Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins. Beiblatt B - 33.1915/1916 (32)

 
 
32. Jahrgang | 18. März 
Beiblatt B 1916 
Ur. 26 
Die Lehrerin ““ 
Organ des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Beiblatt des Verbandes Deutſcher DolkSſichullehrerinnen 
Sektion des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Herausgegeben vom Sektions-Dorſtand | 
Schriftleitung: Sranziska Ghneſorge in DresSden x Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 
 
 
 
Alle Manuſkriptſendungen für dieſes Beiblatt B ſind zu richten an Fräulein Sranziska Ohneſorge, Dresden, Alemannenſtraße 1 11. 
Unverlangt eingeſandte Manuſkripte können nur zurüFgeſandt werden, wenn ausreichendes Rückporto beigefügt iſt. 
 
 
 
Verein Berliner Volksſhullehrerimen. . . . . . . . . . S. 101 | Landwirtſchaft und Schule. . unn un m m + S. 102 
Zentralſtelle für Recht3ichuß de38 Landesverein38 Preußiſcher Ein Schulbericht aus Bre8lau . . ... un wn „ 103 
Volksſchullehrerimnnn . . uv u 101 | Unfall in der Turnſtunde. Eine Entſcheidung des Obexver- 
Die Haushaltungslehrerin auf dem Lande und ihre Berufs- | waltungs8gericht2S8 . ooo eis on rr wr 0 +b „ 104 
ausſichten „evo roe os ooo es „ 101 Mitteilungen «oo ».»»„„“».»».“».»“"»»""*"»»» „ 104 
Verein Berliner Volksſc<hullehrerinnen. der Schule vrachen die Kraft ber Unermüblichen Wir 
Am 27. Februar wurde unſere hochverehrte Ehren- ſahen jie von der Stelle ſcheiden, an die ſie uns zu gehören 
vorſigende, 
Fräulein Hermine .Steinike, 
nach kurzem Leiden aus dieſem Leben abgerufen. Wir haben 
bewegten Herzens an ihrem Sarge geſtanden bei der Ab- 
ſchied3feier vor der Überführung ihrer ſterblichen Hülle nac 
dem Familienbegräbnis in König38walde in der Neumatrk. 
Zwei Vorſtandsmitglieder haben den Verein Berliner Volks- 
jchullehrerinnen bei der Begräbnisſeier in der Heimat der 
Entſchlafenen vertreten. 
Hermine Steinike hat den Vorſit im Verein Berliner 
Volksſchullehrerinnen nur fünf Jahre geführt, aber in dieſer 
kurzen, arbeitsreichen Zeit die Erwartungen noc<h übertrof- 
jen, mit denen man ihr bei ihrem AmtS5antritt entgegenkant. 
Cine tief innerliche Natur, allem Hervortreten ihrer eige- 
nen Perſon abgeneigt, ausgerüſtet mit den Gaben des Her= 
zens, die es ermöglichen, allen alles zu werden, ſo kann 
ten wir Hermine Steinike ſchon, ehe ſie Mitglied unſeres 
Vorſtandes wurde, aus ihrer Arbeit in der Schule, für ihre 
Schülerinnen, für ihre Amtsgenoſſinnen. In der Geſchichte 
unjeres Lehrerinnenheims, wie in der der ſozialen Arbeit 
unſeres Verein3 bleibt ihr Name unvergeſſen. =- Bei ſolcher Ver- 
anlagung, bei ſolcher Einſtellung des Lebens und des Wir- 
fen3 hätte e8 wohl die Frage ſein können, ob der reichliche 
äußere Arbeitsbetrieb, den eine leitende Stelle im Vereins8- 
leben mit jich bringt, nicht den Leben3ſtrom, der von einem 
Menſchen ihrer Art aus8geht, unterbinden, oder ob er ſelbſt | 
nicht in ein der Organiſation verhängnisvolles Stocken ge- 
raten würde. Beide3 iſt nicht eingetreten. Mit Selbſtloſigkeit 
hat Hermine Steinike auch diejenigen ihrer neuen Pflichten, 
die ihrer eigentlichſten Neigung nicht entſprachen, in ihren 
Willen. aufgenommen und mit klarem und weitem Bli 
die Weitreichende Verantwortung erkannt, die ihre Stel- 
lung ihr für ihren Beruf und Stand auferlegte. In über= 
reichem Maße aber hat ſie auch in ihrem Amt als Wor- 
jihende Gelegenheit gefunden, ihren ſozialen Sinn, ihr mit- 
ſühlendes Herz und ihre offene Hand zu bewähren. Und 
wer von uns, die wir ihr näher ſtanden, ihr Wirken und 
Weſen prüfend überſchaut, muß, ſagen: e8 war ihr nichts 
nur Betrieb, e3 war ihr alles Dienſt und im tiefſten Sinne 
ihrer Leben3auffaſſung Gotte3dienſt. 
Und ihre Arbeit wurde ihr immer lieber, auch dann 
noch, als ſie ſich zum Teil in Kriegsdienſt verwandelte. 
== Da wurde die geliebte Schweſter, die Hüterin ihres Hau- 
jes und Mitträgerin aller Arbeitslaſt, durch den Tod von 
ihrer Seite genommen. Dieſer Schmerz und ein Unfall in 
 
 
ſchien, und hofften wenigſten8, daß ihre Kräfte jich heben 
und noch lange der Schule und einem kleineren Wirkungs3- 
kreiſe erhalten bleiben würden. Unerwartet ſchnell hat eine 
Lungenentzündung nun ihrem Leben ein Ziel gejegt. Jhr 
Undenken aber bleibt im Segen! Was ſie für den WBerein 
getan hat, noch mehr: wie jie ihn vertreten hat, das wird 
von ihm und über feine Grenzen hinaus dankbar empfunden 
und anerkannt werden. | 
Zentralſtelle für Rechtsſchuß 
des Landesvereins Preußiſcher Volfsſchullehrerinnen. 
Infolge zahlreicher an uns gerichteter Anfragen machen 
wir die Kolleginnen noch einmal darauf aufmerkſam, daß 
ein Einjpruch gegen die Veranlagung zur Kom- 
munaljteuer zu geichehen hat, ſobald die Veranlagung für 
1916 eingetroffen iſt. Beiträge, die für 1915 oder noch früher 
ohne Ginjpruch gezahlt ſind, werden nicht zurücgezahlt« 
Den Anfragen an die Zentralſtelle für Rechts3ſ|c<huß ſind von 
VPeitgliedern 0,30 &%, von Nichtmitgliedern 1 & in 5-Pfennig- 
Driefmarken beizufügen. Wir bitten aber, in derſelben 
Angelegenheit die Zahlung nur einmal zu leiſten. 
Weitere auf dieſelbe Sache bezügliche Anfragen ſind frei, 
gleichviel wann und in welcher Zahl ſie erfolgen. 
Noch einmal bitten wir dringend, uns von dem Verlauf 
der Sache, in der wir Rat erteilt haben, in Kenntnis zu 
fjeben. Die Zentralſtelle bedarf, wenn ſie erfolgreich 
arbeiten joll, unbedingt diejer Mitteilungen. 
JI. A.: Hedwig Jaſtrow, Vorſigende, 
Berlin NW 23, Altonaer Str. 33. 
Die Haushaltungslehrerin auf dem Lande 
und ihre Berufsausſichten. 
Über den neuen Beruf der landwirtſchaftlichen Hau3=. 
haltungslehrerin ſchreibt das „Weſtfäliſche Volksblatt“: 
Die Lehrerin der landwirtj<aftlicen Haushaltungskunde 
iſt nicht. nur im Kochen und in der Hauswirtſchaft ausge- 
bildet, jondern auc in den mit der Gewinnung der im 
Vaushalte nötigen Erzeugniſſe verbundenen Arbeit38gebieten, 
die auf dem Lande in der Regel der Gutsfrau obliegen, 
namentlich Geflügelzucht, Meolkereiweſen, Schweinehaltung, 
Obſt=-, Gemüje- und Gartenbau. Die Ausbildung dauert de3- 
halb ein wenig länger al3 bei der Gewerbeſchullehrerin. Im 
ganzen beträgt ſie vier Jahre, nämlich zwei Jahre auf den 
Wirtſchaftlihen Frauenſchulen de3 Reifenſteiner Vereins für
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.