Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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ſchaftliche Frauenſchule zu Bad Weilbach bei Flör3heim (Main) 
eröffnet infolgedeſſen neben ihrem Hauptſeminar, in dem aller- 
ding38 auch regelmäßig einige Lehrerinnen der Haus3wirtſchafts3- 
funde vertreten waren, eine parallele Seminarklaſſe ausſchließ- 
lich für Lehrerinnen der Hauswirtſchaft3kunde, die ſich dort 
innerhalb eine8 Jahre38 zur Lehrerin der landwirtſchaftlichen 
HauShaltung38kunde ausbilden können. 
| Jubiläen, 
Fünfzig Jahre Lette-Verein. Der Lette-Verein zu Berlin 
konnte am 27. Februar auf eine 50jährige Tätigkeit zurüc- 
bliden. Die Direktorin, Frl. Dr. Hauff, ſchreibt darüber: 
Dem Präſidenten des „Zentral-Vereins für da8 Wohl der 
arbeitenden Klaſſen“, Adolf Lette, iſt es zu verdanken, in 
dem „Verein zur Förderung höherer Bildung und Exwerb8- 
fähigkeit des weiblichen Geſchlec<ht3“ eine Anſtalt geſchaffen 
zu haben, in der die Frau des Mittelſtande3 auf dem Gebiete 
des geſamten gewerblichen Ausbildung38weſens8 zum Berufs- 
arbeiter herangebildet werden konnte. 
Der Lette-Verein -- wie er nach dem Tode ſeines Grün- 
ders genannt wurde -- iſt im Laufe der fünf Jahrzehnte maß- 
gebend in Berufsfragen, vorbildlich in ſeinem Schulbetriebe 
und ein Bahnbrecher für weitere Beruf8möglichkeiten der Frau 
geworden. Seiner Jnitiative iſt e3 zu verdanken, daß die 
gebildete Frau auc< in die handwerklichen Berufe Eingang 
fand. Die Abteilungen des Lette-Vereins: Buchbinderei, Fach- 
ſc<neiderei, Fachphotographie ſchien jedes Jahr eine Anzahl 
Berufsarbeiterinnen in3 Leben hinaus. Den höheren Anforde- 
rungen, die im Laufe der Jahre an die Berufsbildung ge- 
ſtellt wurden, mußte auch der Lette-Verein Rechnung tragen... 
E3 entſtanden die Seminare für Handarbeits- und Hauswirt- 
ſc<aft3lehrerinnen und in weiterer Entwiklung die Gewerbe- 
ſc<hullehrerinnenſeminare, wel<he =- als Anſtalten unter ſtaat- 
licher Aufſicht anerkannt = zur Ablegung von ſtaatlichen 
Abſchlußprüfungen berechtigt ſind. Den heutigen Forderungen 
einer tüchtigen hauswirtſchaftlichen Vorbildung der Frau ent- 
ſprechend, ſind in der Hau3shaltungsſchule ſowie in der Frauen- 
ſchule des Lette-Verein3 Anſtalten geſchaffen worden, die auc<ß 
auf dieſem Gebiete Tüchtiges zu leiſten vermögen. 
Tauſende von Frauen ſind im Laufe dieſes halben Jahr- 
 
hundert8 durch die Anſtalt gegangen, wohlgerüſtet durc< eine 
ſorgfältige Ausbildung und in der Überzeugung, daß ſie ihren 
Plaz im Leben ausfüllen werden! Aus8 kleinen Anfängen iſt 
in dieſen 50 Jahren ein Werk entſtanden, da8 den Frauen 
neben einer allgemeinen Bildung Selbſtändigkeit, wirtſchaft- 
liche Unabhängigkeit und innere Zufriedenheit gegeben hat. 
Einhundert Jahre höherer Müdchenbildung in Sonders= 
hauſen. Jn den erſten Märztagen legten an der Studienanſtalt 
zu Sonder3hauſen die erſten Abiturienten ihre Reife- 
prüfung ab, und bei der folgenden Abſchied8feier gab ver 
Leiter der Schule einen Überblick über die faſt 100jährige- 
Geſchichte der Sonder3häuſer Bildungs5anſtalten für die weib- 
liche Jugend. Im Jahre 1817 wurde die Erziehungsanſtalt 
für Knaben gegründet, in die ſpäter auch Mädchen aufgenommen 
wurden. Aufbau, Klaſſenerweiterung, Einführung der Fremd- 
ſprachen gegen den Charakter der höheren Schule; verhältni8- 
mäßig ſehr ſpät, nämlich erſt vom Jahre 1847 ab -- d. Hh. 
30 Jahre nach Begründung der Anſtalt -- wurden Lehre- 
rinnen an derſelben angeſtellt. 
Die Studienanſtalt, die neben dem Lyzeum beſteht, zeigt 
die Form des Aufbau3; ſie iſt eine Oberrealſchule, die in 
drei Jahren -- nach Durchlaufen de3 Lyzeum3 -- zum Abitur 
führt und einen Teil der Stunden mit denen des Ober- 
Ihzeum3 (höheren Seminar3) gemeinſam gelegt hat. 
Ausland. 
Türkei. Da3 ſtatiſtiſche Bureau de3 türkiſchen Unterrichts- 
miniſteriums hat aus Anlaß der bevorſtehenden türkiſchen Schul- 
reform eine mit großer Sorgfalt bearbeitete ſtatiſtiſche Ta- 
belle herausgegeben, der Karten beigefügt ſind, die das Vkpr- 
hältnis des Schulweſen8 zur Bevölkerung zählenmäßig erklären. 
Sehr aufſchlußreich ſind bereits die Mitteilungen über das 
Volksſ<ulweſen. Die Schulen ſind zum Teil Regierungs3- 
volksſc<hulen, zum Teil private Anſtalten. In den erſteren iſt 
das Zahlenverhältni3s der Schüler zu den Schülerinnen wie 
15:1, in den leßteren wie 2:1. 
Das höhere Schulweſen (in der Türkei wie in Öſter- 
reich das mittlere genannt) gipfelt im Lyzeum. In Kon- 
ſtantinopel iſt eine höhere Mädchenſchule, die etwa unſerem 
Realſchultyp entſpricht. - 
 
Hierzu Beilagen von B. G. Teabner in Leipzig und Berlin, die der Beachtung der Leſer empfohlen werden. 
 
Anszug aus dem Stellenvermittlungsregiſter des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins. 
Zentralleitung: Berlin W 62, Bayreuther Straße 38, Gartenhaus pt., Telephon- Amt Kurfürſt 2415, 
1. Zum 1. April ſucht Rittergutsbeſitersfamilie, Pommern, 
für einen Knaben von 9 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit Lateinkenntniſſen bi8 Quarta. Gehalt bei 
- freier Station 1800 &. 
2. Zum 1. April ſucht Rittergut3beſißer3familie, Poſen, für 
drei Mädchen von 13, 12 und 9 Jahren eine evange- 
liſche geprüfte Lehrerin. Gehalt bei freier Station 1200 H. 
3. Zum 1. April ſucht Rittergutsbeſißer5familie, Schleſien, für 
einen Knaben von 11 und ein Mädchen von 9 Jahren 
eine evangeliſche geprüfte Lehrerin mit Lateinkenntniſſen 
bi3 Quinta. Gehalt bei freier Station 1200 H. 
4. Zum 1. April ſucht adlige Familie, Weſtpreußen, für einen 
Knaben von 10 und ein Mädchen von 8 Jahren eine 
evangeliſche geprüfte Lehrerin mit Lateinkenntniſſen bis 
Quinta. Gehalt nach Übereinkunft. 
. Zum 1. April ſucht Rittergut5beſißersfamilie, Poſen, für 
einen Knaben von 92/5 Jahren und ein Mädchen von 
8 Jahren eine evangeliſche geprüfte Lehrerin mitt Latein- 
kenntniſſen bis Tertia. Muſik erwünſcht. Gehalt nac<h Über- 
einfunft. 
6. Zum 1. April ſucht gräfliche Familie, Schleſien, für zwei 
Mädchen von 15 Jahren eine evangeliſche geprüfte Leh- 
rerin mit Mußſikkenntniſſen. Gehalt bei freier Station 
800 4. 
CI1 
 
1. Zum 1. April ſucht adlige Familie, Pommern, für zwei 
Knaben von 12 und 10 Jahren eine geprüfte Lehrerin 
vum niſſen bis Quarta. Gehalt nac<h Überein- 
unft. 
8. Zum 1. April ſucht adlige Familie, Pommern, für zwei 
Mädchen von 14 Jahren eine evangeliſche geprüfte Leh- 
verin R Sprach- und Muſikkenntniſſen. Gehalt nach Über- 
einkunft. 
9. Zum 1. Mai ſucht Rittergutsbeſißer5familie, Schleſien, für 
ein Mädchen von 9 und einen Knaben von 7 Jahren 
eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. Gehalt nach über- 
eintkunft. . | 
10. Zum 1. Mai ſucht fürſtliche Familie, Weſtfalen, für zwei 
Knaben von 10 und 7 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit Lateinkenntniſſen bi3 Quarta. Gehalt bei 
freier Station 1500 4. 
11. Zum 1. Mai ſucht Rittergutsbeſitßers8familie, Schleſien, für 
einen Knaben von 9 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit Lateinkenntniſſen bi8 Quinta. Gehalt bei 
freier Station 1300 H. 
12. Zum 1. April ſucht Familienſ<hule, Weſtpreußen, für etwa 
15 Kinder im Alter von 7--12 Jahren eine evangeliſche ge- 
prüfte Lehrerin mit Sprachkenntniſſen. Latein bi3 Quarta. 
Gehalt 1800 4. 
Die Adreſſen der Lehrerinnen und Stellen dürfen nicht weitergegeben werden. 
Bedingungen für den Nachweis der Stellen verſendet die 
Zentralleitung der Stellenvermittlung des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt. 
Tel. - Amt Kurfürſt 2415. Sprechſtunden wochentags von 12 --3 Uhr, Sonnabends 11--1 Uhr. 
Beitrittserklärungen ſind an die Geſchäftsſtelle de8 Vereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt., zu richten. 
Die Stellenvermittlung für akademiſch gebildete Lehrerinnen iſt jezt mit der Zentralleitung, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38. 
. Gartenhaus pt. (Sprechſtunde von 12--3 Uhr, Sonnabends von 11--1 Uhr) vereinigt. . | . ne |
	        

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