Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins. Beiblatt B - 36.1919/1920 (36)

 
Füane 
36. Jahrgang 
Beiblatt B 
Ur. 1 
 
Die Lehrerin | * 
Organ des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Beiblatt des Verbandes Deutſcher VolkSſchullehrerinnen 
Sektion des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Herausgegeben vom ZSektions-Vorſtand 
Schriftleitung: Sranziska Ohneſorge in DresSden x Derlag von B. 6. Teubner in Leipzig und Berlin 
 
 
 
 
Alle Manuſkriptſendungen für dieſes Beiblatt B ſind zu richten an Sräulein Sranziska Ohneſorge, Dresden, alemannenſtraße 1". 
Unverlangt etngeſandte Manuſkripte können nur zurü&geſand, werden. wenn ausreichendes Rückporto beigefügt iſt Anzeigenannahme: B. G. Teubner, Berlin W 10. 1 
 
 
 
Provinzialverein Schieswig -Holſteiniicher Volksſchullehrerinnen S. 1 | Die Bodenſrage -- eine Frage der pädagogiſchen Politik. , . S. 3 
Deutſche Volk8gemeinſchaft zu Hann. -Münden . . . . . . . „1 | Mitteilungen . . ooo ois io irr ien FRIERENE -. „4 
Das neugeborene Kind! Von Ludwig Fineh . , . . . . „3 | 
Provinzialverein | heben, können Mitglieder der Deutſchen Volkögemeinſchaft 
Scleswig- Holſteiniſcher Volksſchullehrerinnen, 
Unſere diesjährige Hauptverſammlung findet vorausſichtlich 
ſtatt in Neumünſter am 45, und 16. April. - 
Der Vorſtand, 
Deutſche Volksgemeinſchaft zu Hann. - Münden. 
Durch die Nevolution fühlen wir uns vor die Aufgabe 
geſtellt, mit allen Kräften eine Verjüngung des geſamten 
deutſchen Volköleben5 zu erſtreben, es von allet Schlacken 
der fkranten, erſtarrten Begriffe und Syſteme zu befreien. 
E5 kann unmöglich ſo weitergehen, daß nur beſtimmte 
Kreife und Kaſten das Volk führen, ganz einerlei, ob ſie 
rechts oder links ſtehen. Auch darf es nicht geduldet werden, 
daß die Kulturaufgaben des Geſamtvolkes, der Städte und 
Dorſgemeinden einen einſeitigen Charakter der Partei be- 
fommen, denn. das muß. ſchließlich zur Zerrüttung führen, 
unter der das ganze Bolk leiden wird. 
Durch eine Spezialiſierung und Verfeinerung der Leben3- 
begriffe iſt unjer Volk zum Teil krank geworden. Der Menſch 
litt zu jehr unter Technik und Zahlen, Maſchinen und Zi- 
viliſation. 
Wir müſſen überall in der Heimat lebendige geiſtige 
Mittelpunkte ſchaffen, die da8 Kreiſen der Gedanken 
um das Wohl der Heimat beleben. 
Alle ſittlich hochſtehenden Männer und Frauen, Burſchen 
und Mädchen mäüſſen. ſich um das Volk8tum wieder küm- 
merit, Sie müſſen ſich zu deutſchen Volksgemeinſchaften Zu 
ſammenfinden. 
Wir wiſſen, daß das Volk5tum arg darniederliegt, und 
unſere Auſgabe geht dahin, alle edler Worke des deutſchen Vol- 
fes wieder zur Weltung zu bringen. Es kann die3 nur mög 
lich werden durch Mitarbeit aller jungdenkenden und leben= 
digen Deutſchen. Der tote Punkt der Zeit muß überwunden 
werden. Die Parteien mögen ſich um das politiſche Leben 
fümmern, die Deutſche Volt38gemeinſc<haft aber ſteht 
über den Parteien um des Volkes willen. =- Sie will das 
Volkötum pflegen, will Entwicklung deutſcher Art zu deut- 
j<em Volk und deutſcher Heimat zum Horte der Volkheit. 
Folgendes jind die Richtlinien unſerer Gedanken und Be=- 
ſtrebungen, die wir durch Umgang mit anderen, durch die 
Tat, Flugſchriften, Worträge uſv. verbreiten wollen. 
1. Die Deutſche Volks8gemeinſchaft zu Hann.- 
Mäünden ſekt ſich aus allen Schichten der Bewohner der 
Stadt Hann. - Münden zuſammen. Alle Deutſchen, die wirk- 
lich gewillt find, alle ſittlichen Kräfte unſeres Volkos zu 
 
| werden. Denn wir fordern eine Umwertung alles gemeinſchaſt- 
lichen Lebens. Das Herz des einzelnen joll wieder ausſchlag- 
gebend ſein, nicht ſein Stand, ſein Rang, ſein Geld oder 
ſeine politiſche Anſicht. =- Der hohe Sinn, der lebendige 
Geiſt, das edle Weſen eines jeden. Deutſchen ſollen ſich in den 
Dienſt der Volksgemeinſchaft ſtellen. 
2. Als Grundbau der kommenden Gemeinſchaft jehen wir 
die Weſundung unſeres perſönlichen und geſellſchaſtlichen KLe- 
bens an. 
3. Die Teutſche Volksgemeinſchaft will eine Erziehungs- 
gemeinſchaft ſein, deren Glieder ſich in gemeinſamem Ge- 
dankfenaustauſch und durch Vorträge klar werden wollen. 
über alle Fragen, die eine Geſundung unjeres WVolkslebens 
berühren. Dahin gehören. Ausſprachen über das Weſen des 
Deutſchtums, die Natur des Menic<en, Frauenſragen, Be- 
ruföachtung und Berufstragik, Wertarbeit, Lebensreform, Al- 
kohol» und andere Enthaltjamkeit5fragen, Siedlungswejſen, 
Kunſt und Literatur. 
Freudige Mitarbeit auf dieſen Gebieten wird erſtrebt, Art 
und Maß der Betätigung wird jedem freigeſtellt. 
Wenn Ausſprachen über Tragen der Politik und des Wirt- 
jhaftsleben3 nötig erſcheinen, jo jollen ſie jede Richtung zu 
Wort kommen laſſen und in Form wie Inhalt von Würde 
getragen werden. 
4. Die Deutſche Volksgemeinſchaft möchte die religiöſe Not 
unjerer Zeit namentlich unter den jungen Deutſchen mehr be- 
achtet ſehen. Es nuß wieder da5 religiöſe Leben mit dem 
Leben jelber verbunden werden. Ohne Religion kein Volk3- 
tum. Dabei wünſcht ſie jedoch keine Erſtarrung in Formen. 
5. Wir erſtreben wieder die Hebung des Familienfinnes 
und die Pflege edler Freuden in der Geſelligkeit. Dazu ge- 
hören die Veranſtaltung von Wanderungen, Pſleze der Volk3- 
ſpiele, Volksötieder, Volksfeſte im guten Sinne, Sonnwend»- 
feiern und Weihnachtsfeſte. Beſondere Beachtung landſchaft- 
licher Volkstrachten und -Sitten. | 
6. Einre beſondere Aufmerkſamkeit will die Deutſche Volks- 
gemeinſchaft dem Bildungswejen widmen. Sie tritt ein für 
Bolkserziehung bis zur Volk8hochſchule. Unſer Sinnen und 
Trachten muß wieder dahin gehen, aus der Jugend wahre 
Edpfeiler für die kommende Gemeinſchaft werden zu laſſen. 
Friſches Suchen und Arbeiten von Volköerziehern und Schüs- 
lern gemeinſam in und außerhalb der Schule iſt dazu not- 
wendig. Zu wünſchen iſt, daß die Lehrerſchaft gemeinſam 
mit den Schülern die Entwieklungöshemmuiſſe beſeitigt umd 
daß die Schule wieder durchweg al8 Hort dex Bildung und 
Vertiefung unſeres Geiſte8leben3 ſich aufbaut. 
Auch außerhalb der Schule erſtrebt die Deutſche Volks- 
gemeinſchaft eine verſtändnisvolle Pflege jugendlicher Wünſche
	        

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