Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

felbe erfahren haben, dankbar anerkannt iſt. Im übrigen ſei 
in dieſem Zuſammenhange bemerkt, daß es mit Rücſicht auf 
die Höhe der ſpäteren Rente freilich vorteilhaft iſt, die Bei- 
träge immer in voller Höhe zu zahlen. Die Anwartſchaft 
auf die Rente wird aber ſchon aufrechterhalten (nach 
8 49 AVG.), wenn innerhalb der auf das Eintrittsjahr fol- 
genden zehn Kalenderjahre mindeſtens acht Beitrag3monate 
während eine3 Kalenderjahres zurückgelegt (alſo acht MonatSs5- 
beiträge gezahlt) ſind. Selbſtverſtändlih muß die Zahlung 
für mehr al8 a<t Monate erfolgen, wenn der Verſicherungs 
pflichtige in mehr als a<t Monaten während des Kalender- 
jahres tätig geweſen iſt und in dieſer Zeit Einnahmen aus 
ſeinem Berufe gehabt hat. In Krankheit3zeiten, die dur< Be- 
ſcheinigungen nachzuweiſen ſind (8 54 AVG.), kann die Zah- 
lung der Beiträge unterbleiben; denn e38 können für die Auf- 
rechterhaltung der Anwartſchaft (nicht für die Rentenberech- 
nung) diejenigen Kalendermonate als Beitrag38monate ange- 
rechnet werden, in denen der Verſicherte wegen einer Krank- 
heit zeitweiſe arbeit3unfähig und nachweislich verhindert ge- 
weſen iſt, ſeine Berufstätigkeit fortzuſezen (8 51 AVG.). 
In bezug auf die Verſicherungs3pflicht iſt daran zu er- 
innern, daß ſol<he Lehrer und Lehrerinnen, die an öffent=- 
lichen Schulen nur vertretungsweiſe beſchäftigt wer- 
den, verſicherungspflichtig ſind, falls ihnen nicht eine Anwart- 
ſchaft auf feſte Anſtellung mit Penſionsberechtigung gewähr- 
leiſtet iſt. 
Heilverfahren: 
Im Jahre 1914 ſind 146 Anträge auf Einleitung des 
Heilverfahrens eingegangen, von denen 19 abgelehnt wurden. 
' E53 ſind alſo 87 % ſämtlicher Anträge berückſichtigt. Auch hat 
die Penſions3anſtalt im lezten Jahre noc< in 63 Fällen ge- 
holfen, in denen die betreffende LandesSs8verſicherungsanſtalt 
ihre Mitwirkung ablehnte. Wir denken aber ſelbſtverſtändlich 
nicht daran, aus dieſen Tatſachen den Schluß zu ziehen, daß 
die Leiſtungen der Penſionsanſtalt diejenigen anderer An- 
ſtalten überträfen. Es iſt eben unmöglich, hier einen richtigen 
Vergleich anzuſtellen, da jeder Fall anders liegt und beſonders 
geprüft und entſchieden werden muß. Am wenigſten darf 
man auf die Leiſtungsfähigkeit und Leiſtungswilligkeit einer 
Anſtalt ſchließen, indem man aus der Menge der Fälle einen 
einzelnen Fall herau3snimmt und verallgemeinert. 
Die oben erwähnten Ablehnungen hatten u. a. den Grund, 
daß die Gefahr des ECEintretens der Berufsunfähigkeit nicht 
nachgewieſen werden konnte, oder daß die Antragsſtellerinnen 
ihrerſeits nach eigenem Ermeſſen einen Kurort aufgeſucht hat- 
ten und hinterher die Übernahme des Heilverfahren3 ſeitens 
der Penſion3anſtalt erbaten. Demgegenüber iſt zu bemerken, 
daß die Einleitung des Heilverfahrens (alſo die Wahl 
des Kurortes, der Heilanſtalt) lediglih Sache der Ver- 
ſiherungsanſtalt iſt, wenn auch dabei Wünſche der Ver- 
ſicherten und Vorſchläge de38 behandelnden Arztes nach Mög- 
lichfeit berüdſichtigt werden. Für das Heilverfahren wurden 
in 127 Fällen 18071,30 4% aufgewendet. 
Aus den Vereinen. 
Verein Schöneberger Lehrerinnen. 
Der Werein Schöneberger Lehrerinnen faßte in der dies3- 
jährigen Generalverſammlung Beſchlüſſe über die Verwen- 
dung der von den Mitgliedern als Kriegshilfe gezahlten Ge= 
haltSabzüge. Von den im Juli bis September geſammelten 
Beiträgen ſollen für die wieder ins Feld ziehenden Krieger 
Wollſachen und Wäſche angeſchafft und der betreffenden Sam- 
melſtelle übermittelt werden, da an dieſen Gegenſtänden gro- 
ßer Bedarf herrſcht. -- Außerdem beſchloß der Verein, dem | 
„Bund der Bodenreformer“ beizutreten, der die Erreichung 
eines Krieger-Heimſtättengeſezes anbahnt. =- Die Kriegs3- 
hilfe des kommenden BVierteljahres wird für die Krieg3- 
blinden beſtimmt. Der Verein hat ſich auc<h diesmal wieder 
an der Zeichnung der dritten Kriegsanleihe beteiligt. 
€ 
30. April folgende Bewegung: 
 
Ausſchuß für Sc<ulrefornmi. 
Der Ausſ<huß für Schulreform veranſtaltet im Oktober 
einen Kurſus für Arbeitsunterricht auf: der Mittelſtufe. In 
Ausſicht genommen ſind folgende Übungen: 
1. Anſchauung: Die Uhr. 
2. Rechnen: Der Maßſtab. 
3. Heimatkunde: Einführung in die Karte. Vom Sand- 
Faſtenrelief zur Landkarte. 
4. Anſchauung: Vom Kienſpan zur Lampe oder: Vom 
Kohlenmeiler zur Zentralheizung. 
5. Naturgeſchichte: Beſprechung eines Tieres. 
Die Übungen finden ſtatt am 15., 20., 22., 27. und 29. Ok- 
tober von 5--7 Uhr. 
Änderungen bleiben vorbehalten. Preis für den ganzen 
Kurſus für Mitglieder des L.P.V. 3 4%, für Nichtmitglieder 
4 4, für den einzelnen Nachmittag für Mitglieder 0,75 H, 
für Nichtmitglieder 1 4%. 
Anmeldungen erbeten an die Vorſigende E. Schäfer, 
Friedenau, Fregeſtr. 9. 
Um dem fühlbaren Mangel an geeignetem Kriegsleſeſtoſf 
für die erſten zwei bzw. drei Schuljahre abzuhelfen, hat der 
Ausſ<huß für Schulreformim LandesvereinPreu- 
ßiſcher Volksſ<ullehrerinnen ſich mit dem Verein 
für ſoziale Ethik und Kunſtpflege, 8W. 61, Lankwißſtr., in 
Verbindung geſezt. Der Verein läßt daraufhin im Oktober 
ein Sonderhefthen der Zeitſchrift „Hänſel und Gretel“ ex- 
ſcheinen. Es iſt mit feſtem Umſchlag und Bildjc<mucd ver- 
jehen, 20 Seiten ſtark und koſtet 0,10 4%. 
Berufsberatung. 
Der zweite Bericht 
der Zentrale für Berufsberatung und Lehrſtellen- 
vermittlung weiblicher Abteilung in Hamburg 
enthält eine Fülle lehrreichen Material8, das zur Durch- 
forſchung und zum Vergleich mit den Erfahrungen anderer 
Beratungsſtellen auffordert. 
Die Arbeit gliedert ſich in folgende Gebiete: 
1. Die Beratung der vor der Schulentlaſjung ſtehenden 
Mädchen der verſchiedenen Schularten = in Ab- 
teilung A der Volksſchule, in Abteilung B aller an- 
deren Sculen. 
2. Die Beratung derer, die erſt Jahre nach der S<ul- 
entlaſſung einen Beruf ergreifen wollen -- in Ab- 
teilung C. 
3. Die Vermittlung von Lehrſtellen: in Abteilung D 
für handwerkliche und gewerbliche, Abteilung E für 
faufmänniſche Lehrſtellenvermittlung, Abteilung PV für- 
Hausanfangsjtellen. 
Die „„Berufsberatungsſtelle für Frauen und Mädchen“, die 
am 1. Januar 1913 ins Leben trat und dem Kartell der Aus- 
kunftſtelle für Frauenberufe angeſchloſſen iſt, iſt ſeit dem 
18. Januar 1915 verbunden mit einer Lehrſtellenver- 
mittlung, die ihr Entſtehen =- oder vielmehr die Be- 
ſchleunigung ihrer ſchon länger geplanten Bildung =- den 
Erfahrungen des Krieges dankt, da die Berufsberatungsjtelle 
ſich ſeit dem 1. September 1914 ganz beſonders eingehend 
mit der Frage beſchäftigte, auf welche Weiſe die zu Oſtern 
1915 au3 der Schule entlaſjene weibliche Jugend in geordnete 
Lehr= 
Die Lehrſtellenvermittlung zeigte vom 158. Januar vis 
und Arbeitösverhältnijſe zu bringen jei. 
 
Offene Beſetzte 
Bewerberinnen Lehrſtellen Lehrſtellen 
Handwerk . . uu . 207 114 77. 
Gewerbliche Berufe . . . . 23 13 2 
- Kontor und Verkauf. . . . 169 90 43 
Hausanfangsſtellen . ». u 1037 ca. 400 381 
Insgejamt 1446 ca. 617 503 
Aus den vielen bemerkenswerten Erhebungen, die im Be- 
„richt zuſammengeſtellt ſind, ſei nur noh die eine herange
	        

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