Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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bildete Bibliothekare in Ausſicht zu nehmen ſein, die ſich in 
dem Bibliothekenweſen des Bezirkes an einer leitenden Stelle 
beſonder8 bewährt haben und zugleich in der Lage ſind, 
eine ſolc<e Tätigkeit neben ihrem Hauptamt ausüben zu 
können. Daneben dürften jedoch auch aus weiteren Kreiten 
geeignete Perſönlichkeiten =- und zwar auch Frauen -- 
heranzuziehen ſein, die in enger Fühlung mit dem Leben 
der Bevölkerung ſtehen und über die Bildungsbedürfniſſe 
de3 Volkes wie anderſeits auch über Art und Wert der au3- 
zuwählenden Bildungs3mittel ein ſicheres Urteil haben. Jc<h 
jeze vorau8, daß dabei auch die Kreiſe der kommunalen 
Verwaltungsbeamten ſowie die der Geiſtlichen und der Lehrer 
genügend berüdſichtigt werden. Wenn cs ſich ermöglichen 
läßt, die Beratungsſtellen in der angedeuteten Weiſe au8- 
zubauen, ſo dürften damit in den Regierungsbezirken zweck- 
mäßig zuſammengeſezte Beiräte für das BVolksbibliotheken- 
weſen geſchaffen ſein ; und es iſt anzunehmen, daß eine der- 
artige Organiſation der beratenden Stellen auf die tveitere 
Entwicklung der Volksbibliotheken, deren außerordentliche 
Bedeutung für die erziehlice Einwirkung auf das WVolk3- 
leben immer mehr zutage tritt, einen günſtigen Einfluß 
ausüben würde. Gegebenenfall38 würde ich nach Maßgabe der 
verfügbaren Mittel bereit ſein, für den in Rede ſtehenden 
Zwe> angemeſſene Beihilſen zu gewähren.“ 
Auf dieſe Beſtimmungen nimmt ein neuer Erlaß des 
Miniſter8 aus dem Jahre 1915 bezug. Derſelbe berück- 
ſichtigt die Hemmungen und Störungen, die dem VolkSbil- 
dungsweſen unter dem Einfluß des Krieges entſtehen, wünjcht 
indeſſen . keine weſentliche Einſchränkung der jegenSreichen 
Beſtrebungen und weiſt beſonders auf die Vorbereitungen zu 
einer Zentralſtelle für Volksbibliotheken hin. 
„Fn den lezten Jahren ſind auch mehrfach Wünſche nach 
Einrichtung einer Zentralſtelle für das Wolksbibliotheken- 
weſen hervorgetreten. Der Wert einer jolchen Zentralſtelle 
-- die ſelbſtverſtändlich im Hinbli> auf den Charakter und 
die Aufgaben des Volksbibliothekenweſens keine ſtaatliche Ein- 
richtung ſein könnte dürfte kaum zu bezweifeln jein; es 
könnte durch ſie ein Austauſch von Erfahrungen und Kennt- 
niſſen herbeigeführt werden, der eine zwedmäßige Entiick- 
lung der WBolfksbiblioihefen weſentlich erleichtern und be- 
ſonders auch vor manchen fehlerhaften und fruchtlojen Ber- 
juchen ſowie vor einſeitigen Maßnahmen und Beſtrebungen 
bewahren könnte. In Leipzig iſt eine „Zentralſtelle für 
volfstümliches Büchereiweten“ kürzlich im Anſchluß an die 
ſtädtiſchen Bücherhallen gegründet worden (ſ. „Blätter für 
Volksbibliotheken und Leſehallen“ 1914 S. 139). Für Proii- 
ßen iſt die Einrichtung einer derartigen Stelle von der 
durch Allerhöchſten Erlaß vom 18. März v. Js. geneh=- 
inigten. „Jubiläumsſtiſtung für Erziehung und Unterricht“ 
(Zentralbl. 1914 S. 367) in Ausſicht genommen. Die ge=- 
naunte Stiftung trägt keinen amtlichen Charakter; ich bin 
jedoch bereit, etwaige Anregungen und Wünjche für die Or- 
ganiſation und die Tätigkeit der in Rede ſtehenden Zentral 
ſtelle zur Kenntnis des Vorſtandes der Stiftung zu bringen. 
I< ſtelle ergebenſt anheim, zu der Angelegenheit auch einige 
auf dem Gebiete des Volksbildungswejen3 hervorragend tä- 
tige und bewährte Perſönlichkeiten zu hören.“ 
 
Aus den Vereinen. 
Quittung. Vom Verein Weſtfäliſ<er Lehrerinnen 
für höhere und mittlere Shulen ſind mir durc< Frl. 
Bartholomäus in Herne 100 XA zugegangen zur Unterſtüßung 
vom Kriege betroffener Kolleginnen an der Weſtgrenze. 
Namen3 des Elfaß-Lothringiſchen Lehrerinnenvereins ſag 
ich hierfür den wärmſten Dank. | 
Straßburg, im März 1915, Zornſtaden 12, 
TF. Rommel, 
Vorſipende des Elſaß - Lothringiſchen Lehrerinnenvereins. 
 
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„land. 
Literaturbericht. 
Kriegsliteratur,. 
Von Margarete Treuge. 
Karten und Anſc<auungsmaterial. 
Eine Reihe von neuen Kartenwerkfen (außer den ſchon in 
früheren Nummern angezeigten) vermittelt die geographiſche 
Kenntnis der Kriegsſchaupläße. 
An erſter Stelle iſt das Buch von Oppermann zu nen- 
nen, deſſen Text Gaebler 5 farbige Karten als Anſchauung3- 
material beigegeben hat.?) Wir werden nach Belgien, Oſt-= und 
Nordfrankreich, dem Nordſeegebiet, nach Oſtpreußen, Weſtruß- 
land, Galizien, Serbien und Montenegro geführt. Aus dem 
Text lernen wir -- als indirekte Vorbereitung auf da3 richtige 
Leſen der Generalſtabsberichte =- die Bodenbeſchaffenheit und 
Bewäſſerung, Landſchaften und Siedelungen, Bevöltferung, wirt- 
Ichaftliche und militäriſche Verhältniſſe ſowie die Geſchichte der 
betreffenden Länder kennen. Einzelne Abſchnitte ſind ganz be- 
jonders eindruck3voll, 3. B. „Zur Wertung Belgiens“ (S.3), 
Größe Rußlands (S. 50), Bevölkerung Rußlands (S.51); das 
Zahlenmaterial iſt ohne Überladung mit Einzelheiten gerade 
in ſeinen Angaben des Weſentlichen für Lehrer wie Schüler 
gleich verwendbar. Die Karten des durch ſeine muſtergültigen 
Atlanten bekannten Geographen bedürfen keiner beſonderen 
Empfehlung. 
Zu den vielen Schulwandkarten kommt eine neue der 
weſtlichen Kriegsſ<aupläße.?) Dieſelbe zeichnet ſich aus 
durc<4 ein Weglaſſen alles Nebenſächlichen und Hervorhebung 
ſtrategiſch wichtiger Punkte; ſie ermöglicht durc< den weißen, un- 
getönten Grund die handſchriftliche Eintragung neuer Ort5namen 
und iſt jomit ein wirfungsvolles Hilfsmittel für den Unterricht, 
der die Schüler zur Beobachtung des Fortgangs der kriegeriſchen 
Ereignijſe erziehen möchte. 
In ein Gebiet, das auch Bewohnern de3 weſtlicheren Deutſch- 
land jeßt befannt geworden iſt und die Schönheit der öſtlichen 
Provinzen in ſich ſammelt, führt uns der Führer von Marien- 
burg?) (Xr. 7 der „Nordoſtdeutſchen Städte und Landſchaften“), 
der uns mit dem Hochmeiſterbau zugleich ein Stück Geſchichte 
des Oſtens und mit dieſer Geſchichte wiederum deutſche Kultur- 
arbeit in ihrer reinſten Form und ihrem ſchönſten Erfolg auf- 
zeigt. 
Gut gezeichnete Neliefkarten führen in einzelne Kriegs- 
gebiete ein. *) Jede derſelben ſtellt eine Landſchaft der Kriegs3- 
Ichaupläße dar. Folgende 16 Karten liegen bis jeßt vor: 
1. Deutſch-franzöſiſche Grenzgebiete. 2. Deutſch-ruſſiſche Grenz3- 
gebiete. 3. Nordfrankreich und Belgien. 4. Paris und Umge- 
bung. 5. Galizien und Süd-Polen. 6. Nordweſtbalkfan (Serbien, 
Montenegro uſw.). 7. Der Kanal von Cherbourg bis zur Schel- 
demündung. 8. Die Oſtſee von Memel bis Peter35burg. 9. Das 
Schwarze Meer. 10. Flandern, Calai38--Oſtende, Ypern--Lille. 
11. Der Argonmnen-Wald und die. Gegend von Verdun. 12. Eng- 
13. Perſien (Kaukaſus, Armenien, Arabien). 14. Toul- 
Rancy. 15. Nancy-Luneville. 16. Ägypten und Suezkanal. 
Zu demſelben Verlag ſind erſchienen! Krieg3bildex- 
bogen.) Bogen Nr. 1, der „die engliſche Kriegsflotte“ dar- 
ſtellen will, bringt eine Tabelle ſämtlicher Schiffstypen, aber 
in [ſo tleiner Wiedergabe, daß eine Anſchauung wohl kaum 
vermittelt werden kann. Lehrreicher iſt die beigegebene zahlen- 
mäßige Zuſammenſtellung der Schiffe nach Klaſſen mit ver- 
gleichenden Zahlen der entſprechenden Typen, 
1) „Die europäiſchen Kriegs8ſchauplätze 1914“. Geo- 
graphiſch dargeſtellt von Edmund Oppermann, Sul- 
inſpektor in Braunſchweig. 1V, 89 Seiten. groß 89. Mit 5 far- 
bigen Karten von Ed. Gaebler. Julius Klinkhardt in Leipzig. 
Geh. 2 4%, in Leinenband 2,60 4%. 
2) Shulfarte der weſtlichen 
GE. Niſter, Nürnberg. 0,90 4%. 
3) Marienburg, Schloß und Stadt in Preußen. 
Wilhelm Schwandt. Danzig. Verlag Kafemann. 1 H. 
4) Stuttgarter Reliefkarten von den Kriegsſchaupläten. 
FranFhſche Verlags8buchhandlung, Stuttgart. Jede Karte 25 Pf. 
5) Stuttgarter Kriegsbilderbogen. Ebda. 25 Pf, 
Krieg38"<aupläße. 
Von
	        

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