Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

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laſſen der Volk3ichule noc< nicht in einen Beruf eintreten, wären hauswirtſchaftlichen Klaſſen zuzuweiſen und auch hier in 
Qeben3kunde in die Berufsverhältniſſe einzuführen. 
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Den Berufsberatung3- und Vermittlungsſtellen können Volk3- und Forthildungsſchulen wichtige Aufſchlüſſe geben über 
die geiſtige, körperliche und ſittliche Beſchaffenheit der Berufſuchenden. Ein hierauf bezügliches Urteil darf nicht zu allgemein 
gehalten ſein, wenn es wirklich brauchbare Fingerzeige geben ſoll. 
5. 
Die Lehrerſchaft der Volk8- und Fortbildungsſchulen wird in der in Leitjaß 2--4 gekennzeichneten Art die Berufs- 
beratung der Jugend um ſo beſſer unterſtüßen können, je mehr ihr ſeitens der Beratungs3- und Vermittlungsſtelle Einbli> in 
die Berufsverhältniſſe geboten wird. Da3 kann geſchehen durc< Vorträge, Veröffentlihungen oder Zuziehung einzelner Perſön- 
lichkeiten zu den Arbeiten der Zentralſtelle. Franziska Ohneſorge. 
Die Aufgaben der höheren und mittleren Schule bei der Berufsberatung 
der weiblichen Jugend. 
Seitſöße. 
Die Schule muß 
1. den Willen zum Beruf in den Schülerinnen wecken, da er in den höheren Schulen noc< nicht in dem Maße ſelbſt- 
verſtändlich iſt wie in der Volksſchule, 
Dazu dient 
a) die Beeinfluſſung der Schülerinnen; 
b) die Beeinfluſſung der Eltern. 
Mittel zu 23: 
1. im Unterricht: 
Die Schule hat Verſtändnis zu erwe>en für das Arbeitsleben unſeres Volkes, das jeht weniger al38 je müßige 
Kräfte duldet. Entſprechend der Reife der Schülerinnen ſind im Geſhicht3unterricht, im Geographieunterricht uſw. die 
Arbeits8gebiete der Frauen zu behandeln. 
2. erziehlich: 
Die Entwieklung des Verſtändniſſe3 für das Weſen der Berufsleiſtung. Die Mädchen müſſen daran gewöhnt 
- werden, auch ihre weibliche Beſtimmung als Beruf aufzufaſſen, damit ſie einſehen, daß diejenigen, die keinen Haus- 
frauenberuf auszuüben haben, einen anderen ergreifen müſſen. 
Mittel zu b: 
Perſönlicher Verkehr mit dem Elternhaus, Elternabende, Verteilung von aufklärenden Flugſchriften über die wirt- 
ſchaftliche Lage der Frauen im Mittelſtand uſw. 
Die Schule muß 
x die richtige Berufswahl erleichtern. 
Mittel dazu: 
a) Sorgfältigere pſyc<hologiſ<e Beobachtung der Fähigkeiten. 
b) Stärkere Differenzierungsmöglichkeiten auf Grund der Begabungen. 
ce) Direkte Aufklärung über Berufsmöglichkeiten. Dieſe muß ſachkundig ſein und kann nur dann durc die Schule 
ſelbſt vorgenommen werden, wenn dieſe über vollkommen ſachkundige Kräfte verfügt. Jn den meiſten Fällen iſt 
Zuweiſung an eine Berufsberatungsſtelle nötig, mit der die Schule in Verbindung ſtehen muß, indem ſie ſichere 
Auskunft über die Begabung der Schülerinnen übermittelt. 
ad) Vermittlung von Stipendien zu Ausbildungszweden. 
III. Die Frauenſchule hat al3 lediglich allgemeine Bildungsanſtalt erfahrungsgemäß ihren Zwe verfehlt. Sie muß eine 
ſoziale Berufsſchule werden, die zugleich die allgemeinen Dildungswerte vermittelt, die der Hausfrauen- und Mutter- 
beruf notwendig macht. Johanna Gottſchalk. 
 
Für die Verwendung der Jubiläumsſpende ſtellt der Landesverein Preußiſcher Volksſchullehrerinnen den Antrag: 
„Der größte Teil der Jubiläumsſpende werde zur Schaſſung von Jugendheimen für erwerbstätige Mädchen 
aus dem Volke verwendet." 
(E3 liegen ferner für die Verwendung folgende Anregungen vor: Die Jubiläumsſpende möge für Zwece der Be- 
rufsberatung der weiblichen Jugend beſtimmt werden oder zu Stipendien für die Beruſsausbildung. 
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Wir bitten die Anmeldung der Teilnehmerinnen an der Kriegstagung des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
ſowie der Delegierten der Vereine, ſoweit ſie nicht jhon erfolgt iſt, nunmehr umgehend zu bewirken, und zwar an die Ge- 
ſchäftsſtelle des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins, Berlin W, Bayreuther Straße 38. Die Delegierten 
der Sektionen haben ſich bei ihren Sektionsvorſikenden anzumelden. 
Der Vorſtand des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins. 
IJ. A.: Helene Lange, BVorſißende.
	        

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