Volltext: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

 
' Tansgaben 
| mit jämtlichen| 
Beiblä ittern 
 
 
Organ des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Begründet 1884 von Marie Coeper:Houſſelle 
Herausgegeben vom Vorſtand 
öugleih Organ der Allgemeinen Deutſchen Krankenkaſſe für Lehrerinnen und Erzieherinnen, des Landesvereins 
Preußiſcher Dolksſchullehrerinnen, des Landesverems Preußiſcher Techniſcher Lehrerinnen, des Derbandes Sächſiſcher 
Lehrerinnen und des Verbandes Deutſcher FSortbildungs- und Sac<hſchullehrerinnen 
Schriffleitung: Margarete Treuge und SranziSska Ohneſorge 
Derlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin | 
1 32. Jahrgang 
Ur. 49 
4. März 1916 . 
 
Alle Manuſkriptſendungen ſind ohne Hinzufügung eines Namens zu richten an die Schriftleitung der „Lehrerin“, Berlin W10, 
Königin : Auguſta: Straße 28- alle Bücherſendungen ausſchließlich an den Derlag von B. SG. Teubner, 
Unverlangt eingeſandte Manuſkripte können nur zurü&geſandt werden, wenn ausreichendes Rückporto beigefügt iſt. 
Leipzig, Poſtſtraße 53. 
 
Erſcheinungsweiſe: 
„Die Lehrerin“ (Hauptblatt) erſcheint wöchent: 
lic im Umfang von einem Bogen. Als Beilagen er-- 
ſ<einen 14tägig im Umfang von je ?/; Bogen: 
A: Beiblatt der Sektion für höhere und mittlere Schulen, 
B: Beiblatt des Derbandes deutſcher Dolksſhullehrerinnen, 
C: Beiblatt der Sektion für tehniſ<e Säcer. 
Die Beiblätter A und B werden ſtets den ungeraden, 
das Beiblatt C'den geraden Nummern des Hauptblattes 
beigelegt, 
für die Ausgabe 
 
 
Bezugspreis vierteljährlich: 
für die Ausgaben 11-V .... 
für die Ausgaben Y-VIU, . 
Anzeigen: 
Die viergeſpaltene Petitzeile 30 Pf. Annahme dur 
B. OG. Teubner, Beriin W 10, &öntgin-A&ugujita-Sir. co. 
Bei Bejtellungen 
wolle man deutlich angeben, welche der * nachſtehen» 
den Ausgaben gewünſ<ht wird 
1 (Hauptblatt mit ſämtlichen Beiblättern) 
11 (Hauptblatt mit den Beiblättern A und B) 
11 (Hauptblatt mit den Beiblättern A und C 
IV (Hauptblatt mit den Beiblättern B und 5 
Ausgabe YV (Hauptblatt mit dem Beiblatt A) 
Au5Sgabe VI (Hauptblatt mit dem Beiblatt B) 
Ausgabe VII (Hauptblatt mit dem Beiblatt C) 
Ausgabe VII Mauptblatt 0 ohne Beiblatt) | 
«0. Nr. 2.40 
m. 2. 
. DL 1.60 
Ausgabe 
Ausgabe 
Ausgabe 
Ausgabe 
 
 
 
Die verheiratete Lehrerin .. eer er u Si 385 
Eine deutſche Lehrerin im Ausland. Von Maria Raſſow ,, 
386 
Vorträge im Zentralinſtitut für Erziehung und Unterricht . ,„ 388 
Vom Werte des religiöſen Gedächtnisſtoſies eu jr 389 
390 
Nachrichten, Diskuſſion3abend . . eee or yp 
Geichäftliche Mitteilung . . . S. 330 
Allgemeine Deutſche Kranfenkaſie für "Lehrerinnen und Er- 
zieherinnen zu Frankfurt a. M. 1V. Quartal. . . . "391 
Auszug aus dem Stellenvermittlungsregiſter des Allgemeinen 
Deutſchen Lehrerinnenvereins. . . 
8 € & 6 8 t 391 
 
Nr. 25 des Beiblattes A erſcheint mit Nr. 26 als Doppelnummer in Nr. 
51 der „Lehrerin“ am 5 1916. 
 
Die verheiratete Lehrerin. 
Seit im Kriege zur Deckung des Lehrermangels auch ver- 
heiratete Lehrerinnen vielfach herangezogen worden ſind, iſt 
die vont eiter Gruppe von Frauen und Lehrerinnen aus= 
gehende Bei wegung jür grundſäßliche Zulaſſung verheirateter 
Lehrerinnen in den öffentlichen Schuldienſt verſtärkt zutage 
getreten. Namentlich der Berliner Verein „Frauenwohl“ 
wirbt für dieſen Gedanken, und in den Berliner Tageszeitun- 
geit ſind verſchiedentlich darauf bezügliche Veröffentlichun- 
gen aus weiblicher Feder erſchienen. 
In Erwiderung einer derartigen Veröffentlichung nimmt 
Hedwig Jaſtrow in einer Zuſchrift an die „Voſſ. Zeitung“ 
zu der Frage Stellung und kennzeichnet dabei die Gründe, 
die biSher die überwiegende Mehrzahl der Lehrerinnen be- 
ſtimmt haben, die grundſäßliche Zulaſſung verheirateter Leh- 
rerinnen abzulehnen. Sie ſchreibt in der Nummer von 
13. Februar : 
Zu Nr. 41 der „Voſſiſchen Zeitung“ vom 23. Januar tritt 
in dem Artikel „Cehrerinnenzölibat und Krieg“ die 
Oberlehrerin Lydia Stö>ex für die Beſchäftigung verheirateter 
Lehrerinnen im Schuldienſt ein. Sie bet? cachtet die Cinſtellung 
verheirateter Lehrerinnen in der Kriegs33 zeit als ein Zuge- 
ſtändnis ſeitens der Behörde und fmüpft daran weitgehende 
Hoffnungen für die Zukunft. 
Daß während des Krieges verheirateie Lehrerinnen beſchäf- 
tigt werden, widerſpricht aber feineSwegs den bizherigen Grund- 
ſäßen der Behörde, denn vereits im Jahre 1897 hai der Unter- 
richt3miniſter durch beſonderen Erlaß geſtattet, „daß ausnahms3- 
weiſe verheiratete Lehrerinnen im Schuldienſt widerruflich be- 
ſchäftigt werden können, ſofern eine eingehende Prüfung der 
Intereſſen dex Schule und der beſonderen perſönlichen Ver- 
hältniſſe der betreffenden Lehrerin dieſe Beſchäftigung al3 
wünſchen3wert und zuläſſig erſcheinen läßt Wenn die 
Stadt Berlin jezt von dieſer Erlaubnis in der Form 
Gebrau<g madt, daß ſie krirg8getraute Lehrerinnen im Amte 
beläßt, ſo iſt es ſelbſtverſtändlich, daß ſie dieſe Lehrerinnen 
nicht in ihrem Gehalt fürzen und plößlich als Vertreterinnen 
befolden wird. Übrigens dürfte die Zahl der Kriegsgetrauten 
eine verſchwindend geringe ſein. 
„Wir ſtimmen mit der Verfaſſerin darin überein, daß dem 
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Lehrermangel in der Kriegszeit keine beſſere UNbhilfe werden 
fann als die Heranziehung von verheirateten Lehrerinnen. 
Aber es iſt etwas anderes, eine Maßregel als ausgezeichneten 
Ausweg aus ſchwieriger Lage begrüßen yvder, wie es die Ver- 
jaſſerin tut, ſie als durchgreifende glückliche Reform anſehen. 
Die Verfaſſerin will Lehrerinnenberuf wid Che vereinigt wiſſen 
und hat dabei hauptfächlich wirtſchaftliche Geſichtspunkte im 
Auge. Da die Gründung einer Che oft nur dann möglich iſt, 
wenn die Jrau nebenbei noch erwerbstätig fein kann, ſo 
ſoll die Lehrerin nach der Verheiratung im Amte bleiben. 
Dabei ſcheint die Berfaſſerin aooer jeſbſt zu der Einſicht zu 
fommen, daß Die Vereinigung dieſer beiden Berufe im Grunde? 
unmöglich iſt, daß die Frau im Hauſe nicht durch bezahlte 
Kräfte, auch nicht durch die ſo oft angeführte „ältere Ver- 
wandte“ erſeßt werden fann. So ſc<ließt ſie ſich denn dem 
Wunſche des Vereins „grauen wohl“ an: man möge für ver- 
heiratete Lehrerinnen Stellen mit halber Dienſtzeit 
ſchaffen. 
Mit anderen Worien: die verheiratete Lehrerin joll eine 
Anzahl von Squlſtunden mit den nötigen Korrekturen über- 
nehmen. "Wieweit dies in den höheren Schulen bei dem 
Syſtem ves Fachunterrichts und bei im GElternhaufe meiſt 
wohlbehüteten Kindern mögli) iſt, wollen wir unerörtert 
laſſen. Eine ſchwere Schädigung aver würde die Schaffung 
ſolcher Stellen in der Bolksſ<ule bedeuten. Abgeſehen von 
den Behinderungen, die der verheirateten Lehrerin durc< Weochen- 
betten und Mutterpflichten erwachſen, iſt der Pflichtenkreis 
einer Bolksſchullehrerin mit einigen Stunden am Tage nicht 
zu umgrenzen. Die erziehliche und ſoziale Arbeit, die ihr 
obliegt, bej<hräntt ſich Überhaupt nicht auf die Unterricht3- 
ſtunden mit den Korrekiuren und Vorbereitungen. Die Lehrerin 
muß vielmehr auch außerhalb der Schulzeit das förperliche 
und ſitilihe Wohl ihrer Schüler im Auge haben. Da gibt 
es hungernde und ſc<lecht befleidete Kinder, da gibt es ſittlich 
Vorwahrloſte, Teiſtig Unmnormale, förperlich Schwächliche, Kin- 
der, die durch Erwerbötätigkeit ausgebeutet werden, andere, 
vie häuslichen Mißhandlungen ausgeſeßt ſind. Sie alle bo- 
dürfen bejonderer Fürſorge „dur die Vehrerin. Fſt ſie doch 
meiſt die einzige gebildete Frau, die mit dieſen indern ini 
engeren Verkehr ſteht. Es müſſen ſelbj ſtverſtändlich auc< Be- 
ziehungen zum Elternhauſe gepflegi werden, es muß manchen 
dex Sculentlaſſenen bei der Bornfswahl oder einem Berufs- 
wechſel jeholfen werden =- furz, es iſt eine Anfgabe, für 
die eine ſich mit voller Kraft einfeßende Perſönlichkeit ſich 
oft genug woch unzureichend fühlt und die nun und nimmex
	        

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