Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

G. W. Whipple bearbeitet, 2 Bde.). „Pſychologie de38 All- 
tagöleben3“ (Geiſtige Verrichtungen und Pflichten des täg- 
lichen LebenS8), „Zeitfragen deutſcher Nationalerziehung“. 
Neben dieſer reichen ſchriftſtelleriſchen Tätigkeit leitete Meu- 
mann mit Wirth zujammen das „Archiv für die gejamte 
Pjychologie“, gab mit Lay die „Zeitj<hrift für experimen- 
telle Pädagogit“ heraus, die ſpäter in der „Zeitſchrift für 
pädag. Pſych. u. exper. Pädag.“ aufging, als deren Mit- 
herausSgeber Meumann zeichnete. Auch in diejen Zeitſchrif- 
ten veröffentlichte er zahlreiche Aufſäze und gab alljährlich 
den Bericht über Pſychologie und experimentelle Pädagogik 
in Schlagers „Pädagogiſchem Jahresberichi“. Al3 Heraus- 
geber von Sammlungen experimentell-pädagogiſ<er und 
anderer Unterſuchungen beteiligte er ſich. an folgenden Unter- 
nehmungen: „Sammlung von Abhandlungen zur pjyco- 
logiſchen Pädagogik“, „„Pädagogiſch-pſycologiſche Forſchun- 
gen“, „„Bädagogiſ<e Monographien“, „Die Pädagogik der 
Gegenwart“, „Pädagogium“. 
Einem überaus arbeit3reichen Leben hat der Tod cin Ziel 
geſeßt, einen hodgejinnten, aufrechten, zielbewußten Men- 
Ibßen hat er jäh dahingerafft. Mit Meumann ſinkt ein ge- 
borener Forſcher ins Grab, er ſtand auf der Höhe jeines 
Schaffens und verſpra<g no<h viel. Nach dem Kriege hätte 
ihn die Lehrerſchaft ſicher an ihrer Seite geſehen mit tat- 
kräftigem Beiſtand bei der Löſung kkommender großer Auf- 
gaben. Wie er zu unſerer Zeit ſtaud, bekannte er vor kurs 
zem in folgenden Worten: „Die Beſchäftigung mit Er- 
ziehungsfragen hat mir immer wieder den Gedanken auf- 
gedrängt, wie ausSgedehnt und. wie ſtark die geiſtige und ſitt- 
liche Gemeinſc<haft der führenden Kulturnationen unſerer Zeit 
iſt. Sie alle ſtreben auf dem Gebiete der Erziehung den 
gleichen idealen Zielen zu, und die Gemeinſamkeit der päd- 
agogiſ<en Probleme überwiegt bei weitem die nationalen 
und lofalen Meinungsverſ<hiedenheiten. E3 beſteht daher viel- 
leiht auf keinem anderen Gebiete menſchlicher Beſtrebungen 
eine ſo weitgehende Möglichkeit des friedlichen AuStauſches 
und des gegenſeitigen Geben3 und Nehmens wie in der Er» 
ziehung. Bielleicht wird die Erziehungö3arbeit und Er- 
ziehung3wiſſen]<aft einmal das geiſtige Lebensgebiet wer- 
den, von dem aus ſich die Völfer Enropa3 wieder verſtehen 
und achten lernen.“ 
Die Tertfeſtſtellung der „Wacht am Rhein“ 
| für die Schulen. 
Der Miniſter der geiſtlichen und Unterrichtsangelegenheiten 
in Preußen hat gegenüber den verſchiedenen Aus8gaben des 
Liedes „Die Wacht am Rhein“ eine einheitliche Faſſung auf- 
ſtellen laſſen, die fortan für den Schulgebrauch verbindlich ſein 
ſoll. In der entſprechenden Verfügung heißt es: 
„Die Frage, welche von den verſchiedenen Textgeſtal- 
tungen des Liedes „Die Wacht am Rhein", die in den 
Lehr- und Liederbüchern der Schulen verbreitet ſind, als 
maßgebend anzuſehen ſei, iſt in der Fachpreſſe mehrfach 
erörtert und es iſt dabei auf die Unzuträglichkeiten hin- 
gewieſen worden, die ſic aus den Abweichungen ergeben. 
Einer an mich ergangenen Anregung folgend habe ich 
in meinem Miniſterinm eine Beſprechung von Sach- 
kundigen veranlaßt, um über jene Frage eine Verſtändi- 
gung herbeizuführen. Die bei weitem überwiegende Mehr- 
zahl -dieſer Fachmänner hat ſic auf den Standpunkt der 
Faſſung geſtellt, in der es dem Komponiſten vorgelegen 
und ſeine weite Verbreitung und ſeine Volkstümlichkeit ge- 
wonnen hat. An den Stellen aber, wo die Faſſung des 
Dichters aus äſthetiſchen oder muſikaliſchen Gründen 
empfehlenswerter iſt, erſchien es richtiger, auf den ur- 
ſprünglichen Wortlant zurückzugehen.“ 
[+] 
 
Den Königlichen Provinzialſchulkollegien wird der Auftrag 
gegeben, für die Verwendung dieſes Textes durch die Schule 
Sorge zu tragen. | NE 
Solche Stellen jezt entſchiedener Faſſung ſind beſonder3: 
Str. 2, Zeile 3: Der Deutſche, bieder, fromm und ſtark. 
„ 2, „ 4: beſchirmt die heil'ge Landesmark 
„ 3, „ 1: Er bliekt hinauf in Himmelsaun. 
„6 
„ 2: Die Fahnen flattern ho< im Wind. 
Dieſe Textau8gabe wurde den Schulen überwieſen in den 
Tagen, in denen Deutſchland mit dem Eintritt des neuen 
Jeindes in den Weltkrieg lehrreiche, wenn auch ſchmerzliche 
Betrachtungen anſtellen konnte über den Gegenſaß von deut- 
ſcher und weljcher Auffaſſung der Bundestreue, des gegebenen 
und beſiegelten Wort3. Darum darf e3 nicht als Zufall auf- 
gefaßt werden, iſt vielmehr ein Symbol unſerer neuen Beur- 
teilung, wenn die Strophe, die biSher -- wohl aus Rückſicht 
auf unſern früheren Bundes8genoſſen im Süden -- ausgelaſſen 
war und in der Schule nicht mitgelernt werden durfte, jeht 
wieder der neuen Textgeſtaltung eingefügt iſt und von Jung- 
deutſchland ſicher mit beſonderem Nachdru> geſungen werden 
wird: „Und ob mein Herz im Tode bricht, 
wirſt du doch d'rum ein Welſcher nicht. 
Reich wie an Waſſer deine Flut, 
iſt Deutſchland ja an Heldenblut.“ 
Schulmuſeum. 
In der Ausſtellung „Schule und Krieg“ findet ſich eine Aufforde- 
rung, die hier als Anregung wiedergegeben werden „oll: 
Jede Schule in Stadt und Land gründe ſich jezt ein 
Schulmuſeum für Kriegserinnerungen, 
Zwe: Das heimatliche Schulmuſeum für Kriegserinnerungen ſoll die 
Jugend anſchaulich und dauernd darüber belehren, was in unſe- 
rer großen Zeit Vaterland und Heimat, einig und ſtark, durch- 
lebten und erreichten, und was hierbei die Einwohner der Ge- 
meinde, im Felde oder daheim, geleiſtet haben. 
Cinrichtung während des Krieges dur<g Vorarbeit. 1. Material- 
jammlung für die Shul- und Krieg8<ronik der Gemeinde, Kriegs- 
wohlfahrt8pflege, Kriegsabende, Jugendpflege uſw. (2. und 3. be- 
zieht ſic) auf Knabenſchulen [Kriegsteilnehmer]). 4. Sammlung 
von Literatur und Bildwerken. In der Heimat geleſene Zei- 
tungen vom 1. Auguſt 1914 ab, iluſtrierte Zeitſchriften, Bücher, 
Bilder, Kriegskarten, Depeſchen, Verluſtliſten, Abſchriften, Ge- 
dichte, Lieder, Briefe, auch in Abſchriften, Broſchüren uſw. 
Nach dem Kriege Fortſezung der obigen Vorarbeiten. Hierfür 
wäre es erwünſc<t, daß das Königliche Kriegsminiſterium nach 
vem Friedensſc<hluſſe jeder preußiſchen Schule aus der Kriegs- 
beute eine kleine Lehrmittelſammlung, Waffen, Munition, Uni- 
formen oder deren Abbildungen ſtiftet. Seitens der Schuls 
gemeinde: Anſchaffung von Behältniſſen für die Sammlung, z. B. 
eines Glasſhrankes für kleine Schulen, eines beſonderen Raumes 
für größere Schulen, vielleicht im Zuſammenhange mit dem Lehr- 
mittelzimmer. Auch mancher Schulflur wird geeignete Wand- 
fläc<ßen für Glasſchränke bieten. Wo ſchon ein Stadt: oder Dorf- 
muſcum, eine Volk38-, Fortbildungsſchul-Bücherei, oder eine Leſe- 
halle beſteht, könnte die Sammlung für Kriegserinnerungen an- 
gegliedert werden. 
Gründung: Der Entſ<luß zur Gründung eines eigenen Scul- 
muſeums für Kriegserinnerungen oder deſſen Angliederung an 
vorhandene Einrichtungen müßte in jedem Dorfe und in jeder 
Stadt ungeſäumt gefaßt werden. Die Lehrerſchaft wird gewiß 
gern deſſen Ausführung übernehmen. 
Guſtav Gericke, Kantor, Velten bei Berlin.
	        

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