Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

Nachrichten. 
Die Schulpflicht in Belgien?) iſt, wie ſchon in Nr. 4 berichtet wurde, 
unter Aufſicht der deutſchen Behörden jeht durchgeführt. In der 
zweiten Hälfte des Auguſt hatten die Gemeindeverwaltungen dem 
Kreisſchulinſpektor zum zweiten Male die Liſte der Kinder ſc<ul- 
pflichtigen Alter3 einzureichen. Hierfür wurde das ſchon bis8her vor- 
geſchriebene Formular verwendet. In der erſten Hälfte des Septem- 
ber erfolgt dur<g die Gemeindebehörde ein vom zuſtändigen Krei3- 
ſchulinſpektor unterzeichneter Aufruf, in welchem die Familienvorſtände 
an ihre geſeßliche Pflicht und die Folgen der Nichterfüllung erinnert 
werden. Ausdrücklich wird auch darauf hingewieſen, daß die Wahl 
der Schule völlig frei ſteht, daß jeder ausgeübte Zwang ſtrafbar iſt. 
Während früher in Belgien Belehrungen und Anmeldekarten verſchi>t 
wurden, reichen jeht die Schulleiter acht Tage nac< dem Wiederbeginn 
des Unterrichts dem Kreisſchulinſpektor die Liſte der anweſenden Kin- 
der ein. Dieſer richtet nun an die Eltern ſolcher Kinder, die weder 
in den Schulen gemeldet, noch als anderweitige Unterrichtsgelegen- 
heiten genießend angezeigt wurden, mittel8 eingeſchriebenen Briefes 
die Aufforderung, binnen acht Tagen den Nachweis über die Er- 
füllung ihrer geſeßlichen Verpflihtung zu erbringen. Jſt die geſeß- 
liche Friſt fruchtlo8 abgelaufen, ſo werden die ſäumigen Familien- 
vorſtände dem Friedensrichter zur Anzeige gebracht. 
Ein neues Jnuſtitut für pädagogiſ<he Pſy<hologie. Das unga- 
riſche Kultusminiſterium hat auf Anregung des Leiter3 der 
Budapeſter Mittelſchule für nervöſe Kinder, Dr. Joſeph DO. 
Verte3, ein pſychologiſches Laboratorium in3 Leben gerufen. 
Da3 neue Inſtitut, das ſich in Budapeſt befindet, ſetzt ſich nach 
dem „Archiv für Pädagogik“ die Erforſchung der Pſyc<e des 
nervöſen Kindes zur Aufgabe. Weiterhin ſollen heilpädagogiſch- 
pſychologiſche Unterſuchungen angeſtellt und Laien, in3beſondere 
Eltern, fachmänniſch beraten werden. 
1) Vgl. den Aufſasß „Die Sprachenfrage in der belgiſchen Volk3- 
ſchule“ in diejer Nummer. 
Hierzu 1 Beilage von Ernſt Wunderlich in Leipzig, fowie Beilagen von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin, die der Beachtung der Leſer 
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Ein ſ<wediſ<her Seminardirektor über deutſche Bildungsarbeit 
während des Krieges. Im Sommer 1909 nahmen ein heſſiſcher 
Seminarlehrer, ein ſchwediſcher Seminardirektor, ein bulga- 
riſcher Gymnaſiallehrer, ein portugieſiſcher Volksſchullehrer und 
ein armeniſcher Student an einem Experimentalkurſus des 
Leipziger Lehrerverein3-Inſtitut3s für experimentelle Pädagogik 
und Pſychologie teil, der von dem Begründer des Inſtituts, 
dem Leipziger Volksſchullehrer Rudolf Schulze, veranſtaltet 
wurde. Der ſchwediſche Seminardirektor ſteht ſeit dieſer Zeit 
mit dem Inſtitut in regem Briefwechſel und ſchreibt in Beants- 
wortung der Zuſendung des neueſten Heftes der Inſtitut5ver- 
Vffentlichungen folgendes: E3 iſt ja großartig, daß die wiſſen- 
ſchaftlichen Arbeiten während und troß des Krieges doch in 
Deutſchland fortfahren beinahe wie im tiefſten Frieden. Zu 
meiner großen Freude erſehe ich, daß das Inſtitut auch in dieſem 
Jahre imſtande iſt, ſeine Pſychologiſchen Veröffentlichungen her- 
aus8zugeben. Die Siege der deutſchen Heere erwe>en Bewunde- 
rung, aber ebenſo iſt e8 ein Beweis der Willen8kraft und der 
geiſtigen Energie de8 deutſchen Volkes, daß troß des großen 
Krieges die wiſſenſchaftliche Arbeit fortbeſtehen kann. Wir 
wollen hoffen, daß die Welt durch die deutſchen Siege bald 
wieder Frieden bekommt, und zwar für lange Zeit! 
„Manuel dn Chretien“. Im „Börſenblatt für den Deutſchen 
Buchhandel“, Nr. 207 vom 7. September 1915, S. 5130, zeigt 
die Bonifaziu3-Druckerei in Paderborn als „neu und höchſt 
empfehlenS3wert“ an: „Manuel du Chräetien“.. 
„Das vortreffliche Andachtsbüchlein iſt in tadelloſer franzöſiſcher 
Sprache verfaßt und wird allen Katholiken, die dieſer Sprache 
müchtig ſind, ſehr willkommen ſein. Die Erfahrung lehrt, daß 
das Beten in fremder Mundart für jeden, der dieſe 
beherrſcht, für die Andacht eher fördend als hin- 
dernd iſt. ... Ganz beſonder3 eiguet es ſich für die Schüler 
und Schülerinnen höherer Lehranſtalten als Andacht3büchlein.“ 
empfohlen werden. 
 
Anszug aus dem Stiellenvermittlungsregiſter des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins. 
Zentralleitung: Berlin W 62, Bayreuther Stroße 38, Gartenhaus pt, , Telephon- Amt Kurfürſt 2415. 
1. Zum 1. Oktober ſucht gröüfliche Familie, Medlenburg, für 
einen Knaben, 10, ein Mädchen, 7*/5 Jahre alt, eine evan- 
geliſche geprüfte Lehrerin mit etwas Erfahrung. Sehr ex- 
wünſcht ſind Lateinkenntniſſe. Gehalt nach Übereinkunft. 
2. Zum 1. Oktober ſucht adlige Familie, Prov. Sachſen, für 
ein 13jähriges Mädchen eine evangeliſche, für höhere Schu- 
len geprüfte Lehrerin mit etwas Erfahrung und Muſik- 
kenntniſſen. Gehalt 1000 4 und freie Station. 
3. Zum 1. Oktober ſucht gräfliche Familie, Brandenburg, für 
zwei Knaben, 12 und 8, ein Mödchen, 10 Jahre alt, eine 
evangeliſche geprüfte Lehrerin mit Lateinkenntniſſen. Ges- 
halt nach Übereinkunft. 
4. Zum 1. Oktober ſucht adlige Familie, Pommern, für zwei 
Knaben, 10 und 6 Jahre alt, eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit etwas Erfahrung und Lateinkenntniſſen (Sex- 
ta). Gehalt nach Übereinkunft. | 
5. Zum 1. Oktober ſucht gräfliche Familie, Oſtpreußen, ſür 
ein Mädchen 9, zwei Knaben, 10 und 7 Jahre alt, eine 
evangeliſche geprüfte Lehrerin, Latein Bedingung. Gehalt 
1000 4 bei freier Station. 
6. Zum 1. Oktober ſucht Oberförſters8familie, Pommern, für 
zwei Mäd<hen, 11 und 9, und einen Knaben, 8 Jahre alt, 
eine evangeliſche geprüfte Lehrerin mit mehrjähriger Un- 
terricht3erfahrung. Gehalt nach Übereinkunft. 
 
7. Zum 1. Oktober ſucht freiherrliche Familie, Schleſien, für 
zwei Mädchen, 12 und 13 Jahre alt (eine Unterrichtsſtufe), 
eine evangeliſche geprüfte muſikaliſche Lehrerin mit etwas 
Erfahrung. Gehalt 1200 4 und freie Station. 
3. Zum 1. Oktober ſucht adlige Familie, Oſtpreußen, für 
zwei Mädchen, 14 und 11 Jahre alt, eine evangeliſche ge- 
prüfte Lehrerin mit Sprac<h- und Muſikkenntniſſen. Ge=- 
halt bei freier Station 1200 4. 
9. Zum 1. Oktober ſucht adlige Familie, Pommern, für zwei 
Knaben, 92/, und 8, ein Mädchen, 7 Jahre alt, eine evan- 
geliſche, für höhere Schulen geprüfte Lehrerin mit etwas 
Erfahrung. Sehr erwünſcht find Lateinkenntniſſe. Gehalt 
nach Übereinkunft. 
Zum 1. evtl. 15. Oktober ſucht adlige Familie, Pommern, 
für drei Mädchen, 12, 8 und 7 Jahre alt, eine evangeliſche 
geprüfte Lehrerin mit Muſikkenntniſſen. Gehalt 1000 4 
bei freier Station. 
Zum 15. Oktober ſucht adlige Familie, Oſtpreußen, für ein 
11 jähriges Mädchen eine evangeliſche geprüfte Lehrerin 
mit etwas Erfahrung und Muſikkenntniſſen. Gehalt bei 
freier Station 720 4. 
. Zum 15. Oktober ſucht Gutsbeſißers8familie, Prov. Sach- 
ſen, für zwei Mädchen, 8 und 7, einen Knaben, 6 Jahre, 
eine evangeliſche, für Höhere Schulen geprüfte Lehrerin 
mit etwas Erfahrung. Gehalt bei freier Station 800 4. 
10. 
11. 
Die Adreſſen der Lehrerinnen und Stellen dürfen nicht weitergegeben werden, 
Bedingungen für den Nachweis der Stellen verſendet die 
Zentralleitung der Stellenvermittlung des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt. 
Tel. - Amt Kurfürſt 2415. 
Sprechſtunden wochentag8 von 12 --3 Uhr, Sonnabends 11--1 Uhr. 
Beitrittserklärungen ſind an die Geſchäftsſtelle des Vereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt., zu richten. 
Die Stellenvermittlung für akademiſch gebildete Lehrerinnen iſt jeht mit der Zentralleitung, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, 
Gartenhaus pt. (Sprechſtunde von 12--3 Uhr, Sonnabends von 11-1 Uhr) vereinigt,
	        

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