Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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Bſychologie“.18) Das „Zentralblatt“ will eine Sammelſtelle 
ſein, an der man ſich in knappen ſachlichen Berichten raſch 
über Ziel und Ergebniſſe neuerer Unterſuchungen, über den 
Inhalt neu erſchienener Monographien und Geſamtdarſtel- 
lungen, über das für den Pſychologen und Pädagogen Wich- 
tige aus den Nachbargebieten (Pſychiatrie, Phyſiologie, Schul- 
hygiene uſw.) unterrichten kann. Der vor kurzem abgeſchloſſene 
1. Band zeigt, daß die Zeitſchrift in treffliher Weiſe ihrer 
Aufgabe gerecht geworden iſt; er enthält nicht weniger als 
1237 Referate, die zum Teil auch über ſchwer zugängliche 
ausländiſche Arbeiten berichten. Die Zeitſchrift verdient es, 
überall da durch Bezug unterſtüzt zu werden, wo öffentliche 
Mittel zur Verfügung ſtehen, erſcheint doh auch ſie berufen, 
nach dem Kriege im Auslande wieder Zeugnis abzulegen von 
deutſcher Forſcherarbeit und deutſchem Fleiß; ſie wird weſent- 
lich mit dazu beitragen, unſere wiſſenſchaftliche Literatur frem» 
den Kulturen zuzuführen. =- Die „Fortſchritte der Pſychologie“ 
bringen gediegene und ausgezeichnete Arbeiten vorwiegend nach 
Unterſuchungen im pſychologiſchen Inſtitut der Univerſität 
Würzburg; mit beſonderer Freude iſt zu vermerken, daß hier 
auch pädagogiſc<e Probleme in Angriff genommen und mit 
vorbildlicher Sorgfalt durchgeführt werden. Leider verbietet 
es der beſchränkte Raum, auf einzelne Abhandlungen ein- 
zugehen; nur auf die Arbeit von IJ. Stoll, „Zur Pſychologie 
der Schreibfehler“ (Bd. IT, Heft 1/2), ſei hingewieſen. 
Zum Schluß ſeien kurz noch einige der vorgelegten Schriften 
beſprochen, die zur Pſychologie in mehr oder weniger nahem 
Zuſammenhange ſtehen. Stadelmann ?*) gibt den Eltern in 
knapper Form die richtige Einſtellung zur Behandlung ihrer 
Kinder, zeigt die Urſachen des Verſagens in den Schulleiſtun- 
gen auf und gibt Winke zu deren Beſeitigung. Ju gemein 
verſtändlicher, anſchaulicher Weiſe führt Major 15) die verſchie- 
denen Typen körperlich und geiſtig belaſteter Kinder vor, auf= 
klärende und beratende Ausführungen anſchließend. Gymnaſial- 
konrektor Doell 18) veröffentlicht einen ſexualpädagogiſchen Vor- 
trag, in dem er in kurzer, und bei aller Offenheit in tatlt- 
voller Weiſe die heikle Angelegenheit behandelt und mit einem 
glüclichen Sinn für das Natürliche und ſchlicht Selbſtverſtänd 
liche dem Elternhauſe Anleitung für die Erziehung der Kin- 
der gibt. W. Henz%“) behandelt in ſeinem Werke über dia 
menſchliche Stimme das geſamte Gebiet der Pflege der Sprach- 
organe im geſunden und kranken Zuſtande. Für die Praxis 
in der Schule erſcheinen un38 beſonders ſeine Ausführungen 
über da3 Stottern, Stammeln, Liſpeln, Schnarren, Poltern 
uſw. wichtig. Aber auch ſeine Grundſäge zur Behandlung: 
der geſunden Sprech= und Singſtimme ſind beachten3wert. 
Aufruf. 
Die Kriegsſtelle der Univerſität Straßburg hat Liſten 
bedürftiger Soldaten aufgeſtellt, die aus der Heimat 
feine Sendungen erhalten. Die Zahl der zu Verſorgenden 
iſt ſehr groß. Die materielle Unterſtüßung iſt hierbei nicht 
das eigentlich Wichtige. Kein deutſcher Soldat leidet Not. 
WaZ not tut, iſt, daß, jene Armen und Verwaiſten eine warme 
Hand ſpüren, die ſich aus der Heimat zu ihnen ſtre>t und 
ſie fühlen läßt: auch ihr habt jemand, der ſich eurer an- 
nimmt. Die Überſendung von Zeitungen, guten, volkstüm- 
lichen Schriften, ab und zu auch von Liebe5Sgaben, vor allem 
aber Briefe oder Karten ſollen ihnen zeigen, mit -welcher 
13) Fortſchritte der Pſychologie und ihrer Anwendungen. 
Herau3sgegeben von Prof. K. Marbe. Leipzig, B. G. Teubner. 
6 Hefte bilden einen Band von 24 Bogen. 12 4%. 
14) H. Stadelmann, Was5 können Eltern zur Verhütung 
ſc<le<hter Schulfortſchritte ihrer Kinder beitragen? Dresden, 
A. Huhle. 0,50 H. 
15) G. Major, Sc<wer erziehbare Kinder. Ein Ratgeber 
für alle, die e8 angeht. Halle a. S., C. Märhold. 2,50 4. 
16) 'M. Doell, Sexualpädagogik und Elternhaus. Mim 
hen, O. Gmelin... 0,60 4%. - oo m 
17) W. Henz, Die menſchliche Stimme und Sprache. (Intern. 
Päd. Bibliothek, Bd. VI.) Altenburg, O. Bonde. "Geb, 9,60 H. 
 
Dankbarkeit wir in der Heimat derer im Felde gedenken. Eine 
ſchöne Aufgabe eröffnet ſich hier auch heranwachſenden Schü- 
lerinnen. = - - 0 
Adreſſen in jeder beliebigen Zahl ſind durch Oberlehrerin 
Lie. Carola Barth, Frankfurt a. Main, Nie- 
denau 52, erhältlich. | 
Aus den BVereinen. 
Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen. Frankfurt a. M. 
Die Stadt Frankfurt a. M. hat die Patenſtelle bei dem 
Kreis Lößen übernommen; der Frankfurter Lehrerinnen- 
Verein hat ſich erboten, eine Dorfgemeinde des Kreije3s mit 
Kinderzeug und Bettleinen zu verſehen. Die Arbeit iſt ſol- 
gendermaßen organiſiert: der Verein kauft für Geld, das 
unter den Mitgliedern geſammelt worden iſt, Stoffe, die zu- 
geſchnitten an Schülerinnen der Mittel» und WVolksſchulen 
zur Verarbeitung übergeben werden; die höheren Schalen 
kaufen ſelbſt Stoffe und liefern die fertigen Arbeiten an 
unſere Sammelſtelle ab. Zu Weihnachten ſoll der größte Teil 
der Gaben in Oſtpreußen ſein. 
Ferner beteiligen ſich die Lehrerinnen mit ihren Schäle- 
| rinnen ſehr lebhaft an dem Briefverkehr mit einjamen Sol- 
daten; durc<h Vermittlung de8 Verein3 für religiöſe (Er- 
ziehung ſind ſchon einige hundert Adreſſen in unſerem Ver- 
ein verteilt worden. | 
Allgemeine Deutſche Krankenkaſſe für Lehrerinnen 
und Erzieherinnen. 
Ortsfaſſe Magdeburg. 
Die Jahre3verſammlung findet ſtatt am Donnerstag, den 
6. Januar 1916, nachmittag8 6 Uhr, im Lehrerzimmer der 
Edithaſc<hule. Alle Mitglieder der Ortskaſſe ſind hierdurch 
eingeladen. Tagesordnung 8 56 der Saßkungen gemäß. Die 
Verſammlung iſt in jeder Beſezung beſchlußfähig (8 50). 
Der Vorſtand: 
M. Hübenthal, Vorſißende. 
Ortskaſſe Leipzig. 
Jagre8verſammlung: Montag, den 10. Januar 1916, 
abend38 8 Uhr, im Auguſte-Schmidt-Haus, Dresdner Str. . 
Tage3ordnung: Erledigung der im 8 56 vorgeſehenen Ge- 
ſchäfte. 8 57: Die Verſammlung iſt in jeder Beſezung be- 
ſchlußfähig. Der Vorſtand. 
Nachrichten. 
Mündener Lehrerinnenhilfe für Oſtpreußen. Die Münchener 
Lehrerinnen haben für Oſtpreußen eine Sonderjammlung ver- 
anſtaltet und zehn vollſtändig eingerichtete Zimmer zuſammen=- 
gebracht, ebenſo eine Küche und ein Kinderzimmer. Auch ein 
Pfarrerzimmexr iſt dabei. Die Betten ſind neu, Wäſche iſt reid 
lich vorhanden, kein Kaſten und keine Truhe iſt leer. Es iſt 
alles tadelloſer Hau3rat, mit Sorgfalt geſichtet und zuſammen=- 
geſtellt. Dieſe Sonderſammlung iſt für Shawentainen bei 
Ortel8burg beſtimmt. 
Eine Schüleraufführung keine „„Luſtbarkeit““. Eine für das ge- 
ſamte Schulweſen grundſäßlich bedeutung3volle Rechtsfrage 
wurde jeßt in letter Inſtanz vom preußiſchen Oberver- 
waltungs8gericht in verneinendem Sinne entſchieden. 
Der Direktor einer höheren Schule genehmigte die Aufführung 
eines Wildenbruchſchen Werkes durch Schüler der Anſtalt. Für 
die Aufführung, die in der Sculaula ſtattfand, verlangte auf 
Grund der in der Gemeinde eingeführten Luſtbarkeits5ſteuer- 
ordnung die Stadtgemeinde vom Direktor die Erlegung des 
entſprechenden Betrages der Luſtbarkeitsſteuer. Vor dem Ober- 
verwaltungs8gericht machte die in der Vorinſtanz äbgewieſene
	        

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