Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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vierſtellige von Mönkemeyer 19). Sie ſind beide äußerſt praktiſch 
in der Anordnung. Für den Schulgebrauch bevorzugt man 
jeht vielfach die vierſtelligen Tafeln. Die handlichen, überſicht- 
lichen Tafeln von Mönkemeyer ſind für ſolche Zwe>e empfehlens- 
wert. 
Nach dem öſterreichiſchen Lehrplan beginnt der Unter- 
richt in der Geometrie, entſprechend der großen Bedeutung, 
die mait ſeit langem in Deutſchöſterreich wie in Süddeutſchland 
dem geometriſchen Zeichnen und Darſtellen beimißt, zwei Jahre 
früher als bei uns und auch zwei Jahre eher als der Arith- 
metikunterricht. Man arbeitet in den zur Verfügung ſtehenden 
ſecs Jahren den geometriſchen Stoff zweimal durch. Die 
ivichtigſten Ergebniſſe aus der geſamten elementaren Geo- 
metrie werden in zwei Jahren behandelt; ſtets werden ebene 
und räumliche Geometrie „zuſammengeſtellt, eine Verbindung, 
die ich im „Intereſſe der Raumanſchauung für ſehr weſentlich 
und fruchtbar halte, und die man bei uns nicht nur im Anu- 
fangsunterricht, ſondern auch ſpäter bei jeder Gelegenheit ſuchen 
ſollte. Die Behandlung des Stoffes iſt in den mir vorliegen- 
den Lehrbüchern 22) 21) durchaus propädeutiſch. Nirgends findet 
ſich ein durchgeführter „Beweis. Alle Säße werden aus der 
Anſchauung gewonnen auf eine häufig an Treutlein erinnernde 
Art. Der geſamte Stoff der ebenen und räumlichen Geometrie 
wird dann unter dem Geſichts8punkt der Berec<nung noch 
einmal durdgearbeitet. Auch hier wird in den Lehrbüchern 
beſchrieben, aus der Figur abgeleitet. Der Lehrſtoff umfaßt 
für die oberſte Klaſſe noch eine Einführung in die Trigono- 
metrie. Beide Werke ſind für die in Öſterreich gebräuchliche 
Methode brauchbar, wenn auch für unſeren Geſchmac> etwas 
zu wortreich. Die Arithmetik führt bis zur ZinſeSzinSrechnung 
und den Logarithmen. Das Werk von Suppantſchitſc< gibt 
eine gute Einführung in die Rechnung mit Buchſtaben und 
relativen Zahlen. Durch alle vier Bände hindurch kommt das 
Rechnen ſtark zu ſeinem Recht. 
Einzelanzeige. 
Mütterlichkeit. 
Von Eliſabeth Gnau>-Kühne. 
Dieſen lo>kenden Titel führt ein Buch von Anton Heinen, 
einem prafktiſcen Jugend- und Bolks3erzieher (Bolksvereins3- 
Verlag M.-Gladbach, 1915. Preis 1,20 4%). Es iſt ein Buch 
aus der Zeit heraus geboren, denn der Verfaſſer ſagt: „„Wer- 
ven wir uns nicht rechtzeitig klar über die Schäden und Auf- 
gaben unſeres Volkes, ſo wird die ethiſche Wirkung des Krieges 
bald verwehen“, aber für alle Zeit geſchrieben, denn es packt 
mit der Mädchenerziehung ein Problem, das an Bedeutung 
für die militäriſche, wirtſchaftliche, kulturelle, ſittliche, religiöſe 
Zukunft unſeres Volkes keinem anderen nachſteht. Verfaſſer 
erfennt als Beruf und LebenSinhalt dex Frau, mithin als 
Aufgabe der Mädchenerziehung, die Mütterlichkeit. Die An- 
lage zur Mütterlichkeit liegt in jedem Mädchen und fann und 
muß entwidelt und ihm zum Bewußtſein gebracht werden. 
Auch die Ledigen, die nicht zur Mutterſchaft in natura gelangen, 
ſind zur Mütterlichkeit berufen. Der mütterlichen Lehrerin 
iſt ein ſc<önes Kapitel gewidmet. Mit der überkommenen 
billigen Redenszart von der Rezeptivität de8 Weibes bricht 
Verfaſſer, er ſieht in der Anlage zur Mütterlichkeit einen Born 
der Selbſtändigkeit und Tatkraft, der die Felder des Gemein- 
ſc<haft5leben38 bewäſſern ſoll. Auch im öffentlichen Leben mißt 
er der müttlihen Frau hohe Bedeutung zu. „Es gibt im 
öffentlichen Leben ſo viel Gelegenheit zu mütterlichem Wir- 
fen, daß wir ohne Heranziehung mütterlicher Frauen ſeiner 
19) Mönkemeyer, vollſtändige vierſtellige Logarithmentafel. 
Frankfurt a. M. 1913. 2 4. | 
20) Bergmeiſter-Duport, Lehrbuch der Geometrie für Mäd- 
IHhenlyzeen und verwandte Lehranſtalten. 3 Teile. Wien 1913. 
Geb. 2--2,40 Kr. 
21) Suppantſchitſ<, Mathematiſches Unterri<t5werk. Geo- 
metrie für Mädchenlyzeen von Emil Börner. 6 Hefte. Wien 
1913, 1914. Geb. 60 H. bis 1,40 Kx. Arithmetik für Mädchen- 
Iyzeen von Emil Börner. 6 Hefte. Wien 1913, 1914, Geb. 
1,10--1,80 Kr. 
 
Kulturaufgaben auf die Dauer nicht Herr werden können“ 
(S. 96) und: „Schafft aber da8 Weib aus tiefer mütterlicher 
Geſinnung Kulturwerte für die Geſamtheit, dann wird auch 
die Frucht jeines Wirkens in der Geſamtheit ſich gleichſam 
verewigen, dann wird Deutſchland für eine große Kultur- 
miſſion befähigt in dex Welt dank dem mütterlichen Walten 
von Deutſchlands Frauen“ (S. 99). Von der Rückkehr zur 
Freude am Kinde erhofft der Verfaſſer auch eine Steigerung 
der Weburtenziffer. Zart, aber freimütig erörtert er die Be- 
ziehungen der Geſchlechter und findet beherzigen38werte Worte 
über die Sexualerziehung. Das Buch gehört in die Hand des 
Vaters, der Mutter, der Lehrerin, der erwachſenen Ledigen, 
der e8 -- und das iſt nicht ſein geringſter Vorzug =- einen 
reichen LebenSinhalt aus der Wirklichkeit für die Wirklichkeit 
zeigt. 
Kleine Anzeigen. 
Dem Andenken eines mit 16 Jahren gefallenen Kriegsfrei- 
willigen hat ſeine Mutter ein ſinniges Denkmal geſeßt, indem 
ſie Märchen ?) veröffentlichte, die ſie ihm früher erzählt und 
an denen er ſeine Freude gehabt hat, ſchlichte, ungekünſtelte 
Kindermärchen, in denen im echten Märchenton von verzau- 
berten Prinzen und Prinzeſſinnen und ihrer Erlöſung gehandelt 
und dabei der Sieg der Güte und Reinheit über das Böſe 
der Welt verkündet wird. Sie werden auch weiteren Kinder=- 
kreiſen Freude bereiten und ſeien daher beſtens empfohlen. 
Ebenfalls warme Empfehlung verdient das Büchlein Dorf- 
heimat 2), das den ſächſiſchen Tondichter Franci8cu8 Nagler zum 
Verfaſſer hat, der bi8her hauptſächlich durch Kirc<enmuſiken und 
Vertonungen von Kinderliedern und Kinderſpielen bekannt ge- 
worden iſt. Hier gibt er ſich als ein gemütvoller, launiger 
Erzähler, der das Glü> einer in geſunden, ſchlichten länd- 
lichen Verhältniſſen und im Umgange mit der Natur ver- 
brachten Jugend in Hellſtes Licht zu ſezen weiß und damit 
gerade dem Jugenderzieher viel zu ſagen hat. Als ein Lied 
der Heimatliebe dürfte das Büchlein ſich vielleicht auch zu 
Gaben an Lazarette für die Krieger, die draußen für die Heimat 
gekämpft haben, gut eignen. TI. O. 
Zur Angeſtelltenverſicherung. 
Berechnung 
des verſiherungspflihtigen Jahresarbeitsverdienſtes. 
Der Rentenausſc<uß Berlin der Angeſtelltenver» 
ſicherung hat, wie der Berliner Ortö3ausſchuß der Ver-= 
trauenS8männer (Floitwellſtr. 4 1, Zimmer 5, Sprechſtunde DienZ3- 
tags, Donners8tags8, Sonnabend3 1--3 Uhr) mitteilt, kürzlich 
eine intereſſante Entſcheidung über die Berechnung des Jahres- 
arbeitsverdienſtes eines verſicherungspflichtigen Angeſtellten ge- 
woſfen. Nach 8 2 des Verſicherungs8geſeßes8 für Angeſtellte iſt 
nicht nur das Bargehalt verſicherungs3pflichtig, ſondern 
anch Gewinnanteile, Sach- und andere Bezüge, ſo- 
weit ſie für den Angeſtellten einen wirtſchaftlichen Vorteil be- 
venten. In dem vorliegenden Streitverfahren war dem An- 
geſtellten neben ſeinem Gehalt ein Anſpruch auf Ruhegeld 
vertragsmäßig gewährleiſtet, ohne daß er Beiträge zu zahlen 
batte. Nac<g Einführung des Angeftelltenverſicherung3-Geſeße3 
bat die Bank mit dem Angeſtellten vereinbart, daß ſie auch 
die auf ihn entfallende Beitrags3hälfte trägt, wogegen jener 
in Höhe des ihm gegen die Reichö8verſicherungs8anſtalt für 
Angeſtellte zuſtehenden Anſpruches auf Rente auf ſeinen Ruhe- 
gehalt3anſpruch gegen die Arbeitgeberin verzichtet. Der Renten- 
ausſchuß hat entſchieden, daß die von der Arbeitgeberin Über- 
nommenen Beiträge zur Angeſtelltenverſicherung dem Gehalt 
des Angeſtellten zuzurechnen ſeien. 
1) Dora Kollmann, Was ich im Walde geträumt. Deutſche Ver- 
lagsanſtalt, Stuttgart. 1,50 4. . 
2) Dorfheimat. Bilder aus einer Knabenzeit. 
Von Franeceiscus 
Nagler. Meißen, Albert Buchheim. 1,20 X. |
	        

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