum liegt vor in advice (-waize), 
es müßte denn z das ſtimmloſe | bedeuten ſollen, weiter in leisure 
(leschoör), daneben measure (mezhor). Auch ſonſt ſind im Wörter- 
buch kleine Ungenauigfeiten unterlaufen, z. B. bestrode rittlings ſtatt 
astride. Im Dru ftört die amerikaniſche Orthographie, beſonders 
bei Wörtern wie color, 8avory uſw. Die Geſchichte ſelbſt iſt friſch 
und lebhaft erzählt, hat aber keinen künſtleriſchen Wert, da ſie voll 
Zufälligkeiten und wunderbarer Geſchehniſſe iſt. Die Erzählung eignet 
ſich für die 3. oder 2. Klaſſe des LyzeumZ. 
 
Kleine Anzeigen. 
Unterricht und Erziehung im Kriege. 
Anfknüpfend an den preußiſchen Miniſterialerlaß vom 6. No- 
vember 1914, der den Jugendbildnern eine „ſtete Bezugnahme 
auf die Großtaten unſeres Volkes und die gewaltigen Lei- 
ſtungen unſeres tapferen Heeres“ ans Herz legt, bietet H. Korſch, 
Seminarlehrer in Ly>, den Stoff für beſondere Kriegsſtunden 
in einem ſehr brauchbaren Buche.?) Abgeſehen von den Kämpfen 
in den Kolonien, die nicht mitbehandelt werden, ſind wohl alice 
für Kriegsſtunden in Betracht kommenden Stoffe in klaren, 
gründlichen Abhandlungen zuſammengeſtellt: politiſche und wirt- 
ſchaftliche Kriegsurſachen, militäriſche und wirtſchaftliche Kriegs- 
rüſtung des deutſchen Volkes, beſondere Kriegseinrichtungen, wie 
die Feldpoſt, das Rote und das Eiſerne Kreuz, die ſämtlichen 
europäiſchen Kriegs8ſc<hauplätze und der Gang des Krieges ſelbſt, 
vor allem der Kampf im Oſten und der Kampf zur See. Das 
Buch iſt als Grundlage für Beſprechungen über den Krieg 
beſtens zu empfehlen. 
über Fragen der Mädchenerziehung im Lichte des Krieges 
liegen zwei Schriften vor. Das 2. Heft der „Vaterländiſchen 
Flugſchriften des Vereins katholiſcher deutſcher Lehrerinnen“ 
behandelt die Pflege der deutſchen Weiblichkeit in der Volks- 
ſjchule.?) Es faßt deutſche Weiblichkeit als eine reiche, beſeelte 
Innerlichkeit, die ſich in ſelbſtloſer, hingebender Liebe betätigt, 
und Unterſucht, wie dieſe Weiblichkeit durch den Unterricht 
in den verſchiedenen Schulfächern und durc4 die erziehlichen 
Maßnahmen der Schule gefördext und Ddadurc< der unſere 
Frauenwelt vor dem Kriege in ſo hohem Maße bedrohenden 
Oberflächlichkeit und Genußſucht entgegengearbeitet werden kann. 
An die Stelle dex Weiblichkeit ſest eine andere eingegangene 
Schrift den Begriff der Mütterlichfeit 3) als das Erziehungs3- 
ziel für die weibliche Jugend. Nit tiefem Ernſte werden hier 
dic Schäden aufgedeckt, die ſich in die Frauenwelt unſeres 
Volkes eingeſchlichen haben und gerade in der ſchweren Kriegs- 
zeit in oft unliebſamer Weiſe zutage getreten ſind. Mit großem 
Nachdruc> hebt der Verfaſſer, anſcheinend ein katholiſcher Geiſt- 
licher, die Bedeutung der Mütter für die geſunde Entwicklung 
des BVolkes hervor; als größte Gefahr für unſer Volk gilt 
ihm die „ſchwindende Mütterlichkeit“, die ſich. teils in der 
Unluſt zur Mutterſchaft, teils in der Unfähigkeit, ihre Pflichten 
zu erfüllen, in weiten Kreiſen des Volkes offenbart. In an=- 
ſchaulichen Bildern wird Dargelegt, wie die neuzeitliche Wirt- 
ſchaft3entwicklung das Familienleben gelockert, die Frau ent- 
wurzelt und damit den Nährboden geſunder Mütterlichkeit 
untergraben hat. Das Heilmittel hiergegen aber ſieht der Ver=- 
faſſer nicht in einer Rückkehr zu früheren Zuſtänden, die un- 
möglich iſt, ſondern in planvoller erziehlicher Beeinfluſſung 
der geſamten Mädchen- und Frauenwelt durc< die Mädchen- 
1) Kriegsſtunden. Stoffe und Darbietungen für die Schule. 
Von H. Korſch. Liſt & Breſſen3dorf, Leipzig. 1,50 “6. 
2) Die Pflege deutſcher Weiblichkeit in der Volksſc<hule. Von 
Eliſe Stoffel8s. Vaterländiſche Flugſchriften des Vereins kath9o- 
liſcher ger Lehrerinnen. Ferdinand Schöningh. Padexr- 
born. . „db 
3) Mütterlichkfeit als Beruf und LebenSinhalt der Frau. 
Ein Wort an Erzieher und Erzieherinnen. Von Anton Heinen, 
- Volks5verein3verlag. Müncen-Gladbach. 1,20 „6,
	        

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