Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

. Gz 
ge Höherverſicherung der Angeſtellien. 
- Von Lenfried Dieffenbah, 
Beamter der Reichöverſicherungz3anſtalt für Angeſtellte. 
In Zeiten ſchlechten Verdienſtes, wie ſie der Krieg mit jich 
gebracht hat, entſteht oft die Befürchtung, daß die kleinen Bei- 
träge auch auf die ſpäteren Leiſtungen aus der Angeſtellten 
verſicherung drücen. Dem kann aber durc eine freiwillige 
Zahlung höherer Beiträge, als wie jie das Geſeß unbedingt 
verlangt, abgeholfen werden. Der Rentenausſchuß hat über 
dieſe Fragen jezt ein Merkblatt veröffentlicht, dem wir fol- 
gendes entnehmen: . | | 
Nach 8 19 Abſ. 1 des Verſicherungsgeſezes für Angeſtellte 
kann ein Angeſtellier bis zum vollendeten 25. LebenS3jahr 
in eine höhere Gehaltsklaſſe, al8 der Höhe ſeine3 Jahre3- 
arbeit3verdienſtes entſpricht, übertreten. Bei der dur den 
Arbeitgeber erfolgenden erſten Beitragsentrichtung iſt eine 
Anzeige der Gehaltsklaſſe, in welche der Angeſtellte ein- 
zutreten beabjichtigt, ſowie eine Geburtöurkunde einzureichen. 
Der Übertritt in eine höhere Gehaltsklaſſe gemäß 8 19 Abj.1 
fann gleich beim Beginn einer verſicherungspflichtigen Be- 
Ihäftigung geſchehen. 
Nach 8 19 Abſ. 2 kann ein Angeſte:lter, der in eine ver- 
ſicherungspflichtige Beſchäftigung mit geringerem Entgelt, 
als ſeiner bisherigen Gehaltsklaſſe entſpricht, eintritt, in 
ſeiner bisSherigen Gehaltsklaſſe bleiben, falls er mindeſtens 
ſechs Beitrag3monate in der höheren Gehaltsklaſſe auf Grund 
der Verſicherungspflicht zurückgelegt hat. Ein Angeſtellter 
hat 3. B. bis zum 1. Januar 1915 der Klajje 1 (4000 bis 
5000 44) angehört und in ihr ſechs Monatsbeiträge ents- 
richtet. Vom 1. Januar 1915 ab ſinkt ſein Gehalt auf 2400 
Maxk. Nach 8 19 Abſ. 2 kann er freiwillig die Beiträge 
der Klaſſe G, U :odev I entrichten, auch wenn er das 25. Le- 
bensjahr bereits vollendet hat. Hat er jechs Beitragsmonate 
in der Klaſſe U und dann weitere drei Monate in der Klajſc1 
zurücgeiegt, jo kann er, wenn fich ſein Gehalt auf 2400 /6 
verringert, die Verſicherung höchſtens in der Klaſſe U fort- 
ſezen. Die freiwillige Höherverſicherung gemäß 8 19 Abj.1 
und 2 iſt. nur im Falle der Pflichtverſicherung möglich. Da- 
gegen iſt die freiwillige Weiterverſicherung höchſtens in der- 
jenigen Gehaltsklaſſe zuläſſig, die dem Durchſchnitt der leßten 
ſechs Bflichtbeiträge entſpricht oder am nächſten kommt. 
Die bei der freiwilligen Höherverſicherung geleiſteten 
Beiträge der höheren Klaſſe ſind als auf Grund der Verjiche- 
rungspflicht geleiſtet anzuſehen. Die für die freiwillige Ber- 
ſierung vorgeſehene Verlängerung der Wartezeit um dreißig 
Beitragsmonate tritt alſo im Falle einer freiwilligen Höher- 
verſicherung nicht ein. Die freiwillige Höherverſicherung 
nach 8 19 Abſ. 1 und 2 kann nicht mit rüd>wirkender 
Kraft erfolgen. Die freiwillige Höherverſicherung nach 819 
Abf. 1 und 2 ift, wenn ihre Vorausſezungen erfüllt ſind, 
nicht von einer beſonderen Genehmigung der Reichsverjiche- 
rungsanſtalt oder des Arbeitgebers abhängig. Auch im Falle 
der freiwilligen Höherverſiherung nach 8 19 Abſ. 1 und 2 
hat der Arbeitgeber, der den Verſicherten beſchäftigt, für 
ſic und ihn die Beiträge an die Reichsverſicherungz3anſtalt 
abzuführen, indem er in der Überſicht darlegt, welches der 
geſezliche und welches der freiwillige Teil der Beitragsjumme 
iſt. Der Angeſtellte muß ſich aber nicht nur die Hälfte 
des Beitrags ſeiner geſeßlichen Gehaltsklaſſe, ſondern auch 
den ſich durch die Höherverſicherung ergebenden Mehrbetrag 
vom Gehalt-abziehen laſſen, es ſei denn, daß er die Ber- 
ſicherung in der höheren Gehaltsklaſſe mit dem Arbeitgeber 
vereinbart hat. Wenn ſich zum Beiſpiel ein Angeſtellter 
mit einem Gehalt von 2400 4 (Klaſſe FX monatlicher Bei- 
trag: 13,20 K&) freiwillig in der Klaſſe I (Monatsbeitrag: 
26,20 4) verſichert, ſo entfällt auf den Arbeitgeber die 
Hälfte des. Beitrages der Klaſſe FV, alſo 13,20:2 = 6,60 H. 
Der Angeſtellte hat dagegen zu tragen; | 
Die freiwilli 
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etzinmend 
a) die andere Hälfte des geſeßlihen Beitrags, alfo 
6,60 %, 
b) den ſich aus der Höherverſicherung ergebenden Mehr- 
betrag (26,60 4 -- 13,20 4) =13,40 H, 
er hat ſich alſo vom Gehalt abziehen zu lajſen 6,60 46 und 
13,40 4 = 20 4. 
Wenn ein Angeſtellter auf Grund einer privaten Leben3- 
verſicherung gemäß 8 390 von der eigenen Beitragsleiſtung 
-- da3 heißt: von der ihm obliegenden Beitrag3hälfte be- 
freit iſt, ſo kann er gemäß 819 Abſ. 1 oder 2 freiwillig derart 
in eine höhere Gehaltsklaſſe übertreten, daß auch in dieſer 
nur die Arbeitgeberbeitrag3hälfte entrichtet wird. Der Ar- 
beitgeber kann dann den ſeine geſeßliche Verpflichtung zur 
Beitragsleiſtung überſteigenden Mehrbetrag vom Gehalt ab- 
ziehen, wenn nicht die Höherverſicherung beſonders vereinbart 
iſt. Wenn in dem zulezt erwähnten Beiſpiel der Ange- 
ſtellte von der eigenen Beitragsleiſtung befreit iſt, jo hat der 
Arbeitgeber an die Reichsverſicherungösanſtalt für Angeſtellte 
den halben Beitrag der Klaſſe I, alſo 13,30 4, abzuführen, 
er fann aber dem Angeſtellten den ſich aus der freiwilligen 
Höherverſicherung ergebenden Mehrbetrag 13,30 -- 6,60 == 
6,70 4 vom Gehalt abziehen. Von einer freiwilligen Höher- 
verſicherung kann jederzeit Abſtand genommen werden. Eine 
Erhöhung der geſeßlichen Leiſtungen läßt ſic auch durch 
- die Abkürzung der Wartezeit mittels Einzahlung der ent- 
ſprechenden Prämienreſerve erreichen. 
Infolge des Krieges haben ſich die Angeſtellten vielfach 
eine erhebliche Herabſezung ihrer Gehälter gefallen laſſen 
müſſen. Naturgemäß ſind dann auch die Arbeitgeber nur 
zur Entrichtung der entſprechend niedrigen Beiträge verpflich- 
tet. Dieſe Minderung der Beiträge in den jetzigen erſten Ver- 
ſicherung3jahren macht ſich bei der Feſtſezung der Leiſtungen 
für die Verſicherten inſofern beſonders unangenehm bemert- 
bar, als gerade die Summen der in den erſten 120 Beitrag3- 
monaten gezahlten Beiträge zu einem Viertel und die der 
ſpäteren Beiträge nur zu einem Achtel ſpäter das jährliche 
Ruhegeld ausmachen. 
Die Verſicherten haben daher an möglichſt hohen Anſangs- 
beiträgen das größte Intereſſe und tun gut, dafür zu jorgen, 
daß jie auch bei einer Gehaltsminderung in der ſeitherigen 
Beitragsklajſe bleiben. 
Da3 gilt auch inbeſondere für zum Krankenpflegedienſt 
einberufene Verſicherte, für die die Arbeitgeber niedrige 
Pflichtbeiträge weiterzahlen müſſen, wenn ſie ihnen eine kleine 
Unterſtüßung gewähren. In all dieſen Fällen ſollten die Ver- 
ſicherten, ſoweit es ihre Mittel irgend erlauben, von dem 
Recht der freiwilligen Höherverſicherung Gebrauch machen. 
Volksbibliotheken. 
Beratungsſteilen. Zentrale. 
Bereit3 im Jahre 1913 hatte der Kultusminiſter von Trott 
zu Solz die Bedeutung der Volksbibliotheken, inſonderheit 
der Kreiswanderbibliotheken, hervorgehoben. Aus dem be- 
treffenden Erlaſſe ſollen hier einige Stellen wiederholt 
werden, die praktiſ<e Anweiſungen für Ausgeſtaltung des 
Bibliothekweſen3 in einfachen Verhältniſſen =- namentlich auf 
dem Lande -- enthalten: | 
„Bei der zunehmenden Ausbreitung de3 Volksbibliotheken- 
weſen3 dürfte ſich nach den bisherigen Erfahrungen das VBe- 
dürfnis einer ſachfundigen Beratung für die Einrichtung und 
die Verwaltung der Bibliotheken in wachſendem Maße fühl- 
bar machen. Es wird daher zu erwägen ſein, ob nicht die Cin- 
richtung der öffentlichen Beratungsſtellen für Volksbiblio- 
thefen, wie ſie zurzeit in einigen Bezirken beſtehen, weiter 
auszudehnen und auszugeſtalten ſei. Im allgemeinen dürfte 
es genügen und auch dem zentralen Charakter der Beratungs- 
ſtellen am meiſten eniſprechen, wenn für jeden Negierungs- 
bezirk eine ſolche Stelle beſteht. In erſter Linie werden für 
die Tätigkeit in dieſen Stellen möglichſt fachmänniſch ge-
	        

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