Full text: Die Lehrerin : Organ des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins. Beiblatt B - 36.1919/1920 (36)

; 36. Jahrgan 
 
 
"| Die Lehrer 
| Organ des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Beiblatt des Verbandes Deutſcher VolkSſchullehrerinnen 
Sektion des Allgemeinen Deutſchen Lehrerinnenvereins 
Herausgegeben vom Sektions-Dorſtand 
| Schriftleitung: Sranziska Ohneſorge in Dresden x Derlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 
nd 
1. Januar 
1920 
 
 
 
 
! alle Manuſkriptſendungen für dieſes Beiblatt B ſind zu richten an Fräulein Sranziska Ohneſorge, Dresden, Alemannenſtraße 1 11. 
Unverlangt eingeſandte Manuſkripte können nur zurükgeſandt werden, wenn ausreichendes Rückporto beigefügt iſt. anzeigenannahme: B.G.Teubner, Leipzig, Poſtſtr.3. 
 
 
Verband Deuticher Volksſchullehrerinnen. Zuſammenjeßung des 
Geſchäftsführenden Ausſchuſſe8. . . . oo. bb + + + + + 
Verband Deutſcher Volksſchullehrerinnen. 
Zuſammenſcehung des Geſchäftsführenden Ausſchuſſes. 
Unter Leitung der Vorſizenden, Frl. v. Kule8z3a, wurde 
am 29. Oktober, nachmittags 5 Uhr, die erſte Sißung des 
Geſchäftsführenden Ausſchuſſes abgehalten. 
Von der Mitgliederverſammlung de8 Verbandes Deutſcher 
Volksſchullehrerinnen, Pfingſten 1919, iſt 
zur 1. Vorſigenden Frl. A. v. Kulesza, Berlin-Lichten- 
berg, Möllendorſſtr. 86, 
zur 2. Vorſißenden Frl. G. Kunze, Berlin 
gewählt worden. 
Nac< Beſchluß der Verſammlung ſollte ſi<ß der geſamte 
Ausſchuß ſelbſt ergänzen. Es treten hinzu: 
Frl. M. Bohn, Neukölln, Saaleſtr. 10, 
Frl. Nigmann, Berlin-Rummel3burg, Sonntagſtr. 35, 
Frl. Baader, Tasdorf b. Kalkberge. | 
Die Ämter werden wie folgt verteilt: 
1. Vorſikende: Frl. A. v. Kule8za, 
2. Vorſitzende: Frl. G. Kunze, 
1. Schriftführerin: Frl. Nigmann, 
2. Schriftführerin: Frl. A. Baader, 
Kaſſiererin: Frl. M. Bohn. 
Frl. Jaſtrow, die Mithilfe zugeſagt hat, ſoll gebeten werden, 
als Beiſißerin dem Geſchäftsführenden Ausſchuß beizutreten. 
Frl. Berndt, Neukölln, hat auch Mitarbeit zugeſagt. 
Die ſtädtiſchen haus- und landwirtſchaftlichen Kurſe 
in Eſſen. 
Die Stadt Eſſen hat Oſtern d. J. haus8- und landwirtſchaft- 
liche Fortbildungsklaſſen für ſchulentlaſſene Mädchen einge- 
richtet. Zur .-Zeit beſtehen im ganzen 25 Klaſſen, die von 
rund 1000 jungen Mädchen beſucht werden. Sie ſind teils in 
Schulräumen, teils in Bara>en untergebracht. Jeder Kurſus 
bebaute ein Stü Gemüſeland. Die erbauten Gemüſe wurden 
für den Kochunterricht im Winter eingemac<ht. Außerdem wur- 
den die jungen Mädchen in Reinigungs- und Ausbeſſerarbeiten 
geübt und. hatten Unterricht in Lebenskunde, hauswirtſchaftlicher 
Buchführung, Nahrungsmittellehre und Geſundheitspflege. 
Die ſc<wierige Aufgabe, die neue Schuleinrichtung auf- und 
aus8zubauen, lag in den Händen von Frl. Daniels, der ein 
Lehrförper von 17 Gewerbelehrerinnen zur Seite ſteht. Bei 
der Anleitung im Gartenbau waren außerdem eine Gärtnerin 
und drei gärtneriſche Hilfskräfte tätig. Die Verwaltung der Karſe 
- liegt. in den Händen eines von der Stadtverorduetenverſammlung 
gewählten Ausſchuſſes, der vorwiegend aus Damen beſteht. 
Die Klaſſen haben dreimal vier Stunden Unterricht, teils 
vormittags, teils nachmittags. Das Winterhalbjahr hat am 
1. Dezember begonnen. In ihm wird an Stelle des Gartenbaus 
Kochunterricht, ſowie Unterricht im Waſchen und Plätten neu 
5.37 
 
 
Die ſtädtiſchen haus- und landwirtſchaftlichen Kurze in Eſſen S. 37 
Ein Lehrplan im Sinne der Einheitsſchule . . . . . - .„. „38 
aufgenommen. Die übrigen Unterrichtsfächer werden weiter 
geführt, vielleicht tritt no< Kranken- und Säuglingspflege, 
ſowie Schneidern hinzu. 
Ein Lehrplan im Sinne der Einheitöſchule. 
Die von uns angeſtrebte Einheitsſchule wird ſich auf eine 
ganz andere Grundlage im Elementarunterricht ſtüßen müſſen 
als biöher. Jedes geſunde Kind, ganz einerlei aus- welcher 
Geſellſchaftsſchicht es ſtammt, will etwas tun, und der 
Tätigkeitötrieb iſt ſo ſtark, daß er einfach ſeine eignen 
Wege geht und häufig zur Zerſtörungsſucht führt, wenn er 
nicht geleitet wird. Dieſen Naturtrieb ſich dienjtbar 
zu machen, ihn umfaſſend zu pflegen in ver- 
ſchiedenſter Richtung, wird mmmehr endlich Sache jedes 
normalen Unterrichts ſein müſſen. In dem Neuen und Inter- 
eſſanten eines ſolchen Unterrichts wird es am eheſten möglich 
fein, die Kinder verſchiedener Kreiſe gemeinſchaftlich zu jc<ulen. 
Kommt ſpäter hinzu, daß ein richtig geleiteter Fröbelicher 
Kleinkinderunterricht für die Volksſchichten vorangehen wird, 
denen die Anleitung durch die Mutter fehlt, ſo würde 
damit ein Haupthindernis für die Einheitsſchule ſallen. 
Fröbel3 Jdeen, die ſo oft und viel verfannten, ſollten aber 
nicht nur im vorſchulpflichtigen Alter endlich verwirklicht 
werden, ſie ſollten vielmehr ganz beſonders für die erſten 
Schuljahre die Bauſteine liefern zum Neubau alles 
Unterrichts. Zu welchem Glü> und zu welcher großen Freude 
der Jugend damit verholfen würde, können nur die nach- 
fühlen, die ſchon verſucht haben, ihren Unterricht in ſolche 
Bahnen zu lenken. Ein Stück<hen ſolchen Reformunterrichts 
tritt in dem nachfolgenden Lehrplan, der zweimal praktijch 
ausprobiert wurde und ſich bewährt hat, in die Erſcheinung. 
Es handelt ſich um einen Plant für Anſchauungsunterricht 
in den erſten Schuljahren. Der Unterricht gruppiert ſich um 
Einheitsſtoffe, die der Lehrende ſelbſt auswählen kann, jie 
müſſen nur die Möglichkeit gewähren, eine paſſende Betäti- 
gung damit zu verbinden. I< habe gefunden, daß der 
Unterricht ſich vertiefte, wenn ein ſolcher Stoff alljeitig be- 
arbeitet wurde. Die in der Schule vorhandenen Anj<auungs- 
bilder: wurden zur Unterſtüßung des Unterrichts dauernd 
il8 Wechſelbilder verwandt und erfüllten jo ihren eigent- 
lichen Zweck, zur Belebung des Unterrichts zu dienen, vie! 
mehr, als iwvenn ſie ſelbſt nur in einzelnen Stunden Mittel- 
punkt des Unterrichts waren. Ungemein fördernd in jeder 
Richtung ſind auch die Bewegungsſpiele, die ſowohl ſprach- 
lich. als geſanglich einen hohen Wert haben, ganz bejonders 
„auch, wenn man's verſteht, eine feine Herausarbeitung in der 
Darſtellung“ der Spiele zu erreichen. Viele Begriffe werden 
dadurch zwanglos übermittelt und praktiſch ausgeführt unter 
freudigſter Anteilnahme der Kinder, Alles weitere ergibt 
“ſich aus dem Plan, 
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