Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

eine Wechſelwirkung der Kräfte erlöſt vom einſeitigen Intel- 
leftualiSmus, befreit von der ſ<hematiſchen Anerkennung der 
bloßen guten Schülerleiſtung. Es wäre natürlich unpädago- 
giſch, ja, mehr als das, e38 wäre roh, wollte man nach dex 
„Fahlungsfähigfeit“ eines Sculkindes ſeine geiſtigen und 
jittlichen Fähigkeiten bewerten, aber ganz abgejehen davon, 
daß eine ſolche Beurteilung für den Lehrer ja überhaupt 
ausſchaltet, liegt's auch in ſeiner Hand, die Kinder von der- 
artigen oberflächlichen Vergleichen abzulenken ; jeder tut, was 
er kann: Krupp neben Zeppelin, der AuSführer «und der 
Erfinder, BiSmar> und Helfferich, der geniale Staat3mann 
und neben ihm der Leiter unſeres Finanzweſen3, unſere 
Dichter und unſere Denker, -- ſie alle haben Bauſteine zum 
Reid) zugetragen, =-- das wird unſern Kindern eindringlich 
flargemacht. Unjere Schule braucht nicht zu befürchten, daß 
jie an Überſchäzung des Gelde8 und ſeiner Beſizer zugrunde 
geht oder auc; nur in ihrem unzerſtörbaren Jdeali8mus 
verleßt wird, = im Gegenteil, ſie hat biSher an allzuviel 
einſeitiger Wertſchäßung des rein Intellektuellen gekränkt. 
Jetzt kommen auch einmal die „Realpolitiker“ in der Schule 
an die Reihe. Daß ſie ſich nun nicht wichtiger nehmen, als 
jie verdienen, liegt ganz, aber auch ganz, in der Behandlung 
durd;) den Lehrenden, das muß noch einmal geſagt werden. 
Vor allem aber iſt eins zu dem herangezogenen Artikel zu 
bemerken: Er iſt getragen von der Grundanſicht, daß kein 
außerhalb der Schule liegendes Moment in das Verhältnis 
zwiſchen Lehrer und Scqüler hineingetragen werden darf, 
daß dieſes lediglich auf Grund der Squlleiſtung aufgebaut 
werden ſoll. =- Bei dieſer Vorſtellung ſezen wir ans inner- 
lich zur Wehr. Der Begriff der „Schulleiſtung“ iſt, ganz 
von ſelbſt und ſtillſchweigend, abgelöſt von der -- natürlich 
zunächſt nur vorbereitenden -- LebenSleiſtung. Die 
Schule iſt, und das ganz ohne jede programmatiſche An- 
kündigung: ein Stü Lebensgemeinſchaft geworden. Wie 
könnten wir ſagen, daß unſer Verhältnis zu den Kindern nur 
no<h auf ihrer „Sculleiſtung“ beruht? Da wir mit ihnen 
bangen, fürchten, trauern, uns freuen? Wenn der Bruder, 
der Vater gefallen, verwundet, in Gefangenſchaft geraten 
iſt, wenn ein froher Feldpoſtbrief Freudengefühle aus- 
löſt, -- fragen wir bei unſerer Anteilnahme nach der leßten 
Aufſaßnummer oder den richtig gerehneten Aufgaben der 
Geometriearbeit ? =- Wenn ſtrahlend die geſammelten Gold- 
jtüde angebracht werden, zählen wir ſie oder die Fehler 
im lebten Diete? -- Und wenn wir bei jolchen eigentlich 
vom Unterricht ganz unabhängigen Betätägungen der Kin- 
der dod) innerlich vergleichen und -- wa3 ich immer wieder 
betonen muß -- die beſten Schüler auch meiſtens als die 
beſten Hilfskräfte im Dienſt am Vaterland erkennen, ſo 
jcheint mir das ſo ziemlich die einzige Berechtigung zu dem 
Maßſtab der Schulleiſtung zu ſein. 
 
. “es 
Aus den Vereinen. 
Preußiſche Nuhegehaltszuſchuß= und Unterſtüßungskaſſe 
für mit Ruhegehaltsberechtigung angeſtellte Lehrerinnen. 
Durch achtmaligen Wechſel unſeres Buchhalters und unſerer 
Hilfsarbeiter ſind leider bei der Notierung (niht Budung) 
der Eingänge Verſehen vorgekommen, in deren Folge Kaſſen- 
mitglieder, die ihren Beitrag bereits eingezahlt, irrtümlich eine 
Zahlungs3aufforderung erhalten haben. Wir bitten dies Ver- 
ſehen zu entſ<huldigen und wären den Kaſſenmitgliedern, die 
davon betroffen, ſehr dankbar, wenn ſie uns umgehend davon 
Mitteilung machten (evtl. unfrankiert), wenn angängig mit 
Angabe des Tages, an dem ſie den Beitrag eingezahlt haben. 
Der Vorſtand. 
IJ. A.: Martha Neubart. 
Geſchäftsſtelle: Berlin-Charlottenburg 2, Grolmanſtr. 65. 
einen einene 
 
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eenwammenſüetnen 
Der Ausſchuß für Schulreform im L. P. V. hat Rechen- 
aufgaben zur Broterſparnis herausgegeben, die zum Preiſe 
von 20 Pf. von der Vorſigenden des Ausſchuſſe3s, Elfriede 
Schäfer, Friedenau, Fregeſtr. 9, zu haben ſind. 
Nationaler Frauendienſt. 
Der Nationale Frauendienſt, Abteilung Berlin, hat ſoeben umfang- 
reiche Tabellen zuſammengeſtellt, die einen ausgezeichneten Überbli 
über die Art und Höhe der Anſprüche von Kriegshinterbliebenen aus 
der Kriegsverſorgung und der Allgemeinen Verſorgung ermöglichen. 
Berufsorganiſationen, Fachverbände, gemeinnüßige Vereine jeder Art, 
ſowie auch Einzelperſonen, z. B. Geiſtliche, Armen- und Waiſenpfleger, 
Lehrer uſw., die durc ihre Stellung häufig Gelegenheit haben, den 
Kriegswitwen- und Waiſen Aufſchluß über die ihnen zuſtehenden 
Hinterbliebenenbezüge zu geben, werden dieſe Tabellen wertvolle Hilfe- 
dienſte für ihre Tätigkeit leiſten können. --- Die Tabellen ſind zu 
beziehen durch den Nationalen Frauendienſt, Berlin W, Nollendorf- 
plas 3, zum Preiſe von 5 Pf. pro Stück (1 Saß von 3 Tabellen 15 Pf.), 
100 Stück 3 „<, 1000 Stück 28 X. 
Nachrichten. 
Die Allgemeine Deutſche Penſionsanſtalt teilt mit, daß es nur 
no<g bis zum 30. Juni l. J. Privatlehrern und Privatlehrerinnen 
geſeßlich geſtattet iſt, von der Reichsverſicherung3anſialt für Ange- 
ſtelltenverſicherung zur Allgemeinen Deutſchen Penſionsanſtalt über- 
zugehen. Sobald ſie dort ſchriftlich erklären, daß ſie den Wechſel 
vorzunehmen wünſchen, übernimmt die Penſions3anſtalt die Ordnung 
der Angelegenheit und, im Einverſtändnis mit der Reichsanſtalt, die 
Überführung der bereits gezahlten Beiträge. Beſonder8 wird hervor- 
gehoben, daß ſie das Heilverfahren ſtet3 nur in guten Mittelſtands- 
heimen und »ſanatorien vermittelt. Das Urteil über den Eintritt der 
Dienſtunfähigkeit und über den Beginn der Rente iſt ſach: und fach- 
kundigen Perſonen (darunter Männer und Frauen de3 Lehrſtands) 
anvertraut. Die Angeſtelltenverſicherung der Penſion3anſtalt zählt 
zurzeit rund 8400 Verſicherte. 
Univerſität Lauſanne. In Nr 4 (S. 31) wurde die Antwort eines 
Leipziger Schuldirektors auf die Aufforderung der Univerſität 
Lauſanne zur Beteiligung an den Ferienkurfen wiedergegeben. 
Cin zweites Antwortſchreiben liegt jezt von dem Oberſtudien- 
rat Dr. Egelhaaf vor, als dem dienſtälteſten der Gymmaſial- 
reftoren des Landes, das er im Einvernehmen mit ſeinen Amts- 
genoſſen von jämtlichen Vollanſtalten Groß-Stuttgart8 an das 
Rektorat der Hochſchule richtete. 
„Ew. Hochwohlgeboren haben uns wie in früheren Jahren, 
jo auch diesmal eine Anfündigung über dein für den Sommer 
1915 beabſichtigten Ferienkurs zugehen laſſen. Wenn wir bis8- 
her ſehr gerne bereit geweſen ſind, unſere Schüler auf dieſe 
Ferienkurſe hinzuweiſen, ſo ſind wir künftig dazu nicht mehr im- 
ſtande. Angeſichts der Feindſeligkeit, welche in der franzöſiſchen 
Schweiz gegen Deutſchland aus Anlaß des ihm frevelhaft auf= 
gezwungenen Krieges betätigt wird, exachten wir e8 als eine 
Ehrenſache deutſcher Schulvorſtände, unſere Schüler nicht bloß 
nicht zum Beſuch dieſer Kurſe aufzumuntern, ſondern ſie davon 
nach Kräften abzumahnen. Wir bitten Sie demnach, von der 
Zuſendung Ihrer Anfündigungen au uns3 künftig abſehen zu 
wollen. Hochachtungsvoll uſw.“ 
Lyzeum und Oberlyzeum. Die „Deutſche Tageszeitung“ ſchreibt: 
„Roh kein Jahrzehnt iſt verfloſſen, ſeitdem in Nord- und Mittel- 
deutſ<land die althergebrachte gute Bezeichnung Höhere Mädchenſchule 
durc< die hochtrabenden Bezeichnungen „Lyzeum“ und „Oberlyzeum' 
erſezt wurde. Bi3 dahin kannten wir im Deutſchen Reiche nur die 
ſieben bayriſchen Lyzeen (ſechs königliche und ein biſchöfliches), die 
halbe Univerſitäten darſtellen und wie das gleich unvollſtändige preu- 
ßiſche zu Braunsberg bloß eine katholiſch-theologiſche und eine philo- 
ſophiſche Fakultät enthalten, ſowie die paar no< aus der franzöſiſchen 
Herrſchaft als Lycce verbliebenen Gymnaſien zu Straßburg, Colmar 
ji. Elſaß und Meß. Während aber bei allen dieſen wenigſtens alte
	        

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