Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins - 32.1915/1916 (32)

Aufmerkjamkeit darauf, daß die für alle Groß- und Mittel- 
ſtädte geforderten mit hauptamtlichen Beraterinnen beſeßten 
Beratungsſtellen aus wirtſchaftlichen Gründen wohl ſchwer- 
lic) unmittelbar nac dem Kriege überall geſchaffen werden 
könnten. So ſehr man feſthalten müſſe an dem Endziel, 
nur hauptamtliche Beraterinnen anzuſtellen, werde man doch 
vorläufig nach anderen Ausſc<hau halten müſſen, die neben- 
amtlich die Beratung ausüben. Als ſolche Kräfte kämen vor 
allem Lehrerinnen in Betracht, und es ſei bei den Städten dahin 
zu wirken, daß Lehrerinnen zu ihrer Ausbildung zu Kurſen 
beurlaubt und nachher amtlich etwas entlaſtet würden, um 
jich der Berufsberatung widmen zu können. 
Wa3 die Schule im allgemeinen zur Berufsberatung bei- 
tragen kann, das behandelten im Anſchluß an Frau Levy- 
Rathenaus Ausführungen die Berichterſtatterin für die Volks- 
ji<hule, Frl. Gottſ<half (Bonn) für die höhere Schule. Be- 
lehrend und erziehend hat die Schule einesteil8 die Jugend 
über die Bedeutung der Berufswahl und den Ernſt der Be- 
rufstätigkeit aufzuklären, auf Grund ihrer Kenntnis der 
Schülerinnen andrerſeits der Beratungsſtelle Aufklärung über 
die Gignung der berufſuchenden Jugend zu geben. 
Damit kann ſie an ihrem Teile beitragen, die Mädchen im 
Berufsleben in die Bahnen zu lenken, in denen ihre Kräfte 
und Anlagen ſich entwickeln können zu ihrer eignen Förde- 
rung und zur Förderung des Gemeinſchaftslebens. Nur 
wenn die pſychologiſchen und pädagogiſchen Erfahrungen der 
Schule ſich zuſammenfinden mit der volk8wirtſchaftlichen Ein- 
ſicht einer fachlichen Beratungsſtelle, kann die Berufsberatung 
wirklich ein ſoziales und erziehliches Werk werden. 
Von der ſozialen und erziehlichen Bedeutung der Berufs- 
beratung beherrſcht, ſtanden die Verhandlungen de8 Nach- 
mittags im Dienſte derſelben Aufgabe, der die Vormittags- 
verhandlungen über die weibliche Dienſtpflicht gewidmet 
waren: Den Geiſt bereiten zu helfen, in dem nach dem 
Kriege ein neues Frauengeſchlecht gebildet werden ſoll, 
ein Frauengeſchlecht, das in treuer Erfüllung feiner nächſten 
Pflichten in Haus und Beruf zu ſtaats8bürgerlicher und 
volkswirtſchaftlicher Leiſtungsfähigkeit heranreiſt. | 
87 
 
Nachrichten. 
Neue Beſtimmungen für Schulfahrten. Die Vorſchriſten über die 
Ermäßigung der Fahrpreiſe für Schulfahrten uſw. ſind geändert 
worden. Dieſc gelten für Fahrten zu wiſſenſchaftlichen und be- 
lehrenden Zweden, bei Schulfahrten und Fahrten nach und von 
Ferienkolonien für Schüler und Begleiter. Bei Fahrten zu wiſſen- 
ſ<haftlichen Zwecken in 2. und 3. Wagenklaſſe unterſcheidet man 
Lehrer und Studierende, bei Fahrten im Jntereſſe der Jugend- 
pflege in 3. Wagenklaſſe die Aufſicht3perſonen und die jugend- 
lichen Perſonen. Bei einer Beteiligung von zehn Perſonen 
werden zwei Lehrer oder Begleiter, bei einer größeren Teil- 
nehmerzahl für je weitere zehn Perſonen ein Lehrer oder 
Begleiter zugelaſſen. Dies gilt auch, wenn die Zahl zehn 
nicht voll erreicht iſt. Die Beteiligung einer größeren Zahl 
von Lehrern oder Begleitern iſt nur mit Genehmigung der 
vorgeſeßten Eiſenbahnverwaltung zuläſſig. Kommen verſchiedene 
Eiſenbahnverwaltungen in Betracht, ſo werden die Anträge 
von der Verwaltung entſchieden, die der Abgangsſtation vor- 
geſeßt iſt, die ihrerſeits ſich mit den anderen beteiligten Ver- 
waltungen ins Einvernehmen ſetzt. 
Jüdiſche Lehrfräfte zur Vertretung <rifiliher Lehrer und Lehre- 
rinnen. Der Verein deutſcher Staatsbürger jüdiſchen Glaubens hatte 
ſic an den preußiſchen Unterrichtöminiſter gewandt mit der Bitte, 
auch jüdiſche Lehrer und Lehrerinnen in der Kriegs8zeit zur Vertre- 
tung d<riſtliher Lehrkfräſte verwenden zu laſſen. Der Unterrichts- 
miniſter hat dieſe Zulaſſung genehmigt, wenn die Schulaufſichts- 
behörden damit einverſtanden ſind. 
Au3s dem Jahresbericht de38 Bereins katholiſcher deutſcher Lehre- 
rinnen ſeien folgende Mitteilungen hervorzuheben: Die Mitgliederzahl 
betrug im Jahre 1914 16768, an Sammelſtellen beſit der Verein 
216, an Bezirksvereinen 123. An Kurſen fanden ſtatt je zwei ſozial- 
pädagogiſche Einführung8-, Jugendpflege- und Handarbeitskurſe; die 
übrigen geplanten Kurſe wurden durch den Krieg verhindert. Die 
Krankenkaſſe zählt 1458, die Unterſtüßungskaſſe 4070 Mitglieder. Die 
Unterſtüzungen der leßteren betragen 67000 &. Die Heime des Ver- 
eins wurden zu Lazarcttzwe>en zur Verfügung geſtellt. Die übrigen 
Wohlfahrtseinrichtungen arbeiteten in der bekannten Weiſe, ganz be- 
ſonders ſegen3reich erwies ſic der Ausſ<uß für Standeskaritas, dex 
ſi; der durch den Krieg aus8gewieſenen oder ſtellungs1o8 gewordenen 
Lehrerinnen annahm. 
Hierzu Beilagen von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin, die der Beachtung der Leſer empfohlen werden. 
Anszug aus dem Stellenvermittlungsregiſter des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenuvereins. 
Zentralleitung: Berlin W 62, Bayreuther Straße 38, Gartenhaus pt., Telefon- Amt Kurfürſt 2415, 
. Sofort ſucht Familie, Poſen, für einen Knaben, 12, ein 
Mädchen, 10 Jahre, eine evangeliſche geprüfte Lehrerin mit 
Latein» und Muſikkenntniſſen. Gehalt 800 4 und freie 
Station. 
. Sofort ſucht adlige Familie, Me&lenburg, für zwei Knaben 
von 11 und 6 Jahren eine evangeliſche geprüfte Lehrerin 
mit guten Lateinkenntniſſen. Gehalt nach Übereinkunft. 
3. Sofort ſucht Rittergutsbeſiker38familie, Oſtpreußen, für ein 
11 jähriges Mädchen eine evangeliſche geprüfte Lehrerin 
mit etwas Erfahrung. Gehalt 700 4 bei freier Station. 
. Sofort ſucht Familie, Weſtfalen, für ein Mädchen von 
7 Jahren eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. Die Schul- 
arbeiten von zwei Mädchen von 13 und 11 Jahren wären 
zu beaufſichtigen. Gehalt 650--800 4 bei freier Station. 
. Sofort ſucht Rittergutsbeſitersfamilie, Brandenburg, für 
zwei Mädchen von 13 und 10 Jahren eine evangeliſche 
geprüfte Lehrerin. Muſik und Zeichnen erwünſcht. Ge- 
halt 800--1000 4 und freie Station. 
. Sofort ſucht freiherrlihe Familie in Thüringen für ein 
Mädchen von 11 Jahren eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. 
Muſikunterri<t Bedingung. Gehalt 606 4 und freie Sta- 
tion. 
. Sofort ſucht adlige Familie, Pommern, für zwei Mädchen 
von 11 und 7 und zwei Knaben von 8 und 9 Jahren 
eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. Gehalt 1000--1200 4% 
und freie Station. 
 
8. Zum 1. Juli ſucht Rittergut5pächter5familie, Sachſen, für 
zwei Mädchen von 12 und 8, und einen Knaben von 9 Jah- 
ren eine evangeliſche geprüfte Lehrerin. Gehalt nah üÜber= 
einkunft. 
. Zum 1. Auguſt ſucht Rittergutsbeſißers5famitie, Poſen, für 
einen Knaben von 9 und ein Mädchen von / Jahren 
eine geprüfte, evangeliſche Lehrerin mit Muſikkenntniſſen. 
Latein bis Quinta. Gehalt 900 %&% und freie Station. 
Zum 1. Auguſt ſucht adlige Familie, Schleſien, für ein 
Mädchen von 62?/, Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin. Gehalt 600 & und freie Station. 
Zum 15. Auguſt ſucht gräfliche Familie, Oſtpreußen, für 
zwei Knaben von 10 und 6 und ein Mädchen von 9 Jahren 
eine geprüfte, evangeliſche Erzieherin. Latein einſchließlich 
Quarta. Gehalt nach Übereinkunft. 
Zum 1. Oktober ſucht freiherrlihe Familie, Oſtpreußen, 
für ein Mädchen von 13 Jahren eine evangeliſche geprüfte 
Lehrerin mit Muſikkenntniſſen. Sprachen im Ausland ex- 
wünſcht. Gehalt 800--1200 4 und freie Station. 
Zum 1. Oktober ſucht Oberamtmannsfamilie, Pommern, 
für zwei Mädchen von 8 und 10 Jahren eine geprüfte, 
evangeliſ<e Lehrerin. Gehalt 800--1000 4 und freie 
Station. , 
Zum 1. Oktober ſucht Rittergutsbeſißersfamilie, Melen- 
burg, für ein Mädchen von 14 Jahren einc geprüfte, 
evangeliſche Lehrerin mit Muſikkenntniſſen. Gehalt 700 bis 
900 & und freic Station. 
10. 
11. 
12. 
14. 
Die Adreſſen der Lehrerinnen und Stellen dürfen nicht weitergegeben werden. 
Bedingungen für den Nachweis der Stellen verſendet die 
Zentralleitung der Stellenvermittlung des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins, Verlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt. 
Tel. - Amt Kurfürſt 2415. 
Sprechſtunden wochentags von 12-- 3 Uhr, Sonnabends 11--1 Uhr. 
Beitrittserklärungen ſind an die Geſchäftsſtelle des Vereins, Berlin W 62, Bayreuther Str. 38, Gartenhaus pt., zu richten. 
Die Stellenvermittlung für akad. geb. Lehrerinnen liegt jeht in den Händen von Frl. Eliſe von Keudell, 
Berlin- Schöneberg, Martin Lutherſtraße 51 (Sprechſtunden: Montag und Donners8tag von 3% 4%; Uhr).
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.