Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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Einzelanzeige. 
Zoepf, Dr. Ludw., Deutſche Gottſucher. Heft 1: Hein- 
ric der Heilige; Heft II: Mechtilde; Heft 11: Der Myſtiker 
Johannes Tauler. Tübingen, Selbſtverlag des Verfaſſer8. Je- 
des Heft hat 50 Seiten. 0,60 6. 
Von dieſen Heftchen möchte die Unterzeichnete namentlich 
die zwei erſten warm einpfehlen, denn der Verfaſſer hat 
es verſtanden, die Geſtalten ſo herau3zuarbeiten, daß ſie. 
ſelbſt dem jugendlichen Leſer lieb und vertraut werden können. 
Der Verſuch wurde gemacht mit 14jährigen Mädchen, die fich 
warm dafür ausſprachen. Der anziehend geſchriebene geſchicht- 
liche Inhalt, zuſammen mit dem ſc<lichten ungekünſtelten Stil, 
der troß der Einfachheit der dichteriſchen Feinheit nicht ent- 
behrt, machen dieſe zwei Heftchen zu eineni angenehmen Leſe- 
ſtoff für jung und alt. =- Das dritte Heft führt uns in Die 
Gedanken- und Gefühlö3welt der deutſchen mittelalterlichen My- 
ſtik ein und iſt de38halb wohl nur für Erwachſene; ſolchen, die 
einigen Sinn für jene halb dunkle Erſcheinung haben und ſich 
doc) nicht näher damit beſchäftigen können, kann e8 eine Ein- 
führung in jene Welt bedeuten. | 
Vom gleichen Verfaſſer ſind auch „Märc<en“ erſchienen: 
„Kieſelſteine“, fünf Märchen v. Ludw. Zoepf. 1,50 4. Tü- 
bingen, Buchhandlung Kloeres8. 
Es ſind feinſinnige Gebilde, die der Verfaſſer den Müttern 
widmet, die ihren Kindern gerne Märchen erzählen. Frei- 
lich „Kindermärchen“ ſind ſie meine8 Erachten3 nicht, das wer- 
den ſie auch kaum im Munde der Mütter; aber zart und ſinnig 
ſind ſie, und größere Kinder werden ſie wohl ſehr gerne leſen, 
ebenſo jene Erwachſene, die ſig einen Sinn für Märchen be- 
wahrt haben. Beſonder3 gefielen mir „Das Märchen vom 
Spiegel Aletheia“ und „Die Necarnixe“. Das leßtere gleicht 
eigentlich eher einer Lokalſage, wie der Name andeutet. Alle 
aber enthalten ſinnige Gedanken in dichteriſ<er Sprache und 
hier und da ein Goldkörnc<en köſtlichen Humoxr3. 
Anna Tafel, Cannſtatt. 
Nachrichten. 
über die Schulen unter der Deutſchen Verwaltung in Li- 
tauen finden ſich in einem längeren Artikel de3 Kriegsbericht- 
erſtatters Dr. Wertheimer folgende Ausführungen: Schulen gab 
 
und gibt es ſehr wenige in Litauen. Gs gab ein paar Miniſterial-- 
ſchulen einzelner ruſſiſcher Miniſterien und daneben Sculen- 
von Religion38gemeinſchaften. Aber di2 Zahl der Lehrer iſt ſehr 
gering, die Mehrzahl beſtand aus Ruſſen, die ja nun geflüchtet 
ſind. Man wird nun preußiſch-litauiſche Lehrer heranziehen, und 
zwar, um der Heimat nicht noch mehr Lehrer zu entziehen, nur 
dem Heere angehörende, nicht kriegösverwendungsſähige Lehrer. 
So entſteht bald neben dem Feldarzt und dem Feldprediger 
der deutſche Feldlehrer als eigener Stand. Der Unterricht 
erfolgt in den litauiſchen Schulen in litauiſcher, in den jüdiſchen 
in jiddiſcher Sprache, wobei das Deutſche ſelbſtverſtändlich über- 
all Lehrfach werden wird. Auf dem Gebiete dex Schulen gibt es 
aber allerdings vorderhand mehr Wünſche als Tatſachen, 
denn es iſt ohne Zweifel da3 ſchwierigſte Gebiet der ganzen 
Verwaltung. Am leichteſten werden Schulen noch für die Juden 
zu organiſieren ſcin, deren Kultu8gemeinden in den Ortſchaften 
ungeſtört beſtehen. Die von den Nujſen erhobene Korb- und 
Lichtſteuer der Juden, die zum Unterhalt der Nabbiner diente, 
wird auf alter Grundlage weiter erhoben und nun in vollem 
Umfange =- die Ruſſen hatten natürlich den weitau3 größten 
Teil für ſich eingeſte>t = den Kulturinterxeſſen der Juden zu- 
gewandt werden. 
Mit der Verſchwendungsfucßt der Jugendlicden hat ſich in 
einer Sizung am 23. Februar auch die Staat3haushalt3kommiſ- 
ſion des preußiſchen Abgeordnetenhauſe8 befaßt. Es wurde 
auf die Gefahren hingewieſen, die die hoben Löhne der Zugend 
bringen, und darüber geklagt, daß fo viele jugendliche Arbeiter 
ſie für ſich verbrauchen und nicht ihren Eltern zugute kommen 
laſſen. Eine einheitliche Negelung dieſer Frage für 
Preußen wurde gefordert, da eine nur orts8geſeßliche Rege- 
lung mancherlei Unzuträglichfeiten nach ſich ziehe. Der Miniſter 
gab zu, daß die ganze Frage ernſte Ertwägung verdiene ; doch 
müſſe ſie gründlich erwogen werden. Die Verhandlung zeigte 
jedenfall38, daß die Gefährdung der Jugend durch die hohen 
Frieg3löhne immer ſtärker erkannt wird, und wenn es auch 
ſelbſtverſtändlich iſt, daß einem ſtaatlichen Eingriff gründliche 
Erwägungen vorausgehen müſſen, ſo iſt andererſeits das oben 
gefennzeichnete raſche Eingreifen des Kaſfeier Armeekommandos 
mit großer Freude zu begrüßen, da es jedenfalls die Er- 
fahrung38grundlagen für eine allgemeine Negelung ſc<affen kann. 
 
Hierzu Beilagen von VB. G. Teubner in Leipzig und Berlin, die der Beachtung der Lefer empfohlen werden. 
 
Anszug aus dem Stellenvermittlungsregiſter des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins. 
Zentralieitung: Serlin W 62, Bayreuther Straße 38, Gartenhaus pt. , Telephon- Amt Kurfürſt 2415. 
1. Zum 1. April ſucht adlige Familie, Pommern, für ein 
zwölfjähriges Mädchen eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. 
Muſik- und Sprachkenntniſſe erwünſcht. Gehalt bei freier 
Station 1200--1400 4. | 
2. Zum 1. April ſucht Rittergut3beſißer3familie, Poſen, für 
3 Mädchen von 13, 12 und 9 Jahren eine evangeliſche 
geprüfte Lehrerin. Gehalt bei freier Station 1200 4. 
3. Zum 1. April ſucht gröfliße Familie, Oſtpreußen, für 
zwei Knaben von 9 und 7 Jahren eine evangeliſche ge- 
prüfte Lehrerin. Latein bi38 Sexta. Gehalt bei freier 
Station 1000--1200 4. 
4, Zum 1. April ſucht gräfliche Familie, Schleſien, für zwei 
Mädchen von 15 Jahren eine evangeliſche geprüfte LebH- 
rerin mit Muſikkenntniſſen. Gehalt nach Übereinkunft. 
5. Zum 1. April ſucht adlige Familie, Sachſen, für zwei 
Mädchen von 10 und 8 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin. Gehalt bei freier Station 800-1000 4. 
6. Zum 1. April ſuc<t adlige Familie, Pommern, für zwei 
Knaben von 12 und 10 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
 
Lehrerin mit Lateinkenntniſſen bis Quinta. Gehalt nach 
Übereinkunft. 
7. Zum 1. April ſucht adlige Familie, Pommern, für zwei 
Mädchen von 14 Jahren eine evangeliſche geprüfte Leh- 
rerin. Muſik und Sprachen erwünſcht. Gehalt nach Übereinkunft. 
8. Zum 1. April ſucht Paſtorenſamilie, Dänemark, eine evan» 
geliſche geprüfte Lehrerin. Gehalt 1320 Kronen. 
9. Zum 1. April ſucht Höhere Mäd<henſ<ule, Poſen, für un- 
gefähr 40 Kinder von 6--13 Jahren eine geprüfte Leh- 
rerin. Gehalt 1200 HS. 
10. Zum 1. April ſucht eine Privatſchule, Weſtpreußen, für 
12 Kinder von 6-11 Jahren eine evangeliſc<e geprüfte 
Lehrerin. Gehalt 1800 4. 
11. Zum 1. April ſucht eine Höhere Privatſchule, Schleſien, 
für die Unterſtufe (kleine Klaſſen) eine evangeliſche ge» 
prüfte Lehrerin. Ungefähr 30 Stunden wöchentlich. Gehalt 
1200 4. 
12. Zum 1. April ſucht eine Privatſchule, Thüringen, für dis 
Mittelſtufe eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. Ungefähr 
26 Stunden wöchentlich. Gehalt 1000 4. 
Die Adreſſen der Lehrerinnen und Stellen dürfen nicht weitergegeben werden. 
Bedingungen für den Nachweis der Stellen verſendet die 
Zentralleitung der Stellenvermittlung des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt. 
Tel. - Amt Kurfürſt 2415. Sprechſtunden wochentags von 12 --3 Uhr, Sonnabend8 11--1 Uhr. 
-Beitrittserklärungen ſind an die Geſchäftsſtelle de8 Vereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt., zu richten. 
Die Stellenvermittlung für akademiſch gebildete Lehrerinnen iſt jezt mit der Zentralleitung, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, 
Gartenhaus pt. (Sprechſtunde von 12--3 Uhr, Sonnabends8 von 11--1 Uhr) vereinigt. Dun
	        

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